Kaiserslautern
Gesangverein feiert 150. Geburtstag mit Jubiläumskonzert
Norbert Siedow, dem langjährigen Vorsitzenden des Gesangvereins, ist der Männerchor ans Herz gewachsen. Der Chor sei das Gegenstück zu „Palzpepper“, einem reinen Frauen-Barbershop-Chor in Kaiserslautern. In der Vergangenheit habe es Bestrebungen gegeben, den Männerchor aufzuweichen. Doch die Besinnung auf das kulturelle Erbe habe den Männerchor weiterleben lassen, so der Vorsitzende. Gleichwohl sei der Auftritt des Frauenchors bei gemeinsamen Konzerten eine Bereicherung, erinnert Siedow an Veranstaltungen in der Vergangenheit.
Geboren als Liederkranz
Der Männergesangverein Erlenbach ist aus dem im Jahr 1874 ins Leben gerufenen Liederkranz hervorgegangen. Ihm gehören heute 143 Mitglieder zwischen 25 und über 80 Jahren an. Annähernd 30 aktive Sänger leihen dem Chor ihre Stimmen als Tenor und Bass. Dirigiert wird der Männerchor von einer Frau. „Als langjährige Dirigentin hält Alexandra Hoffmann die Zügel in Händen“, sagt der Vorsitzende und lobt ihren Einsatz sowie den Schwung, den sie in all den Jahren in die Chorgemeinschaft gebracht hat.
Corona habe viel kaputtgemacht, berichtet Siedow. Doch mittlerweile liefen die Proben im Vereinsheim des FC Erlenbach wieder ordentlich. Immer mittwochs, 19.30 Uhr, finden sich die Chormitglieder im Vereinsheim für eineinhalb Stunden zur Probe ein. Ist ein reiner Männerchor heute noch zeitgemäß? „Natürlich“, betont der Vorsitzende und lässt auf den Gesangverein „Eintracht“ Erlenbach nichts kommen. „Er klingt anders als ein Frauenchor oder ein gemischter Chor.“
Deutschen Volksgesang fördern
Die Chorgemeinschaft komme zusammen, um den deutschen Volksgesang zu fördern. Was Volksgesang sei, bringt der promovierte Mathematiker, der alles gerne definiert, auf einen einfachen Nenner: „Volksgesang ist, was alle gerne singen und hören.“ Volksweisen, Schlager, Musicals und Operetten, zählt er auf. Das Liebeslied „Wenn alle Brünnlein fließen“, dessen Ursprung auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, sei eines der bekanntesten Volkslieder. Eines der Lieblingsstücke unter den Schlagern sei „Alt wie ein Baum“, ein Stück der Rockband „Puhdys“ aus den 70er Jahren. Aus dem Bereich des Musicals haben sich die Männer mit Peter Maffays „Tabaluga“ und Liedern aus dem „Phantom der Oper“ angefreundet. Auch der „Fliegermarsch“ gehört zum Repertoire.
Neue Mitglieder zu gewinnen, sei für den Männergesangverein nicht einfach. „Das geht nur über persönliche Kontakte.“ Einen Mitgliederzuwachs habe das 140. Jubiläum dem Verein beschert, sagt Siedow und erinnert sich an ein tolles Konzert. Gelegenheit zum Auftritt gebe es in Erlenbach, einem Dorf mit etlichen Vereinen, reichlich: Die Weihnachtsfeier der Senioren, Totensonntag, einen Liederabend mit Gastchören, die vom Gesangverein veranstaltete Prunksitzung und den Auftritt der „Strahleselsänger“ mit Eigengewächsen.
Mitglieder geehrt
Für Norbert Siedow, den es beruflich aus Neuruppin, einer Stadt in Brandenburg, nach Kaiserslautern verschlagen hat, ist der Chorgesang im Verein ein „toller Ausgleich“. Beruflich hat er sich seit 1996 als Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) eingebracht. Seit einem Jahr im Ruhestand, steht er der Wissenschaft wöchentlich noch einen Tag zur Verfügung. Neben der Leidenschaft zum Gesang hält Siedow gerne Vorträge über künstliche Intelligenz. Zusammen mit Freunden des Männergesangvereins etwas zu unternehmen, möchte er nicht missen – beispielsweise Grillen mit den Frauen oder gemeinsame Ausflüge.
Es versteht sich von selbst, dass an einem Jubiläum wie dem 150-jährigen Bestehen des Gesangvereins 1874 Erlenbach zahlreiche Mitglieder für langjährige Vereinszugehörigkeit mit Urkunden geehrt wurden. „Unterschrieben von Christian Wulff, dem Präsidenten des Deutschen Chorverbandes und früheren Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland“, ergänzt Siedow.