Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Genug Betten für Obdachlose in Kaiserslautern

Pia Henson, die fürs Foto die Maske heruntergezogen hat, wohnt seit fünf Jahren im Heim St. Christophorus – und fühlt sich sehr
Pia Henson, die fürs Foto die Maske heruntergezogen hat, wohnt seit fünf Jahren im Heim St. Christophorus – und fühlt sich sehr wohl dort.

Bei der extremen Kälte derzeit fragen sich viele Menschen: Was machen jene, die kein warmes Zuhause haben? Mehr als nur kurzfristigen Unterschlupf finden sie im Caritas-Heim St. Christophorus. Auch ein Hotelier hat jetzt seine Häuser für Obdachlose geöffnet – und bekommt selbst weitere Hilfsangebote.

Heute musste sie nicht anstehen beim Essen. Heute wurde Pia Henson sogar bedient. Denn die Bewohnerin des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus feiert ihren 60. Geburtstag. Und so speiste sie mittags mit Peter Lehmann, dem Einrichtungsleiter.

„Seit fünf Jahren bin ich hier“, erzählt sie, im einladenden Essraum entspannt am Tisch sitzend. Fremdsprachenassistentin hat sie gelernt und zehn Jahre für eine amerikanische Firma gearbeitet. Mit ihrem Mann, einem US-Amerikaner von der Air Base Ramstein, ging sie dann in die Staaten. „26 Jahre habe ich in den USA gelebt.“

Dann kam die Trennung, und der Weg zurück in die alte Heimat führte nicht in das alte Leben. „Mein Elternhaus ist abgebrannt, mein Vater gestorben. Und nach so vielen Jahren war die Beziehung zu meinen beiden Brüdern nicht mehr so eng“, zuckt sie mit den Schultern. Ihre gelähmte Mutter wohne inzwischen bei einem der Brüder – und sie selbst strandete im Christophorus-Heim. „Hier geht es mir sehr gut!“, bilanziert sie, „es wird einem emotional geholfen.“ Wenn man ankomme, sei es, „als würde dir jemand unter die Arme greifen und dich hochheben.“ Und dann an der Hand halten.

Genau das versucht die Einrichtung: Den Menschen, die dorthin kommen, wieder auf die Beine zu helfen und ihnen soweit Unterstützung zu geben, bis sie allein laufen können. Das Bett, die warme Dusche und Mahlzeit sind nur die Basis. „Rund 40 Plätze haben wir allein zur Übernachtung“, erläutert Peter Lehmann, dem neben dem Christophorus-Heim auch das Marienheim und das Förderzentrum für Jugendliche im Wilensteiner Hof Trippstadt unterstehen. „Und wir haben noch genug Kapazität, wir mussten bisher niemanden wegschicken!“ Die Übernachtungskosten trägt die Stadt, ansonsten verteilen sich die Kosten auf mehrere Träger, erläutert Lehmann.

Corona kaum ein Problem

Corona bereite kaum Schwierigkeiten, sagt er. „Die Menschen halten Abstand, tragen Maske, desinfizieren die Hände – gerade weil viele selbst krank und damit gefährdet sind.“ Zudem würden die Bewohner, Mitarbeiter und Ankömmlinge wöchentlich oder anlassbezogen getestet. „Und alle sind registriert.“

Ein Großteil der Menschen komme nicht nur für ein oder zwei Nächte, sondern wohne länger dort und bekomme gezielte Unterstützung, um ins Leben zurückzufinden. „Wir haben insgesamt 33 Plätze zur Resozialisierung, sieben davon im Marienheim speziell für Frauen.“ Zudem bietet die Caritas sieben Plätze für Jugendliche im Bauernhofprojekt Wilensteiner Hof und 20 weitere Eingliederungshilfen im Marienheim an. „Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Krankenschwestern arbeiten für uns“, zählt er nur einen Teil der 75-köpfigen Belegschaft auf.

All das kann Nazmi Aruqi natürlich nicht bieten. Aber der Betreiber des Hotels Hasselberg und des Hotels Ari hat kurzerhand seine Türen für Obdachlose geöffnet. „Meine Hotels sind derzeit nicht belegt – also habe ich entschieden, Obdachlosen ein Zimmer und Verpflegung zu geben.“ Nachdem er die Meldung auf Facebook gestellt hatte, war sie in Windeseile über 5000 Mal geteilt worden, war er selbst überrascht.

Er habe bisher eine Anfrage einer Schwester vom Landstuhler Klinikum bekommen, aus dem ein Obdachloser entlassen werden soll, und von der Ramstein-Miesenbacher Verwaltung, wo ein Obdachloser aufgeschlagen sei. „Außerdem meldeten sich eine Rodenbacher Firma, die Handschuhe und Mützen spenden will, ein Privatmann, der Transport anbietet, sowie private Lebensmittel-Spender.“ Genug Platz in Corona-Zeiten könne er mit 56 Zimmern in zwei Häusern bieten, Masken habe er, und der Morlauterer Ortsvorsteher wolle weitere zur Verfügung stellen.

Eine langwierigere Aufgabe hat Pia Henson vor sich. Nach der Rückkehr aus den USA habe sie anfangs ein paar Jahre lang eine Wohnung gesucht, „aber keine Chance“, winkt sie ab; außer sehr abgelegen und ein Auto könne sie sich nicht leisten. Bei der Arbeitsagentur habe es damals geheißen: „Ja, Sie sind qualifiziert ... aber wir suchen jemanden, der jung und dynamisch ist“, gibt sie wieder.

Anstoß zur Selbstständigkeit

Und so schließt sie kurzerhand: „Ich bleibe hier. Bis ich 105 bin.“ Doch Lehmann hakt sofort ein: „Wir haben doch heute besprochen, dass das Ziel eine eigene Wohnung ist.“ Ein wenig Anschub braucht sie wohl noch, aber stimmt ihm zu. Einige Bewohner machen ihre ersten Gehversuche Richtung erster Arbeitsmarkt in der Einrichtung selbst. „In der Küche, in der Holzwerkstatt“, zählt Lehmann auf, vergebe die Caritas Stellen mit Arbeitsvertrag, so dass die Menschen an einen Job herangeführt werden.

Angesichts der Temperaturen überlegt die Stadt, „ob zusätzliche, niederschwellige Angebote während der kalten Jahreszeit sinnvoll sein könnten“, meint Beigeordneter Peter Kiefer. Doch Lehmann bestätigt, dass in Kaiserslautern der Bedarf derzeit gut gedeckt werden könne.

Im Foyer des Obdachlosenheims ist stets eine Kleiderauswahl zum Mitnehmen.
Im Foyer des Obdachlosenheims ist stets eine Kleiderauswahl zum Mitnehmen.
Die Kleiderkammer in der Einrichtung ist gut gefüllt.
Die Kleiderkammer in der Einrichtung ist gut gefüllt.
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