Kaiserslautern Gemeinsam unter Zweigen
Früher war die Linde in Albersbach ein beliebter Treffpunkt. Hier saßen die älteren Bürger im Sommer gemütlich beisammen. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Doch seit einigen Jahren treffen sich hier Jung und Alt am Heiligabend, um sich gemeinsam auf die Feiertage einzustimmen.
Reichenbach-Steegen. „Ach, die Lichter sind ja schon dran!“ freut sich Melanie Traumer, Vorsitzende des Heimatvereins Albersbach, als sie die Lichterkette am Tannenbaum der Familie Jennet erblickt. Neben der Linde, die einige Meter weiter auf der anderen Straßenseite steht, ist dieser Baum bedeutsam für das kleine Fest, das hier, im Ortsteil von Reichenbach-Steegen, seit einigen Jahren an Heiligabend stattfindet. Dann werden viele Kinder diesen Tannenbaum wieder mit ihren selbst gebastelten Kunstwerken schmücken. Mit seiner Frau wohnt Karl Jennet direkt gegenüber der Linde, die früher der zentrale Treffpunkt in Albersbach war. Auf dem Platz vor dem imposanten Baum saßen die älteren Bürger gerne beisammen und hielten ihr Schwätzchen. Heute ist dieser Ort ein Buswendeplatz. „Es steht zwar noch eine Bank da, aber es ist nicht mehr so wie in meiner Erinnerung“, bedauert Melanie Traumer, die in Albersbach aufgewachsen ist. Seit einigen Jahren kommt die Linde jedoch zu neuen Ehren. Einmal im Jahr ist sie nun der zentrale Sammelpunkt für Jung und Alt. „An Heiligabend spielt der Musikverein Reichenbach immer in jedem Ortsteil“, erzählt Traumer. „Irgendwann kam die Idee auf, dass das doch eine gute Gelegenheit wäre, sich bei einem Glühwein an der Linde zu treffen und das alte Jahr gemeinsam langsam ausklingen zu lassen.“ Gesagt, getan. Mittlerweile treffen sich vor der Linde an Heiligabend jedes Jahr zwischen 30 und 50 Leute. Um 14 Uhr gibt es dann heiße Getränke, ein paar Worte zur Begrüßung und der Musikverein spielt einige Stücke. Es ist eine gute Gelegenheit, dem Vorweihnachtsstress Adieu zu sagen und stattdessen mit Nachbarn und Bekannten zu plaudern, um sich auf die Feiertage einzustimmen, findet Traumer. Auch für die Kinder hat sich der Heimatverein, der diese Aktion alljährlich organisiert, etwas einfallen lassen. Jeder, der etwas gebastelt hat und sein Werk an den Tannenbaum der Jennets hängt, erhält ein kleines Geschenk. In den vergangenen Jahren war die Tanne mit Stroh- und Papiersternen, Girlanden und Bildern geschmückt. „Der Baum ist immer fantasievoll und kunterbunt dekoriert, es ist Wahnsinn, wie schön das ist“, freut sich Traumer über den Ideenreichtum der Kinder. Für Familie Jennet war es keine Frage, den Tannenbaum zur Verfügung zu stellen. „Das ist doch selbstverständlich“, winkt Karl Jennet ab und betont: „Es ist immer so ein schönes, familiäres Fest. Ein richtig tolles Erlebnis.“ (olk)