Kaiserslautern Geige spielende Seiltänzerin

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Mitten hinein in die kunterbunte, schillernde und schrille Welt des Zirkuszelts und des Varieté führte am Samstag Beatrice Hutter die begeisterten Kinder im Stadtmuseum. Dieses Mal gastierte in der gespielten, nacherzählten Paraderolle als Zirkuskind Poly Popcorn die im schweizerischen Luzern aufgewachsene Unternehmerin eines seit 1998 eigenen Kinder- und Familientheaters. Für dieses Theater bearbeitet sie Märchen und schreibt eigene Stücke, die sie gemeinsam mit Marte Irrniss inszeniert und allein aufführt.

Beatrice Hutter absolvierte in der Schweiz die berühmte Scuola Teatro Dimitri, wirkte am Teatro del Sole in Mailand, danach in Stuttgart und schließlich beim Staatstheater Wiesbaden, bis sie allein mit ihrem multimedialen Wandertheater auf Tour ging. Das Bühnenbild ihrer Inszenierung deutet die Silhouette eines Zirkuszelts nur an, ansonsten setzt die erfahrene Künstlerin auf eine gesunde Mischung aus Erzähl- und Mitmachtheater, basierend auf Schauspiel, Puppenspiel, Clownerie und eingespielten Effekten mit Musik; wobei sie auch selbst Akkordeon und Geige spielt. In gespielten Episoden und erzählten zurückblickenden Reflexionen zeichnet die gebürtige Schweizerin das Leben eines Zirkuskindes nach, das auf den ersten Blick in die beneidenswerten Fußstapfen seiner Großfamilie tritt. Die besteht aus Clowns, Akrobaten, Artisten und Dompteuren. Das Talent ist ihr also in die Wiege gelegt worden und sie hat als Seiltänzerin schnell ihre ersten Erfolge. In der Sensibilität für den harten Zirkus-Alltag zeigt sich Hutters Einfühlvermögen, als sie die zunehmende Entfremdung und Isolation von der Außenwelt in dem Kindertheaterstück kindgerecht nacherlebt. Schließlich nimmt Poly Reißaus, erkundet die Welt des Aufenthalts- und Spielortes auf eigene Faust. Mit den passend eingespielten Geräuschkulissen (Löwengebrüll, Kettengerassel, Raunen der Zuschauer) entsteht eine so täuschend echte Atmosphäre, dass sich sogar mancher Dreikäsehoch auf den Schoß seiner Mama flüchtet. Durch das zusätzliche Spiel mit Handpuppen wie eine Affenfigur entsteht eine lebendige Aufführung, die zudem neben dem hohen Unterhaltungswert auch pädagogischen Charakter hat: Als es Poly wahrlich zu bunt wird und sie sich von der Sippe lösen will, bekommt sie als Anreiz eine Geige geschenkt und findet den Weg zurück über die Musik als eine geigende Seiltänzerin. Als sie die interessierten Kinder am Ende in dieses imaginäre Theater- und Rollenspiel auch noch einbezieht, wird diese Vorstellung zu einem Riesenspaß für alle.

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