Hintergrund
Geglückter Neustart des TuS Dansenberg im Jubiläumsjahr
Die Entwicklung, die der TuS 04 Dansenberg in den letzten Jahren genommen hatte, war auf Dauer nicht mehr tragbar. Der Aufstieg 2017 in die Dritte Liga war ein großartiger Erfolg für den Dorfverein, der damit an die glorreichen Zeiten der 80er- und 90er-Jahre anknüpfte. Zu Beginn war die Euphorie groß, die Mannschaft bestand überwiegend aus Eigengewächsen. Dieses Bild änderte sich jedoch mit der Zeit, die Ansprüche stiegen – und um diese erfüllen zu können, wurden immer mehr externe Spieler dazugeholt. Spieler, die viel Geld kosteten und sich zudem nicht zu 100 Prozent mit dem Verein identifizierten.
In Kombination mit enormen Einnahmenausfällen durch die Corona-Pandemie, verursachte der immer weiterwachsende Gehaltsetat zunehmend eine finanzielle Schieflage: „Das brachte uns an den Rand des Machbaren“, erklärt Markus Römer, stellvertretender Vorsitzender. „Trotz guter Sponsorenarbeit war es finanziell schwierig und fast unmöglich, gesund zu wirtschaften“.
Mitgliederbefragung im Frühjahr 2023
Diese Entwicklung war nicht nur finanziell nicht mehr tragbar, auch bei den Fans und Mitgliedern stieß dies zunehmend auf Ablehnung, die Zuschauerzahlen sanken. Aus dem Vereinsumfeld war immer lauter zu vernehmen, dies sei nicht mehr der TuS Dansenberg. Der Mangel an Eigengewächsen und die dadurch geringe Identifikation mit der Mannschaft störten viele: „Wir haben uns gefragt: Ist das noch das, was Verein und Mitglieder wollen?“, erinnert sich Römer. Daraufhin führt der Vorstand im Frühjahr 2023 eine Mitgliederbefragung durch und lud zu einem Workshop ein, bei dem die zukünftige Ausrichtung des TuS erarbeitet werden sollte. Das Ergebnis war eindeutig, es sollten wieder verstärkt Eigengewächse gefördert werden: „Der klare Auftrag an uns war, wieder für mehr Identifikation zu sorgen“, erklärt der Vorsitzende Andreas Wilhelm.
Im Herbst 2023 kam es dann zum Zerwürfnis zwischen dem langjährigen Teammanager Alexander Schmitt, der eine Ära in Dansenberg geprägt hat, und den anderen Vorstandsmitgliedern. Grund dafür war die Forderung Schmitts, nach dem enttäuschenden Saisonstart personell nachzulegen, um den Kader konkurrenzfähiger zu machen. Eine Forderung, die sich finanziell nicht darstellen ließ und deshalb vom Vorstand abgelehnt werden musste.
Abstieg als Chance
Bei der anschließenden Mitgliederversammlung im November 2023 reichte Schmitt einen Antrag zur Ausgliederung der Herren 1 ein, der mangels Details abgelehnt wurde. Nach Ablehnung des Antrages stellte sich Schmitt nicht zur Wiederwahl, seinen Platz als stellvertretender Vorsitzender nahm Unternehmer Peter Hettesheimer ein. Dieser engagiert sich seit über zehn Jahren in verschiedenen Rollen im Verein, da seine beiden Söhne in der Jugend es TuS spielen: „Peter passt super zum Verein, hat eine lange Verbindung. Zudem hat er ein hohes finanzielles und kaufmännisches Verständnis und ist in der Wirtschaft gut vernetzt. Das ist ein wichtiger Aspekt“, so Wilhelm.
So steuerte die Mannschaft in der vergangenen Saison unaufhaltsam auf den Abstieg zu. Eine Entwicklung, die nicht zwingend negativ gesehen wurde, weder im Vorstand noch im Vereinsumfeld: „Wir haben uns gefragt, ob ein Abstieg wirklich so schlimm wäre und haben es als Chance auf einen Neuanfang gesehen“, erklärt Römer.
Wichtige Unterstützung durch Urgestein Seitz
Maßgebliche Unterstützung für diesen Neuanfang, insbesondere den Aufbau der neuen Mannschaft, erhielt der Vorstand dabei von TuS-Urgestein Christopher Seitz, der interimsmäßig die Aufgaben des Teammanagers übernahm und mit 37 Jahren und zudem ein Comeback als aktiver Spieler der ersten Mannschaft gab: „Das Sportliche trägt seine Handschrift, er hat einen super Job gemacht, die Mannschaft zusammenzustellen,“ hebt Wilhelm die Arbeit von Seitz hinter den Kulissen hervor und erklärt auch dessen Wichtigkeit als Spieler: „Er ist der emotionale Leader, hält das Team zusammen und pusht die Jungs nach vorne. Die große Zuschauerbindung, die Mithilfe bei Veranstaltungen, die Einbindung der Mannschaft in den Verein – das alles ist seine Handschrift.“
Zwei weitere zentrale Personalien für die sportliche Zukunft des TuS Dansenberg zeigen, dass externe Spieler nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müssen. Trainer Theodoros Megalooikonomou und der neue sportliche Leiter Ivan Vukas, der im Sommer nach fünf Jahren von der HSG Kaiserslautern zurückkehrte, kamen einst über Spielerberater aus dem Ausland nach Kaiserslautern, sind hier seitdem jedoch heimisch geworden und haben ihren Lebensmittelpunkt in der Pfalz. „Das sind zwei tolle Menschen, die ich sehr achte. Ich freue mich, dass die beiden jetzt die Geschicke der ersten Mannschaft lenken. Sie tun uns gut, haben viele gute Ideen. Sie haben unsere volle Unterstützung und unser volles Vertrauen für die Umsetzung“, so Wilhelm.
Fast nur noch Eigengewächse
Ein erstes Resümee zeigt, dass der Schritt in die Regionalliga die richtige Entscheidung war, sportlich läuft es super. Römer erzählt begeistert: „Es war das Beste, was uns passieren konnte. Wenn man sieht, was in der Halle wieder los ist, wie die Mannschaft wieder als Team agiert, wie sie zusammengewachsen sind und wie der Funke auf die Zuschauer überspringt. Wir sind genau auf dem richtigen Weg. Es spielen fast nur Eigengewächse, die Bock haben, hier zu spielen und sich auch für den Verein einsetzen. Da geht einem das Herz auf, wenn man das sieht.“
Der Vorstand gab vor Saisonbeginn bewusst kein tabellarisches Ziel heraus. Es sollte guter Handball gespielt werden, der den Spielern Spaß macht und die Zuschauer begeistert. Allerdings gibt es einen Fünf-Jahres-Plan. Ein Aufstieg wird nicht erzwungen werden, denn den Fehler, wieder viele Spieler von außerhalb zu holen, will man nicht wiederholen: „Wenn wir mit einer Mannschaft aus Eigengewächsen und lokalen Spielern den Aufstieg schaffen, dann ist das fantastisch. Das muss jedoch wohl bedacht sein“, erklärt Römer.
Jugendarbeit als Basis
Insbesondere die Jugendarbeit soll in der Zukunft wieder die Basis für den Erfolg darstellen. Sowohl die C-, als auch die A-Jugend haben sich in diesem Jahr für die Regionalliga qualifiziert. Vor allem in der A-Jugend soll das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. Das Trainerduo Andreas Ireland und Gabor Tüdös hat große Ambitionen und will im nächsten Jahr die Qualifikation zu Jugendhandballbundesliga schaffen: „Die beiden sind eine sehr wichtige Verpflichtung für die Zukunft des Vereins. Ich bewundere, wie viel Zeit sie in diesen Verein investieren. Sie machen das sehr gut, haben einen tollen Handballsachverstand und ein gutes Händchen im Umgang mit den Spielern“, lobt Wilhelm das Duo.
Vor der nächsten Mitgliederversammlung am kommenden Freitag erreichte der TuS Dansenberg zudem noch einen großen Meilenstein, 1000 Mitglieder: „Es ist ein schöner Zeitpunkt, das noch im Jubiläumsjahr erreicht zu haben,“ freut sich Wilhelm.