Kaiserslautern Geburtsstunde eines Senkrechtstarters

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Wenn vielerorts Laienchöre wegen Überalterung und fehlendem Nachwuchs aufhören, sind Neugründungen – dazu noch mit Jugendlichen – schon Schlagzeilen wert. Der erst vor einem Jahr gegründete gemischte Chor PiCanto debütierte am Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst in der Friedenskirche mit einem vielbeachteten und vielversprechenden Konzert. Und viele Hörer kamen, um der „Geburtsstunde“ eines Senkrechtstarters beizuwohnen.

Die Sängerin, Pianistin, Musikpädagogin sowie Chorleiterin Elena Zaslavski hatte den Mut sich sozusagen gegen den Trend der Zeit zu stemmen und diesen Neuanfang im Laienchorwesen zu wagen. Sie besuchte in ihrer Heimatstadt Moskau die Musikschule und Musikhochschule, jeweils mit Schwerpunkten in den Fächern Klavier, Chorgesang und Chorleitung. Ihrer solistischen Gesangsausbildung an der russischen Kunstakademie folgte eine solistische Karriere mit Bühnen-Engagements, die sie etwa auch elf Jahre ans Saarländische Staatstheater Saarbrücken banden. PiCanto ist nun ein im Stadtteil Dansenberg probendes Vokalensemble, das aus ihren Gesangsschülern besteht, die so neben Chorerfahrung auch reichlich Gelegenheit zur solistischen Profilierung bekommen. Ein schönes Beispiel für die Umsetzung des Schlagwortes der „angewandten Pädagogik.“ Neben einem alternativen Repertoire – ohne volkstümliche Chorsätze – fällt vor allem die besondere Art der Bühnenpräsenz aller auf: Die Vorträge wirkten alle sehr selbstbewusst, lebendig, mitreißend und niemals statisch. Alle Solisten singen mit großem Klangvolumen und legen furios los, ohne das übliche schüchterne Einhören. Die ganze Präsentation basiert auf intensivem Coaching, das hörbar Stimmbildung, Gesangstechnik, Ausdrucksverfeinerung und Darstellungskraft vermittelt. Gezielte Atmung, entsprechende Haltung mit ständigem Blickkontakt zu Chorleiterin und Publikum und ausdrucksstarke Gestik zeigen, dass hier Erfolg nicht über Nacht kommt, sondern intensiv erarbeitet wurde. Nur wenige Künstler dieses Genres können dabei so sicher und einfühlsam am Klavier begleiten, gleichzeitig Einsätze mit Blickkontakt geben und alles präzise koordinieren. Obwohl Zaslavski mit klassischer Ausbildung ihre Repertoirewurzeln nicht verleugnet und auch einige Programmpunkte dieser Art von Cesar Franck und Giovanni Pergolesi einbrachte, ist sie doch stilistisch erstaunlich bewandert in der U-Musik wie Rockmusik, im Genre Singer/Songwriter oder bei Balladen, was etwa 20 Programmpunkte bewiesen. Stets treffen die Solisten wie Katharina Saulheimer, Meike Dengel und Daniela Eger den Nerv von Melodik und Rhythmik, gefolgt von Manuel Urschel, Joshua Linne und Leonard Stahl. Manuel Urschel konnte sich sogar souverän selbst auf der Gitarre begleiten. Immer schwingt bei dieser Vortragsfolge emphatische und euphorische Begeisterung mit, ein stets präsentes Ausdrucksbedürfnis riss in der dicht besetzten Friedenskirche letztlich alle mit.

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