Kaiserslautern
Geburten: Westpfalz-Klinikum auch für Komplikationen gerüstet
„Gleich ist es soweit“. Gerade läuft auf der Entbindungsstation ein Kaiserschnitt. Vor der Tür steht schon ein Team um Michael Zimmer, Oberarzt der pädiatrischen Intensivstation, bereit, um das Neugeborene in Empfang zu nehmen. Die Tür geht auf, ein kräftiger Schrei des kleinen Menschen, der gerade das Licht der Welt erblickt hat, ertönt. Nach der Untersuchung ist klar: alles in Ordnung. Das Kind darf zur Mutter. „Auch nach dem Kaiserschnitt versuchen wir, das Kind der Mutter sofort auf die Brust zu geben“, sagt Andrea Strasser, Oberärztin der Geburtshilfe.
16 belegbare Betten auf der Intensivstation
Die Wege sind kurz zwischen Geburtshilfe, Gynäkologie und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Zusammen kümmern sich rund 150 Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen um das Wohlergehen von Müttern und Babys – auch bei Komplikationen. Denn als Perinatalzentrum Level 1 kann das Westpfalz-Klinikum die höchste Versorgungsstufe für Früh- und Neugeborene anbieten, ist Anlaufstelle für Risikoschwangerschaften aus anderen Kliniken, sagt Thomas Kriebel, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin. „Wir können alle Schwangerschaften mit allen Risiken betreuen. Es gibt keine Grammzahl nach unten, die wir nicht versorgen können“, sagt Kriebel mit Blick auf Frühgeborene. Je nach Schwangerschaftswoche seien Kinder mit 300 bis 350 Gramm lebensfähig. Bis zu 16 belegbare Betten gibt es auf der pädiatrischen Intensivstation, berichtet Zimmer. Frühgeborene und Neugeborene mit Erkrankungen werden dort versorgt. „Die Station ist gut ausgelastet“, sagt Pflegedirektorin Andrea Bergsträßer. Auf Monitoren haben Pflegekräfte und Ärzte die Vitalfunktionen der Säuglinge rund um die Uhr im Blick. Die Betreuung fängt aber schon vor der Geburt an, so Kriebel. Bei Risikoschwangerschaften werden Mütter auf das vorbereitet, was auf sie zukommt. Psychologen sind an Bord.
Jedes Jahr steht eine Neuzertifizierung als Perinatalzentrum an. „Es wird immer wieder durchgespielt, was verbessert werden kann“, sagt Kriebel. Und die Qualität ist transparent. Unter perinatalzentren.org kann jeder einsehen, wie viele Frühgeborene in den Zentren im Vergleich zum Bundesschnitt überleben. Das Westpfalz-Klinikum ist laut Kriebel in der bundesweiten Spitzengruppe – ein Erfolg des gesamten Teams.
Kreißsaalführungen einmal im Monat
Wer sich über eine Geburt im Klinikum informieren möchte, hat jeden ersten Montag im Monat um 18.30 Uhr bei einer Kreißsaalführung – live und digital – Gelegenheit dazu, informiert Jessica Schweitzer, stellvertretende Kreißsaalleitung. Werdende Eltern können sich das Wehenzimmer und die vier Kreißsäle – auch einen im FCK-Design – anschauen, in denen unterschiedliche Arten der Entbindung möglich sind. In Zusammenarbeit mit Frauenärzten bietet das Klinikum in den geburtshilflichen Sprechstunden Untersuchungen an, auch Geburtsvorbereitungskurse können besucht werden.
Storchenparkplatz für eilige Fälle
Zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche sollten die Frauen zur Geburtsanmeldung vorbeikommen, rät Schweitzer. Bei diesem Termin könne man die Krankengeschichte aufnehmen, über Fragen zur Geburt und schmerzlindernde Maßnahmen sprechen. Ein Muss sei das aber nicht, sagt Schweitzer, etwa die Hälfte der Frauen mache davon Gebrauch. In die Klinik kommen sollte man bei Blasensprung oder wenn die Wehen alle fünf Minuten auftreten. Wer unsicher ist, kann unter 0631 2031303 direkt im Kreißsaal anrufen, um Rat fragen oder sich ankündigen. Muss es schnell gehen, steht vor dem Haupteingang ein Storchenparkplatz zur Verfügung. „Dafür haben wir lange gekämpft“, sagt Strasser lachend.
Die Väter durften auch während der Pandemie bei der Geburt dabei sein, inzwischen sind die Besuchsregeln gelockert, Geschwisterkinder können beispielsweise die Mutter auf der Wöchnerinnenstation besuchen. Lassen es die Kapazitäten zu, werden Familienzimmer angeboten. Andererseits sind auch ambulante Entbindungen möglich. Nach der Geburt bietet das Klinikum von Stillberatung bis zur sozialmedizinischen Nachsorge – wenn Eltern kranker Kinder Unterstützung benötigen – verschiedenste Hilfen an.
Ein Video des Westpfalz-Klinikums zum Perinatalzentrum findet sich hier.

