Kaiserslautern Gebäude platzt aus allen Nähten
40 Jahre Städtische Musikschule sind nur etwa ein halbes Menschenleben und doch hat sich bei dieser inzwischen nach dem langjährigen Dirigenten des SWR, Emmerich Smola, benannten Institution sehr viel gewandelt.
1971 erfolgte die erste Kontaktaufnahme von Bürgermeister Baltfried Barthel mit dem Kultusministerium: Alle Fraktionen zogen an einem Strang, SPD, CDU und FDP bekannten sich im Rat zu einer Musikschule. Es gab Überlegungen, zusammen mit dem Kreis eine gemeinsame Musikschule zu gründen - so Schulleiter Paul Punstein im RHEINPFALZ-Gespräch. Allerdings erfolgte im Februar 1976 die Ausschreibung einer Leiterstelle für eine neugegründete Musikschule der Stadt Kaiserslautern. Am 1. Oktober ist mit der aus Neustadt/Weinstraße kommenden Blockflötistin Angelika Bangert eine Leiterin eingestellt worden, und im folgenden Januar begann der Unterricht mit drei Lehrkräften. „Es war eine Neustadter Delegation“, klärt Punstein auf und schildert den kontinuierlichen Aufbau, frei nach dem heutigen Werbeslogan „Für jeden Ebbes“ und von 1 bis 99 Jahren. Mit 650 Jahreswochenstunden und derzeit 1300 Schülern gehört die Musikschule zu den größten im Land, ist Mitglied im Landesverband der Musikschulen Rheinland-Pfalz und ist von rund 400 Schülern seit der Amtsübernahme Punsteins im Januar 1980 nicht nur zahlenmäßig gewachsen. Stetig erweitert wurde das stilistische Angebot, das inzwischen neben traditionell klassischer Ausrichtung nach Früherziehung und Grundausbildung auch Begabtenförderung und Studienvorbereitung sowie Ensemble- bis Orchesterarbeit umfasst. Und sich längst für die verschiedensten Stilrichtungen wie Irisch Folk, Jazz, Pop und Rock geöffnet hat. „Mach Musik − spiel mit“ lautet das Motto der Kammer- und Jugendorchester, der „Streicherbande“ und Combos bis Bigband (um nur einige zu nennen), die die europäische Musikgeschichte repräsentieren. Punstein erinnert sich noch gut an die kuriosen Anfänge seiner Leitung: „Damals noch in der Fruchthalle im Erdgeschoss waren in einem Raum Leitung, Sekretariat und Unterricht untergebracht − chaotisch“, findet Punstein und berichtet vom Schlagzeuger, der im Kassenhäuschen der Fruchthalle unterrichtete und von Problemen an allgemeinbildenden Schulen, wo auch unterrichtet wurde. „Mit dem Einzug ins Alte Rathaus in den Jahren 1987/88 begann eine neue Ära mit schallgedämmten Räumen, darunter sogar ein Kammermusiksaal mit 100 Plätzen. Bürgermeister Arne Oeckinghaus hatte die Einnahmen aus dem Verkauf des Rittersberg-Parkhauses in die Renovierung gesteckt“, ist Punstein noch heute voll des Lobes über diesen Coup. Die 44 Lehrkräfte unterrichten den Löwenanteil hier, dennoch platzt im Hinblick auf Verwaltung, Unterrichtsräume und Materialsammlung das Gebäude aus allen Nähten, findet Punstein und verweist so auf Zweigstellen im Gemeindehaus Dansenberg und drei Ganztagsschulen. Beim Stichwort Ganztagsschule stellt Punstein in seiner Bilanz Vor- und Nachteile gegenüber: „Einerseits erfolgte durch sie eine zeitliche Verschiebung unseres Angebots“, konstatiert er und sieht für die Einbindung von Ganztagsschülern in die Musikschule Erschwernisse. Trotz weiterer Spitzenleistungen − erkennbar beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ − sei das Niveau eher gesunken. „Durch den Kooperationsvertrag zwischen Land und Landesverband können Musikschullehrer in den allgemeinbildenden Schulen Unterricht erteilen“, sieht Punstein auch Chancen und verweist auf die Kostenübernahme durch die ADD. Der Wandel unter der Ägide Punsteins ist bei den jüngsten abzulesen: Musikgarten ab einem halben Jahr mit Mutter oder Vater, Küken- und Zwergenmusik als Ergänzung bis zur Einschulung legen den ersten Grundstein. Ebenfalls sei, so Punstein, der Unterricht bei Erwachsenen verstärkt genutzt worden. Dennoch seien die ehemals langen Wartelisten etwas geschrumpft. Dass die Jahreswochenstunden bislang nicht gedeckelt wurden, die Schule auch nicht – wie andere – einen Verein als Träger hat, sieht Punstein wie auch das Angestelltenverhältnis der Lehrkräfte als Bestätigung aller bisherigen Dezernenten zu diesem musikpädagogischen Standortfaktor. Festangestellte Vollzeitkräfte nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst und solche mit individuellem Deputat sind in der Musikschullandschaft mit andernorts Honorarkräften ohne Sozialleistungen keine Selbstverständlichkeit, weiß Punstein zu schätzen. „Seit 1995 gibt es einen Förderverein, der Stipendien für Hochbegabte einrichtete oder Instrumente anschaffte“, lobt Punstein das Engagement.