Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Fulminantes Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters des Landkreises Kaiserslautern in Ramstein

Spornte seine Musiker zu Höchstleistungen an: Christian Weidt.
Spornte seine Musiker zu Höchstleistungen an: Christian Weidt. Foto: VIEW

Man dürfe sich so lange Neujahrsgrüße wünschen, bis man zum ersten Mal im neuen Jahr Sauerkraut gegessen habe, bemerkte launig der Dirigent des Sinfonieorchesters des Landkreises Kaiserslautern, Christian Weidt. Das Neujahrskonzert des SOKL am Sonntag im Ramsteiner Congress Center fühlte sich allerdings keineswegs wie Sauerkraut an. Knapp 300 Besucher feierten ein brillantes Konzert mit etlichen Überraschungen mit unerhörter Begeisterung.

Christian Weidt ist immer für eine Überraschung, für musikalische Raritäten gut. Die Handschrift des unerbittlichen Musik-Exegeten war auch diesmal unverkennbar. Wer die üblichen Neujahrskonzert-Gassenhauer erwartete, sah sich getäuscht. In den Mittelpunkt stellte Weidt anlässlich des 100. Todestages den heute ganz zu Unrecht verkannten Komponisten Max Bruch. Als Anachronist schon zu Lebzeiten wurde der Kölner beschrieben, der die Musik seiner Zeit, die von Wagner, Reger, Strauß, ablehnte und von der Entwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts erst recht keine Notiz nahm. Starr hielt er am klassizistischen Idealismus Mendelssohns fest, am wertfreien Schönklang eines Musizierens l’art pour l“art.

So überraschte das Orchester mit Bruchs Ouvertüre zu der Oper „Hermione“ und holte dabei aus der Musik heraus, was herauszuholen war: nichts Konfrontatives, aber lange Crescendi in ein wuchtiges Pathos hinführend. Ein zauberhaftes Streicher-Vibrato verzückte den Hörer genauso wie die wellenförmige Dynamik. Eine friedliche, wunderbar lyrische Stimmung verbreitete der Trauermarsch aus derselben Oper.

Champagner-Klänge inklusive

Mit höchstem musikalischem Feingefühl präsentierte das Orchester nach der Pause Bruchs Sinfonie Nr. 3, E-Dur, op. 51. Die langsame Einführung im ersten Satz führte zu einer motivischen Anspielung auf das Rheinland und seinen prägenden Fluss. Die bestens disponierten Streicher dialogisierten mit den herrlich klingenden, trillernden Holzbläsern. Die Dynamik wuchs wellenförmig (ein Markenzeichen Weidts) zu lebhaften, teilweise virtuosen Klängen an. Satt klang das Blech. Die an- und abschwellende Dynamik prägte auch das Adagio des zweiten Satzes, genauso wie das bräsig klingende Blech (ebenso ein Merkmal des Dirigenten, das immer wieder erschien) und ein fantastisch klingendes Legato im Finale. Sämtliche Register zog er im Allegro ma non troppo des Finales. Schier explodierendes Blech und die wirbelnde Pauke beschlossen die Sinfonie. Wohl kaum ein Zuhörer konnte verstehen, dass diese großartige Musik in Vergessenheit geraten ist.

Die Besucher kamen aber auch noch zu ihren prickelnden Champagner-Klängen. Flexibilität und Elastizität der melodischen Gestaltung, Biegsamkeit im Tempo und bei der Dynamik demonstrierten die Musiker bei Franz Lehars Ballsirenen-Walzer und dem Maxim-Marsch aus „Die lustige Witwe“ sowie dem Champagner-Galopp von Hans-Christian Lumbye. Weich wie Samt kamen die Streicher daher. Toll, wie der Dirigent seine Musiker anspornte, wie er formte, gestaltete, durch kurze Pausen die Spannung erhöhte.

Beifall ohne Ende

Aber das Beste kam noch mit dem renommierten Tenor Thomas Heyer, Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main. In Arien wie „Freunde, das Leben ist lebenswert“ von Lehar, „Una furtiva lagrima“ von Donizetti, „E Lucevan le stelle“ von Puccini und „Mattinata“ von Leoncavallo brillierte er regelrecht mit seinem Stimmvolumen und seinem Stimmumfang, aber auch mit schön klingendem Timbre und ausdrucksstarker Stimme. Der Beifall des begeisterten Publikums wollte kein Ende mehr nehmen. Zwei Zugaben.

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