Kaiserslautern
Fruchthalle: KWG eröffnet Gruppenausstellung zum Kultursommer
Ein Thema in 19 ausgefallenen Positionen, das sich mit Sparten und Techniken wie Malen, Zeichnen, Bildhauern, Fotografieren, Videos, Objekte, Drucke, Installation und Performance sowie Materialien wie Bronze, Papiere, Leinwände, Pappen, Garne, Gestein, Metall, Holz, Glas, Möbel, Flüstertüte oder Schaukelstuhl zusammenfassen lässt. Die Idee des Untertitels jedoch, das Motto „Forever Young“ wie die Natur eines winzigen Lebewesens zu verstehen, eben des Tardigradas, mit der Eigenschaft der Kryptobiose, jenes todesähnlichen Zustands, in dem sich ein Wesen extremen Umweltbedingungen anpasst, ließ die künstlerische Vielfalt schier ausufern.
Dieser Fakt beständigen Überlebens eines winzigen Lebewesens multipliziert sich nun als Sinnbild für Widerstandskraft und Beständigkeit. Konkret gegen das Altern und Sterben, das ja mit dem ersten Daseinsmoment beginnt. Eine Zumutung? Ein Hoffen? Ein Fürchten? Zunächst mal ein Gedankendschungel.
Grimmige Wörter gesucht
Ihm versucht Autorin Eva Paula Pick auf Tausenden von Seiten in den 33 Bänden des Grimmsche Wörterbuches von 1856 zu entkommen. Und zwar auf der Suche nach „grimmigen“, also gebannten oder verloren geglaubten Wörtern, die sie – bezogen auf das Tardigrada – mit einer Gabe „neuen Wassers revitalisiert“. Das wiederum heißt: Ein Wort ist gefunden, getippt, gelesen, gesprochen, gestaltet, gehört und führt analog zur Kryptobiose zu wunderbaren „Wortschönheiten“.
„Forever Young“ im Schaukelstuhl – diesen scheinbaren Sinnbruch inszeniert Bea Roth in einer Installation, die einer Wohnzimmernische von anno dazumal ähnelt und einlädt zum Handarbeiten und Aufschreiben eigener Gedanken in puncto ewiger Jugend. Erika Klos stellt ihre „Erinnerung an…“-Gedanken als Diptychon-Gemälde dar und verrät zum Inhalt der dunkel abstrakten Farbelemente mit haptischen Wölbungen: „Das Jahr ging verloren.“ Sie zitiert ein Erleben, emotional prägend, so dass es im Erinnern unendlich weiterlebt. Ebenso die Unebenheit, die auf dicke Brocken verweist. Es werden ewig dicke Brocken bleiben.
Tatsächlich geht das eine oder andere Werk unter die Haut, andere inspirieren dazu, das eigene Sehnen nach ewiger Jugend zu testen. Und wiederum andere bereichern mit immer neuen Ideen, die in solcherlei ansonsten banalen Redewendungen stecken. Ein ausgesprochen anregender Rundgang also.
Ausstellung
Die Schau der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern kann bis zum 18. Juli zu den gewöhnlichen Öffnungszeiten der Fruchthalle besucht werden. Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm. Beispielsweise bieten am 14. Juni, der Langen Nacht der Kultur, Michael Geib und Eva Paula Pick um 18 Uhr zwei Auftritte an. Weitere Infos zur Ausstellung unter www.kuenstlerwerkgemeinschaft.de, zur Kulturnacht unter https://www.kaiserslautern.de/tourismus_freizeit_kultur/kultur/veranstaltungen/lndk/index.html.de.