Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Frauen-Kabarett im CCR

Abflug in Richtung Frauenpower: von links Felicitas Komissarow, Rasa Abruscato, Isabelle Razabi, Martina Breisch und Tim Poschma
Abflug in Richtung Frauenpower: von links Felicitas Komissarow, Rasa Abruscato, Isabelle Razabi, Martina Breisch und Tim Poschmann mit der Revue »Heiße Zeiten« in Ramstein.

Zündender Einstieg in eine kunterbunte Revue rund um die weibliche Midlife-Crisis, aber eine Umsetzung mit nachlassendem Spannungsbogen und musikalischen Mängeln. Die Revue „Heiße Zeiten“ im Congress Center Ramstein hatte Licht- und Schattenseiten. Das Thema Wechseljahre traf sie nicht immer.

Schauplatz der collagenhaften Handlung ist die Wartehalle eines Flughafens. Die Abflugrampe wird zur Begegnungsstätte für vier zufällig zusammentreffende Damen am Scheideweg ihres Lebens. Der geschickt inszenierte Eingang durch die Kontrollgänge war originell, in der Situationskomik vergleichbar mit den im Fernsehen beliebten Sketchen um Rowan Atkinson alias Mr. Bean.

Die Präsentation der vier Hauptfiguren durch Stefan Beyer und Tim Poschmann sollte humoristisch sein, war aber mit der Darstellung ihres jeweiligen Liebeslebens schon grenzwertig. Sie kam in der eigentlich beabsichtigten Psychoanalyse und Klassifikation nicht über grobe Vereinfachungen und Klischees hinaus.

Derweil sorgten Beyer und Poschmann als Reiseleiter und Flugbegleiter mit skurrilen Hinweisen zum Abflug nach New York im Stil von Conférenciers für Unterhaltung. Es baute sich Spannung auf, die aber wieder nachlassen sollte.

Sexbombe mit One-Night-Stands

Felicitas Komissarow zog zunächst nicht nur aufgrund ihres knallroten chicen Hosenanzugs mit Sex-Appeal und charismatischer Ausstrahlung die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ihre schauspielerische Leistung war grandios, sie spielte ihre Rolle als Sexbombe mit One-Night-Stands und stets griffbereiten Viagra-Pillen zur Kompensation ihrer Leere glaubhaft.

Allerdings blieb die dramaturgische Planung dieser imaginären Person am Wendepunkt des Lebens hinter den Erwartungen zurück, die sie beim Zuschauer geweckt hatte. Der „Schrecken“ der Wechseljahre führte eher in eine selbstkritische Standortbestimmung.

Selbst die biedere fränkische Hausfrau (hervorragend und lebensecht von Isabelle Razabi verkörpert) hat nicht resigniert, will aus dem tristen Alltag ausbrechen und sich „etwas gönnen“. Die als Grande Dame auftretende Martina Breisch im blauen Kostüm scheint in ihrer selbstgefälligen Art ohnehin noch nicht am Wendepunkt angekommen zu sein. Dagegen verkörpert Rasa Abruscato eine junge Verlobte in den Dreißigern, die verzweifelt versucht, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Diese intensive, aber bislang erfolglose Familienplanung hat mit den Wechseljahren eher weniger zu tun.

Der Fluch des Buchstaben H

Die Interaktion dieser vier unterschiedlichen Figuren ist einerseits von einer gewissen Selbstironie geprägt, aber auch von Neid und Missgunst. Im Verlauf des Abends verflachte das Anliegen, vier völlig verschiedene Charaktere näher zu analysieren. Um in der Sprache der Aufführung zu bleiben: Die Aufführung blieb in der Warteschleife hängen, verpasste den Abflug in Sphären geistreicher Episoden.

Schlagworte zum Thema Wechseljahre wurden in einer Art Quiz von den vier Protagonistinnen nur begrifflich in den Raum gestellt - und dabei blieben sie beim Buchstaben H hängen: Hormontherapie, Haarausfall und Hämorrhoiden. Mehr kam da nicht. Lediglich die Hausfrau mit drei Kindern lamentierte: „Nach solchen Schwangerschaften bist du nicht mehr ganz dicht.“

Was szenisch und schauspielerisch in guten Ansätzen stecken blieb, gilt auch musikalisch. Die eingeblendete Einspielung in Minimalbesetzung aus Piano, Bass und Schlagzeug wäre auch live auf der Bühne unterzubringen und würde dann die Attraktion und vor allem Koordination erhöhen.

Gesang hinkt dem Instrumental-Playback nach

Viele Gesangsnummern hechelten hinter der Einblendung hinterher. Die Ensembles waren nicht zusammen. Manche Programmpunkte nahmen es mit Intonation und Diktion nicht so genau, setzten mehr auf plakative, reißerische Wirkungen.

Schade, denn die umtextierten Klassiker wie „Pretty Woman“ oder Jazz-Standards („Fly me to the Moon“) trafen den Nerv und hatten durchaus ihren Reiz. Ein musikalischer Leiter hätte mit Einsätzen für mehr Präzision gesorgt. So manche Verlegenheit konnte auch die sonst turbulente Abfolge von bearbeiteten Musiktiteln nicht kaschieren.

Das fast nur weibliche Publikum erklärt sich auch daraus, dass solche Frauenpower auf der Bühne mit den Ehemännern zu Hause schonungslos „abrechnen“ will. Keine Angst, dies hielt sich hier in engen Grenzen. Allerdings wurden die ganz wenigen dieser verbalen Attacken dann mit großer Häme „gefeiert“. Es sei den Damen gegönnt.

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