Kaiserslautern „Fraue gucke nur uff stramme Körper“

Der Applaus wollte am Samstag in der Landstuhler Stadthalle kein Ende nehmen. Knapp 400 Zuschauer vergossen bei Martina Vehs Komödie „Die Trippendales – Hartz IV ist nicht genug“ Tränen des Lachens. Angesichts der Sozialkritik und auswegloser Einzelschicksale löste das Stück aber auch Betroffenheit aus. Großartig: das Team der Creativbühne Trippstadt.
Das Stück handelt von sechs arbeitslosen Männern, die sich im Jobcenter kennenlernen und aus Verzweiflung eine geniale Idee gebären. Hermann (Ralf Kihl) ist ein gelernter Metzgermeister, der sich stets Sorgen um seine Birgit (Marika Dully) macht. 50 Euro haut die auf den Kopf, um die Männer-Stripper von „Die Chippendales“ zu sehen. Für ihn ein klares Zeichen, „dass Fraue nur uff stramme Körper gucke“. Zu Hermann stoßen fünf weitere verkrachte Existenzen. Der hypernervöse, ja fast selbstmordgefährdete Peter (Volker Benkel), der ständig zittert und Psychopharmaka einnimmt. Der ehemalige Abteilungsleiter Günther (Mario Müller), ein feiner Pinkel in Anzug und Krawatte, der sich demonstrativ von den „faulen Säcken“ distanziert. Der junge Türke Tahel (Fabian Hertel), der in seinem coolen Jugendslang meint, „man muss sich jetzt voll krass konzentrasieren“. Der Student der Psychologie und Soziologie Jürgen (Steffen Asel), der mit klugen Sprüchen aufwartet und als Truthahn, gespickt mit gelben Federn, herumläuft. Und schließlich ist da noch Werner (großartig: Lutz Rother), der eine natürliche Autorität besitzt. Das Stück lebt von witzigen Dialogen und Situationskomik. Die Regisseure Steffi und Steffen Asel haben die Handlung geschickt aufgebaut: Angeregt durch einen Zeitungsartikel über die Chippendales beschließen Hermann und Werner „Das können wir auch“ und rechnen gleich mal aus, wie viel Geld sie damit verdienen könnten. Schon mieten sie einen Saal zur Vorführung ihrer Strippkünste. Aber erst muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bald stellt sich heraus, dass hinter den Masken starker Männlichkeit bei den Protagonisten Hoffnungslosigkeit und Mutlosigkeit stecken. Günther hat seiner Frau ein dreiviertel Jahr lang seine Arbeitslosigkeit verheimlicht. Der coole Tahel hängt noch am Rockzipfel seiner Mama, mit der er heimlich telefoniert. Peter ist prüde und will sich nicht ausziehen. Und wenige Minuten vor der Aufführung vor 600 Zuschauern bekommt der so starke Werner plötzlich Angst, weil seine Frau sich scheiden lassen will. Schließlich kommt es zum Showdown auf der Bühne. Die Zuschauer in Landstuhl waren da nicht mehr zu halten und rasten vor Begeisterung. Bestechend spielte vor allem Jasmin Schön in der Doppelrolle einer sächselnden Dame von der Arbeitsagentur und der Saalvermieterin. Überzeugend auch: Steffi Asel, Marika Dully und Anja Kihl als Ehefrauen. Selbst der kleine Johannes Kihl hatte als Sohn von Werner seinen Auftritt. Geschickt eingebaut war der Traumtanz der Traumzwerge Celina Christmann, Leonie Gmeinwieser und Jasmin Schön. Auch als Choreographin hat Steffi Asel tolle Arbeit geleistet. Die Moral von der Geschicht’? Wenn man will, kann man alles erreichen.