Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Früherer Pfalztheater-Schauspieler Dieter Hofinger ist verstorben

Wandlungsfähig: Dem Wiener „Ensemble der Komödianten“ gehörte Dieter Hofinger lange an.
Wandlungsfähig: Dem Wiener »Ensemble der Komödianten« gehörte Dieter Hofinger lange an.

Ab 1992 gehörte er elf Jahre lang dem Ensemble des Pfalztheaters an. Jetzt ist der beliebte Schauspieler Dieter Hofinger 86-jährig gestorben.

Trotz seiner darstellerischen Bandbreite hat der österreichische Schauspieler Dieter Hofinger den heimischen Zungenschlag auch in Kaiserslautern nie ganz abgelegt. Das alpenländische Idiom mag Schmäh und Gemütlichkeit suggerieren, aber Hofingers unprätentiöse Gestaltungskraft ging weit über Klischee und Schablone hinaus. Vor allem lagen ihm die Gebrochenen und Gestrauchelten, die Verschlagenen und Ausgegrenzten, gern auch die listigen Schlitzohren.

Nachdem er sich dem Kaiserslauterer Publikum in einer eher unglücklichen Inszenierung als „Othello“ vorgestellt hatte, prägte er sich in der Rolle des dementen Patriarchen in Thomas Vinterbergs Missbrauchsdrama „Das Fest“ ebenso ein wie als gestrandeter Magier Prospero im Shakespeare’schen „Sturm“. Der Winkelagent Schnoferl in der Nestroy-Posse vom „Mädel aus der Vorstadt“ war bei ihm bestens aufgehoben.

Liebe zu den Außenseitern

1995 spielte er noch am Fackelrondell unter der Regie von Boris von Poser sehr eindringlich den erblindenden Witwer und „bösen Mann“ im Drama „Korbes“ – und erhielt prompt ein begeistertes Dankschreiben des Autors Tankred Dorst. Dass er am Pfalztheater auch Schwänke und Operetten zu spielen bekam, nahm der Wandlungsfähige mit Gelassenheit und professioneller Disziplin.

Im RHEINPFALZ-Gespräch sagte der hagere Zwei-Meter-Mann mit der sonoren Stimme einmal, seine Liebe gelte den „großen Außenseitern“: Büchners „Woyzeck“ etwa und dem rothaarigen Barbiergesellen Titus Feuerfuchs im „Talisman“ von Nestroy; auch dem im Realitätsverlust aufblühenden Don Quichotte im Musical „Mann von La Mancha“, den er am Stadttheater Ulm verkörperte.

Unprätentiöse Gestaltungskraft: Dieter Hofinger am Pfalztheater Kaiserslautern.
Unprätentiöse Gestaltungskraft: Dieter Hofinger am Pfalztheater Kaiserslautern.

Der gebürtige Salzburger hatte in ein Wirtschaftsstudium geschnuppert und dann das Mozarteum seiner Heimatstadt besucht. Sein erstes Engagement trat er in Klagenfurt an, weitere Theaterstationen waren Landshut/Passau, München, Berlin und Frankfurt. Lange Jahre gehörte er dem linksgerichteten Wiener „Ensemble der Komödianten“ um Conny Hannes Meyer an, das nach internen Querelen später als „Gruppe 80“ neu gegründet wurde.

Kritikerlob bekam er hier unter anderem als Gutsbesitzer Rappelkopf in Raimunds „Alpenkönig und Menschenfeind“, als Gerichtspräsident im „Zerbroch’nen Krug“ von Kleist und vor allem als einer der beiden Filmgewaltigen in Handkes „Fahrt im Einbaum“ („Das Stück zum Film vom Krieg“).

Ein humoristischer Charakterzeichner

Eine erste kleine Filmrolle bekam Hofinger 1962 als Halbstarker im Heimatfilm „Der Pastor mit der Jazztrompete“. Im Fernsehen war er in Serien wie „Kottan ermittelt“, „Tatort“ und „Heiteres Bezirksgericht“ zu sehen. Gastweise stand er, der schon als junger Anfänger vor dem Salzburger Dom im „Jedermann“ gespielt hatte, bei den Festspielen in Wunsiedel, Feuchtwangen und Jagsthausen auf der Bühne.

Ab 2014 gab er regelmäßig den trinkfreudigen Schustergesellen Knieriem im „Lumpazivagabundus“. Wer so viele Nestroy-Rollen verkörpert, kann sich Vergleichen mit dem sprachgewaltigen Spötter nicht entziehen. Wie sein Landsmann war Dieter Hofinger ein origineller, humoristischer Charakterzeichner, der allzu triefender Sentimentalität einen derben Realismus entgegensetzte. Ganz anders als der dichtende Schürzenjäger führte der Schauspieler allerdings ein ruhiges Eheleben. Mit Ehefrau Trude war er seit fast sechs Jahrzehnten verheiratet.

Ihre Verbindungen nach Kaiserslautern pflegten die beiden bis zuletzt. Pfalztheater-Kollege Günther Fingerle, mit dem er einst im Kinderstück „Urmel aus dem Eis“ auf der Bühne stand, gab jetzt seinen Tod bekannt. Dieter Hofinger ist am 7. August in Wien gestorben.

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