Kaiserslautern Forscher und Entwickler
Die „Nibelungen“, das Eröffnungsschauspiel der neuen Spielzeit 2018/2019, geht mit gleich fünf neuen Ensemblemitgliedern im Großen Haus über die Pfalztheaterbühne. Der Grund: Sechs Mimen verließen Lautern aus den verschiedensten Gründen (wir berichteten mehrmals). Was bleibt ist die Artikelreihe, in der DIE RHEINPFALZ die Neuen in loser Folge vorstellt. Heute ist es Martin Schultz-Coulon.
Geboren 1979 in Hannover und in Neuss samt Schulbildung aufgewachsen, ging er für ein Auslandsjahr in die USA. In einem typisch mittelamerikanischen Städtchen im Staat Iowa kam er dem Schauspiel ziemlich nahe. Studierte hatte er nach dem Abitur jedoch zunächst Physik und Biologie – die Naturwissenschaft lag in der Familie. Seine musische Ader lebte er als Rockmusiker aus, gab sie aber später zugunsten des Theaterberufes auf. Für diesen entschied er sich ab 2002 in Köln, wo er mit Theater-, Film-und Fernsehwissenschaften begann, für das Diplom-Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt von 2004 bis 2008 unterbrach, um danach den Master der Theaterwissenschaften in Berlin zu absolvieren. 2017 erhielt er den akademischen Grad des Masters of Arts. Den Trend permanent zu studieren, setzte er parallel teils im Ausland mit zahlreichen Workshops und Seminaren fort. Als nicht minder aktiv weist ihn die Auflistung seiner Theater- und Filmauftritte und die kontinuierliche Praxis mit dem Schwerpunkt Bühne quer durch die Republik aus. Beispielsweise mit einem Engagement am Landestheater Tübingen, wo er vier Jahre spielte. Doch es waren nicht immer Bühnen, auf beziehungsweise in denen Martin Schultz-Coulon aktiv war. Beispielsweise unterrichtete er Theater, Spiel und nonverbale Kommunikation in der logopädischen Ausbildung und arbeitete mit einem Drehbuchautor bei Kurzfilm- und Hörspielproduktionen zusammen. Nach Tübingen arbeitet der heute knapp 40-Jährige als freier Schauspieler und Dozent. Dank seines unermüdlichen Interesses eignet er sich zudem das Wissen um interdisziplinäre Produktionsweisen und verschiedenen Theaterformen an. Dafür besucht er unter anderem Festivals auch im Ausland. Rückblickend resümiert der vielseitige Künstler sehr viel Glück in den Begegnungen mit Kollegen und vor allem Dozenten. „Ich durfte angefangen beim Jugendclub am heimischen Theater bei sehr wertvollen Persönlichkeiten meinen Beruf erlernen.“ Dabei verrät der Papa einer fünfmonatigen Tochter mit Wohnsitz in Darmstadt, dass seine Ausbildung nicht zuletzt auf einer Unsicherheit basierte, bei einer einseitigen Entscheidung andere Möglichkeiten zu verpassen. Doch jetzt kennt er sehr genau „meine Rolle mit der Option, zeitgemäßes Theater zu erforschen und weiter zu entwickeln. Denn ich mag den Übergang von Kunst zur Wissenschaft.“ Dass er nun am Pfalztheater ist und mit der Rolle des Siegfrieds seinen Einstand hat, freut ihn riesig. Ist jener Nibelungen-Held doch eine Persönlichkeit, die kein Held sein müsse, dennoch aus eigenem Bedürfnis heraus handele und sich gegen das Schicksal wehre.