Ramstein-Miesenbach
Filmtheater in akuten Existenznöten: Brandbrief vom Broadway-Kino
Pletsch verschickt seinen Appell wenige Tage nach dem gemeinsamen Hilferuf von 68 Filmunternehmern aus ganz Deutschland, die nach eigenen Angaben 1300 Leinwände und damit den „Kinomittelstand“ repräsentieren. Sie rufen in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters nach weiteren Finanzhilfen. Außerdem regen sie einen „Kinogipfel“ an, bei dem „diese sowie weitere Maßnahmen zur Krisenbewältigung diskutiert werden“ sollen.
Pletsch führt das Broadway-Kino in Ramstein, das aus sechs Sälen mit insgesamt 1400 Sitzplätzen besteht, seit 1981 als Familienbetrieb. Mit Beginn der Coronakrise wurde das Filmtheater am 18. März geschlossen. Seit Ende Mai finden wieder Vorstellungen unter den allgemeinen Sicherheitsvorgaben statt, so dass nur 20 Prozent der Sitzplätze belegt werden können. Kurz zuvor war Pletschs Versuch gescheitert, während des „Lockdown“ ein Autokino zu eröffnen.
„Existenzbedrohende Lage“
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ hatte er bereits vor zwei Wochen beklagt, dass der vom Bund mit einer Milliarde Euro angestoßene „Neustart Kultur“ für ihn nicht anwendbar ist, weil dieser auf Investitionen abzielt. Im Broadway-Kino seien anstehende Umbauten bereits vor der Coronakrise abgeschlossen worden, die er per Kredit finanziert habe (RHEINPFALZ-Ausgabe vom 11. August). Durch den „Lockdown“ sei ihm „und Millionen anderen Menschen die Existenz genommen“ worden, sagt er: „Wer denkt denn jetzt an Investitionen? Wir brauchen Hilfe, um überhaupt zu überleben.“
Der „Neustart Kultur“ bringe mittelständischen Familienbetrieben nichts, beklagt der Ramsteiner. Er plädiert für eine direkte, bedingungslose Auszahlung der Gelder. Eine andere Lösung sei ein Hilfsfonds, wie ihn der Hauptverband Deutscher Filmtheater angeregt hat. Die vom Bund bereitgestellte Überbrückungshilfe biete dem Broadway-Kino nur für drei Monate Sicherheit, betont der Inhaber. Sie sei nicht mehr als „ein erster kleiner Lichtblick“.
In seinem Brandbrief räumt Pletsch eine kurzfristige Linderung der coronabedingten Ausnahmeausfälle ein. Nach seinen Worten hat sich die Politik „unendlich viel Mühe gegeben, um diese staatlichen Hilfsprogramme im parteipolitischen Alltag auf den Weg zu bringen“. Allerdings müssten Zuschüsse versteuert und auch begünstigte Darlehen getilgt werden.
„Alles auf null setzen“
Eine grundlegende Linderung der „existenzbedrohenden Situation“ sei nicht eingetreten, schreibt Pletsch. Er appelliert an die Politik, „den Menschen ohne Wenn und Aber zu helfen oder zumindest den Schaden zu ersetzen, nicht mit Darlehen und wieder zu versteuernden Zuschüssen“.
Pletsch weiter: „Nehmt jetzt Geld in die Hand und gebt allen Leidtragenden eine wirkungsvolle Hilfe.“ Er wünscht sich „keine Klein-Klein-Politik“, sondern einen klaren Schnitt, der andererseits den individuellen Bedürfnissen des Mittelstands gerecht wird. „Einfach alles auf null setzen, nur dann geht’s positiv voran. Das Einfachste ist das Schwierigste.“
Seit Beginn der Krise haben laut Pletsch „die Politik und die vernünftigen Bürger gemeinsam viel erreicht“. Jetzt sei es an der Zeit, „Mut und Weisheit“ zu zeigen, „radikal umzudenken und so zu entscheiden“. Verzögerungen dürfe es nicht geben, „wichtige Entscheidungen“ dürften nicht „dem parteipolitischen Alltag zum Opfer fallen“. Denn dann drohe „in den nächsten Monaten ein Alptraum aus Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und menschlichen Tragödien“.
„Radikale Entscheidungen“
Der Film „Tenet“, der als erste US-Produktionen eines Großverleihs seit Beginn der Krise in die Kinos gelangt, wird ab heute auch im Ramsteiner Broadway gespielt. Zeitgleich will Ernst Pletsch seinen Brandbrief an zunächst 40 Adressaten schicken, darunter Landes- und Bundespolitiker sowie die Regierungen in Mainz und Berlin.