KaiserslauternFillibecks Wochenend-Tipps: Kois im Netz betrachten und durchs Karlstal kraxeln
Atemberaubendes Stückchen wilde Landschaft im Landkreis: die Karlstalschlucht.
Zugegeben, er ist nichts gegen die Niagara-Fälle, der Wasserfall im Japanischen Garten. Aber dafür liegt er doch nett zwischen Stein- und Zengärtchen, ist überspannt von einer schönen kleinen ritzeroten Brücke und mündet in einen hübschen Teich mit wilden Koi-Karpfen, den engen Verwandten der Amazonas-Piranhas. Also nein, Spaß beiseite, er ist wirklich schön angelegt, der Japanische Garten, und der Aufenthalt in seiner auch kontemplativen Atmosphäre fehlt sicher vielen Lautrern. Aber: Es gibt Abhilfe.
Und zwar einen virtuellen Rundgang per Webcam durch eben jenen Japanischen Garten. Da ist halt leider nix mit an Blüten schnuppern oder Kois ein bisschen erschrecken, aber immerhin. Man kann sich lustig umgucken, wenn man die Maus ganz zart bewegt. Bei solchen Grobmotorikern wie mir sieht man da schnell mal nur den Himmel oder die Primeln am Weg. Dazu gibt’s beruhigende Musik per Cello oder Bassgeige. Und schon ist man der inneren Mitte wieder ein Stückchen näher. Über die Internetseite www.japanischergarten.de kann man sich einwählen.
Zwar ebenfalls teilweise angelegt, aber eine ganze Ecke gröber kommt die Karlstalschlucht daher. Kleine Brücklein über den Bach, ein hölzerner Pavillon und so manches andere kann dort allerdings kaum über die Gewalt der Natur hinwegtäuschen. Riesige Felsblöcke liegen kreuz und quer übereinander. Mit Moos und Farn bewachsen, manchmal Höhlen bildend und selbst im Hochsommer eine schwere, feuchte Kühle ausstrahlend. Ist immer einen kleinen Trip wert, Anfahrt über die B270 Richtung Pirmasens, Abfahrt Karlstal.
Viele Livestreams laufen jetzt aus. So bläst etwa der Stream aus der Fruchthalle am Freitagnachmittag ab 17 Uhr zum großen Finale. Tobias Urbanczyk und Sam Mpungu spielen eigene Nummern sowie Evergreens aus Rock und Pop. Dazu gibts Aktionskunst von Street-Art-Künstler Carl Kenz. In Lautern kein Unbekannter, denn Kenz hat schon große, internationale Sprayerprojekte hier organisiert. Unter anderem auf dem Gelände des ehemaligen Pfaff-Werks. Rechnet sich also, wenn man sich das Stündchen Zeit für Musik und Graffiti vorm Bildschirm nimmt. Zu sehen über den Offenen Kanal Kaiserslautern sowie über den Link der Internetseite von KL.digital.
Die Pfalzbibliothek in der Bismarckstraße ist wieder offen. Zwar gibt’s derzeit keine einzelnen Internetplätze, und längeres Arbeiten im Lesesaal geht auch noch nicht, aber dafür kann man wieder Bücher zurückbringen, welche leihen (Fernleihe ist im Aufbau), und Scans sowie Kopien sind auch machbar. Und überhaupt lohnt sich so ein Besuch in der engagiert geführten Pfalzbibliothek eigentlich immer. Etwa samstags zwischen Pferdewurst und Erdbeereis (10 bis 14 Uhr).
Auch ins Theodor-Zink-Museum kann man unter gewissen Maßgaben wieder gehen. Die aktuelle Lina-Pfaff-Ausstellung ist eine sehr Lautern-typische Ausstellung, die man gesehen haben muss. Die Tochter des Firmengründers Georg Michael Pfaff leitete nach dem Ersten Weltkrieg das Werk und stiftete der Stadt unter anderem das Pfaff-Bad. Sie wurde als erste und überhaupt einzige Frau von der bayerischen Staatsregierung mit dem Titel „Kommerzienrat“ bedacht. Unter anderem wegen ihres sozialen Engagements. Zu sehen Mittwoch bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
Thomas Brenners Fotoserie Krieg & Frieden hängt nach wie vor an den Zäunen und auf dem Gelände des Docu Center Ramstein in der Schernauer Straße. Eine Gelegenheit, sich die inszenierte Fotografie des bekannten Künstlers in aller Ruhe anzusehen. Die mit ihren gestellten, oft skurrilen Szenen Bühnenbildern gleicht. Und immerhin schon ein ganzes „Zeit Magazin“ schmückte, auf „Spiegel Spezial“-Ausgaben zu finden war oder in einem runden Dutzend Ländern ausgestellt wurde. Und wenn man schon mal in Ramstein ist, könnte man ja noch ein Riesenschnitzel essen. Die soll’s dort nämlich geben.
Not macht erfinderisch, auch an der Lauterer Technischen Universität. Immer dienstags und freitags ab zirka 21.30 Uhr wird der Parkplatz entlang der Gottlieb-Daimler-Straße zum Autokino. Zwei Stunden vorher kann man schon angebrummt kommen. Die Idee zu dem Spaß ist von Julian Wisser, dem Macher des Asta-Kinos.
Auch die Jungs des Pirmasenser Techno-Veranstaltungsclubs „Lager 14“ machen Autokino. Laut Organisator Frederik Rößler auf dem Parkplatz Süd 1 am Fritz-Walter-Stadion. Freitag, Samstag und Sonntag ab 20.30 und ab 0.00 Uhr. Etwa mit den „Känguru-Chroniken“ oder „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“. Wenn genug Publikum kommt, soll’s das öfter geben.
Die Internetmedien boomen ja gewaltig in der Corona-Zeit. Was manchen Zeitgenossen vielleicht recht unkritisch damit umgehen lässt. Eine wahre Rosskur für alle sorglosen Twitterer, Facebooker oder WhatsApper ist das spannende Buch „Der Chor der Zwölf“ des Saarbrücker Autors Andreas Dury. In binären Datenwolken und im richtigen Leben gerät da das Computersystem „Kaira“ recht unsanft an seinen Schöpfer, den Informatiker Pfahl. Zu Zeiten gruselig, aber fast prophetisch. Nach dieser Lektüre daheim wischelt man dann vielleicht ein bisschen vorsichtiger auf seinem Smartphone rum. So wie man mit der Computermaus bei der Webcam vom Japanischen Garten umgehen sollte. Langsam, bedächtig und überlegt. Tschüss.
Andreas Fillibeck
Werkleiterin, Wohltäterin, großartige Frau: Lina Pfaff. Ihr Lebenswerk ist Thema einer Ausstellung im Stadtmuseum.