Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Fieberambulanz zieht nach dem ersten Tag Bilanz

Seit gestern für Patienten geöffnet: die Kaiserslauterer Fieberambulanz in der Pfaffstraße.
Seit gestern für Patienten geöffnet: die Kaiserslauterer Fieberambulanz in der Pfaffstraße.

„Ruhig und geregelt“, so fällt Jonas Fröhlichs Bilanz nach Tag eins der Fieberambulanz aus. In der Pfaffstraße werden seit Montagnachmittag Corona-Verdachtsfälle sowie Infizierte mit leichten Beschwerden behandelt – nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Hausarzt.

In dem Häuschen, in dem sonst Mitarbeiter der Stadtbildpflege Kaiserslautern darauf warten, dass Menschen auf dem Wertstoffhof Altkleider und Textilien, Grünschnitt, Metallgegenstände oder ausgediente Elektrogeräte entsorgen, sitzen nun Helfer, die auf weitere Patienten warten. Bei Verdacht, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, oder bei einer bestehenden Covid-19-Infektion mit leichten Beschwerden können sie seit Montag von ihrem Hausarzt zur Behandlung in die Fieberambulanz geschickt werden. „Hausärzte, die noch Schutzkleidung und die Möglichkeit der räumlichen Trennung haben, können diese Patienten auch weiter selbst behandeln“, erzählt Jonas Fröhlich.

Drei Personen kamen in den ersten beiden Stunden. „Sie hatten ganz normale Erkältungssymptome, keiner von ihnen ist bislang coronapositiv getestet worden“, erzählt Ulrich Frankenberger. Leiter des ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung. Gemeinsam mit Fröhlich hat er in der Pfaffstraße Dienst.

Zentrale Versorgung spart Schutzkleidung

Frankenberger trägt eine Atemmaske, die beiden sitzen in einem zum Behandlungszimmer umfunktionierten, großen Raum, der sonst vom Arbeits- und sozialpädagogischen Zentrum genutzt wird, vor sich einen Computermonitor, eine Plexiglasscheibe. Die Tische sind mit Folie ausgelegt, die Behandlungsliege ist gerade leer. „Alle Kontaktflächen werden desinfiziert, nachdem ein Patient hier war“, berichtet Fröhlich, der Vorsitzende der Ärztlichen Kreisvereinigung.

Im Nebenraum lagert die Schutzkleidung: Wie lange sie reicht, sei je nach Patientenaufkommen unterschiedlich, so Fröhlich. „Generell braucht man aber viel Material. Das Zentralisieren der Verdachtsfälle hilft aber dabei, Schutzkleidung, die aktuell überall gebraucht wird, zu sparen.“ Denn so müsse nicht jede Hausarztpraxis Vorräte anlegen, sondern könne die Patienten in die Fieberambulanz schicken. „Wir möchten zum einen alle, dass sich Patienten nicht untereinander anstecken, aber wollen auch die Versorgung aller aufrechthalten“, erklärt Fröhlich.

Logistisch unterstützt wurde der Aufbau der Fieberambulanz vom städtischen Referat Feuerwehr und Katastrophenschutz, berichtet Thomas Höhne, seit vergangener Woche der neue Leiter. So seien seine Mitarbeiter beispielsweise beim Aus- und Einräumen und mit dem Aufbau der EDV beschäftigt gewesen. „Die Stadt muss für ihre Bürger ein Interesse an einer solchen Einrichtung haben.“

Patienten sollen nicht selbst bei Fieberambulanz anrufen

Unterdessen fährt Patient Nummer vier auf den Hof. Frankenberger wird nun zum „Michelinmännchen“, wie er selbst sagt. In vollständiger Montur – Maske, Schutzkittel, Handschuhe – geht er nach draußen, wenig später ist aus dem Nebenraum ein Husten zu hören.

„Der Patient wird vom Hausarzt telefonisch angemeldet, kommt mit dem Auto her, im Häuschen draußen wird ein erstes Gespräch geführt und dann entscheiden wir, ob er weiter behandelt werden muss“, erklärt Frankenberger das generelle Prozedere. „Es ist eigentlich wie eine Hausarztpraxis mit mutigen Ärzten.“ Patienten mit entsprechenden Symptomen sollten sich als erstes telefonisch bei ihrem Hausarzt melden, nicht direkt in der Fieberambulanz. Der eigene Arzt entscheide dann über das weitere Vorgehen.

14 Ärzte haben sich bislang gemeldet, um in der Fieberambulanz zu helfen. „Ich mache das hier ehrenamtlich. In der Zeit, in der ich hier bin, kann ich in meiner Praxis keine Patienten behandeln“, sagt Fröhlich. Ob sich das rechne, sei ungewiss. Aber: „Die Hausärzte sind dankbar“, ist sich Frankenberger sicher.

Ausgestattet: (von links) Ulrich Frankenberger und Jonas Fröhlich warten auf Patienten.
Ausgestattet: (von links) Ulrich Frankenberger und Jonas Fröhlich warten auf Patienten.
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