Kulturzentrum Kammgarn
Fiddler’s Green auf Tour: Erstklassige Unterhaltung
Zuvor schon ging’s mächtig zur Sache, als die stilverwandte saarländische Band The Feelgood McLouds mit eigenen Highspeed-Songs – gut gemischt aus vor allem Irish Folk-Elementen und reichlich Punk („Cheerio“) – und als echte Song-Überraschung dem entsprechend deftig interpretierten 1980er-Hit „Down Under“ die Stimmung im Publikum bereits früh ordentlich aufköcheln ließ. Mit Leichtigkeit konnte da Leadsänger Günther die Fans mal eben zu Boden bewegen, mal die Handys zum Beleuchten des extra abgedunkelten Saals nutzen lassen. Weil viele dazu (wie auch später noch) die Lichter unter ihre gefüllten Bierbecher hielten, ergab sich in diesen Momenten eine ganz aparte Beleuchtung in geradezu heimeliger Atmosphäre.
Das währte indes nie lange, denn ansonsten herrschte die pure Energie – auch und erst recht, als danach die sechs Jungs von Fiddler’s Green so frisch-eruptiv loslegten, als hätten sie ihre längst schon laufende „The Green Machine“-Tour gerade erst begonnen. Vom ersten Titel an, dem aus dem Stand mitreißenden „Shanghaied in Portsmouth“ mit seinem ohrwurmmäßigen Mitsing-Refrain, gab’s musikalischen Hochdruck von der Bühne, der ohne Umwege direkt ins Publikum weitergeleitet wurde. Abgesehen von wenigen zurückgenommenen Stücken wie das fast schon hymnenhafte „Green and Fellows“ ging’s unentwegt und schier ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Folk Rock-Spur (unter Mitnahme von allerlei Versatzstücken aus anderen Power-Stilen) voran.
Irische Lebensfreude
Besonders Leadsänger/Gitarrist Ralf Albers erwies sich dabei als unermüdliches Energiebündel, nahm zusammen mit seinen nicht weniger agilen Mitmusikern Pat Prziwara (Gitarre), Stefan Klug (Akkordeon), Tobias Heindl (Geige), Rainer Schulz (Bass) und Frank Jooß (Schlagzeug) das zunehmend ausgelassene Publikum mit auf eine abwechslungsreiche Reise durch die Welt des bunten Lebens im Allgemeinen und der irischen Lebensfreude im Besonderen. Ein Schlagzeug-Solo auf einem kleinen Metall-Bierfass, sich drehende Zahnräder auf der Bühne und zischende Nebelsäulen an dessen Rand waren da nur noch ein paar zusätzliche hörens- und sehenswerte Elemente einer runden Konzert-Show.
Das war aber längst noch nicht alles, was die begeisterten Gäste in der Kammgarn geboten bekamen. Zwischendrin gab’s auch noch quer durch den Raum geschubste meterdicke Ballons über den Köpfen und die Anwesenheit der gesamten Band mitten im dichten Publikumsgedränge – und dann Sänger Ralf Albers erhöht auf einer Leiter sitzend und singend. Mehr Publikumsnähe geht gar nicht.
Nette Geste des Überraschungsgasts
Aber in Sachen Überraschungen ging noch was. Denn plötzlich fegte kein Geringerer als Jörg Roth alias Alea der Bescheidene, Sänger der erfolgreichen Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis über die Bühne und erweiterte die Band einen Song lang zum Septett (später gab’s zum Ende hin noch einen weiteren umjubelten Auftritt mit ihm). Fast hätte man es sich ja denken können: Für den Lauterer war’s quasi ein Heimspiel, und seine Stilewelt hat Gemeinsamkeiten mit jener von Fiddler’s Green. Das war eine nette Geste des heimischen Musikers gegenüber den fränkischen Gästen und eine gelungene Überraschung für das Lautrer Publikum.
Nicht nur deshalb forderte man anhaltend (und bekam) nach knapp drei Stunden inhaltsreichem Power-Auftritt noch zwei ausgedehnte Zugaben-Teile, unter anderem mit einer hörenswert-saftigen Version von „The Wild Rover“. So geht die saubere Verbindung verschiedener Welten, so geht gute musikalische Unterhaltung.