Kusel
Festival des Opern-Nachwuchses
Eine der Preisträgerinnen, Serafina Starke, war schon im Vorjahr ausgewählt worden. Allerdings konnte sie damals wegen eines Engagements nicht teilnehmen. „Sie holt dies nun nach“, kündigt Thomas Germain an, Leiter der Musikschule Kuseler Musikantenland und Beisitzer der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft. Starke hatte bei ihrer Bewerbung angegeben, sie vermute, dass ihr verstorbener Vater bei der Beerdigung Wunderlichs in München gesungen habe.
Insgesamt hatten sich bei der aktuellen Ausschreibung 41 Sänger beworben, berichtet Germain von einer „konstant hohen Zahl“. Fünf Preisträger wurden ausgewählt. Männer seien darunter allerdings wenige: „In diesem Jahr haben wir keinen Tenor, aber einen Bariton.“ Dass vier Bewerber von der Musikhochschule München dabei sind, sei keinesfalls geplant gewesen. Es zeige nur, dass „dort in Sachen Wunderlich einiges los“ sei, meint Germain.
Bewerbungen aus aller Welt
Die Ausschreibung werde an deutsche Musikhochschulen und ehemalige Preisträger versandt, die Bewerbungen kämen dann aus der ganzen Welt, freut sich der Musikpädagoge. Unter anderem seien in diesem Jahr drei Chinesen dabei gewesen. Auch Bewerbungen aus Russland sowie aus Südosteuropa seien eingegangen.
„Die Fritz-Wunderlich-Tage haben sich in der Szene herumgesprochen“, schließt daraus Ingrid Hirschberger, Vorsitzende der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft. Auch die Ehemaligen sorgten dafür, dass der Förderpreis aus Kusel immer bekannter werde.
Auf den Spuren des Stars aus Kusel
Denn es geht hier nicht allein um die Summe von 500 Euro an Preisgeld oder eine weitere Zeile im Lebenslauf, stellt Germain klar: Für die jungen Sänger seien der Besuch der Wunderlich-Stadt und das Erkunden der Spuren des Tenors „ein besonderes Erlebnis“, weiß er. Genießen darf dies aber nur, wer in seiner Bewerbung den musikalischen Bezug zu Wunderlich überzeugend präsentieren kann. „Wenn jemand nur ein paar Sätze aus Wikipedia anfügt, der vielleicht noch nicht einmal Wunderlich gehört hat, ist das nichts für uns“, betont Germain.
Das musikalische Niveau unter den Bewerbungen ist laut Germain inzwischen sehr hoch. Denn für viele junge Sänger sei klar, dass sie den Durchbruch nur schaffen, wenn sie exzellent sind. Daher setzten viele inzwischen früh auf profunde Ausbildung. Obwohl mit 25 – so das Höchstalter eines Preisträgers – die Stimme physiologisch oft noch gar nicht ausgereift sei, wie der Musikschulleiter erläutert. Die Begrenzung auf dieses Höchstalter sei aber durchaus gewollt. Denn „wir wollen die jungen Leute dort treffen, wo sie noch nicht ihre ersten Erfolge gefeiert haben“, erläutert Germain.
Attraktives Mehr-Tages-Programm
Im Zentrum der Musiktage steht ein fünftägiger Meisterkurs mit Thomas Heyer von der Musikhochschule Frankfurt. Hierzu werden mehrere Teilnehmer erwartet. Außer am Montag ist dazu am späten Nachmittag Publikum zugelassen. Den Auftakt der Musiktage im Namen Fritz Wunderlichs (1930-1966), die in diesem Jahr zum siebten Mal veranstaltet werden, markiert am Sonntag, 11. September, ein Dozentenkonzert mit Thomas Heyer. Der Gesangslehrer tritt gemeinsam mit Sopranistin Marina Unruh auf. Begleitet werden sie von Klaus Bernhard Roth am Klavier. Der Pianist, der ebenfalls an der Frankfurter Musikhochschule unterrichtet, gehört wie Heyer sozusagen schon zum „Inventar“ der Musiktage in Kusel.
„Fritz Wunderlich und die Dichterliebe“ ist ein musikalisch-lyrischer Abend am Donnerstag, 15. September, mit Katrin Bibiella überschrieben. Auf dem Programm steht Robert Schumanns „Dichterliebe“ opus 48. Unter der Begleitung von Doriana Tchakarova (Klavier) und Magnus Dietrich (Tenor) rezitiert die Literaturwissenschaftlerin und Kirchenmusikerin aus Oppenheim aus ihrem Gedichtband „Seele ist ein gesungenes Wort“, das in enger Beziehung zum lyrischen Tenor Wunderlich steht.
„Ein Begriff an den Musikschulen“
Für Freitag, 16. September, ist in der Aula des Kuseler Horst-Eckel-Hauses das Abschlusskonzert der Teilnehmer des Meisterkurses geplant. Das Programm steht noch nicht fest. „Das ist jedes Jahr wieder eine Überraschung, eine schöne Überraschung“, freut Ingrid Hirschberger auf das Kulturereignis. Den Höhepunkt der Fritz-Wunderlich-Tage markiert zum Abschluss am Samstag, 17. September, ein Konzert der Preisträger in der Fritz-Wunderlich-Halle. Begleitet werden sie von Liviu Petcu am Klavier.
Die 1986 gegründete Fritz-Wunderlich-Gesellschaft mit aktuell rund 300 Mitgliedern hatte die Musiktage in Kusel 2015 für junge Berufssänger des klassischen Fachs ins Leben gerufen, um das Erbe ihres Namensgebers zu würdigen. Ziel ist auch, Fritz Wunderlich bei jüngeren Leuten bekannter zu machen. „Das haben wir erreicht“, resümiert Germain: „Fritz Wunderlich ist ein Begriff an den Musikhochschulen.“