Kaiserslautern Feinschliff statt Monumentalität

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Längst haben neue Präsentationsformen auch die Kirchenkonzerte erreicht. Etwa ist in Kaiserslautern die Citykirchenarbeit in der Stiftskirche zu würdigen. Kirche dient so auch der Kommunikation, Kultur und Kreativität. Mit dem Orgelkonzert in der Marienkirche am zweiten Weihnachtstag haben auch hier die Verantwortlichen den Reiz neuer Begegnungen entdeckt. Der Orgelverein Pro Musica Sacra hatte als Förderer und Organisator der dortigen Kirchenmusik daher nach dem Orgelkonzert zu einem Gedankenaustausch und Umtrunk in geselliger Runde eingeladen.

Weiter dient die überregionale künstlerische Begegnung mit führenden Konzertorganisten wie jetzt Josef Still auch dazu, die herausragende Bedeutung der Klaisorgel von 1905 verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Der damalige Revisionsbericht schwärmt von der erstklassigen Verarbeitungsqualität. Und hinsichtlich Plenum (vollklingende, orchestrale Registerkombination) sei sie von überwältigender Wirkung, seltener Machtfülle und Geschlossenheit sowie von reich gesättigter Klangmischung, heißt es weiter. Die Fachzeitschrift Urania vergleicht 1906 gar den Klangcharakter mit dem französischen Typus der Zeit, für die Komponisten wie Widor, Guilmant oder Boellmann den Typus der sinfonischen Orgelmusik kreierten. Wer sonst hier konzertiert, unterliegt oft der Versuchung, in Repertoire und Interpretation (vor allem Registrierung) diese klangliche Vielfalt und leichte Ansprache der pneumatischen Traktur zu nutzen. Nicht so Josef Still, der ohnehin im Rahmen seiner Kirchenmusik-Studien in München im Hauptfach Orgel und danach seit 1994 als Domorganist Trier und dort ebenso als Orgelsachverständiger nicht nur die ebenfalls monumentale Trierer Schwalbennestorgel kennt. Daher war seine Vortragsfolge nicht auf Monumentalität und orchestrale Opulenz ausgerichtet, sondern beinhaltete einen Vergleich weihnachtlicher Orgelmusik aus Polen und Deutschland. Vom 16. Jahrhundert, aus der Tabulatur des Zisterzienserklosters bei Danzig von Piotr Drusinski, über die Romantik (Mieczyslaw Surzynski) bis in die Gegenwart (Jan Janca) zeigte Still die polnische Tradition einer weihnachtlich inspirierten Orgelmusik auf. Es folgten eher unbekannte Repräsentanten deutscher Provenienz wie Karl Alois Mack oder Ludwig Boslet (beide in den 1860ern geboren). Es waren so einerseits Kompositionen zu hören, die eine weihnachtliche Stimmung in Gattungen wie Pastorale (Hirtenmusik) oder in romantischen Charakterstücken (bei Reger etwa) aufgreifen. Oder, wie in den meisten Fällen, in Choralbearbeitungen oder -fantasien sowie Variationszyklen die Melodien von bekannten Weihnachtsliedern entweder teilweise (Janca mit „Maria durch ein Dornwald“) oder vollständig durchführen, um sie danach in unterschiedlicher Verarbeitung darzustellen: In Veränderung der Notenwerte wie bei Janca per Augmentation (Vergrößerung) oder Diminution (Verkleinerung) oder in kunstvollen Umspielungen, die einen virtuosen Zugriff erfordern. Hier sei exemplarisch genannt die sehr anspruchsvollen Variationen von Mack über „Ihr Kinderlein kommet“ mit der Durchführung auch in unterschiedlichen Idiomen und Stilarten. Spielerische Reinkultur in Vollendung und eine meistens nur kammermusikalisch ausgerichtete Registrierung machten diese Werkvergleiche und Durchführungen von weihnachtlicher Melodik zu einem Erlebnis. Nicht das Auftrumpfen mit Klangrausch und Monumentalität, sondern der Feinschliff in spielerischer Akkuratesse machte Stills Konzeption und Spielart aus. So kamen alle satztechnischen Finessen und spielerischen Wirkungen plastisch zum Ausdruck. Konzert Das nächste Orgelkonzert der Reihe gestaltet am 10. März, 17 Uhr, Stefan Schlipf mit Orgelmusik aus Preußen, Schweden und Finnland in ebenfalls historischer Chronologie.

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