Kaiserslautern
Familie Minicucci vom Eiscafé „Rialto“ geht nach 54 Jahren nach Italien zurück
Vor 54 Jahren zog es Teresa (79) und Rocco Minicucci (81) aus ihrer Gemeinde nahe den Dolomiten nach Kaiserslautern. Von April bis Ende September war das „Rialto“ all die Jahre Anlaufstelle für viele Lauterer, für Jung und Alt. „Endlich wieder da – Herzlich willkommen“ hat eine ältere Dame die Minicuccis in diesem Jahr mit einer liebevoll gestalteten Karte samt Foto Anfang Mai begrüßt. „Es gibt Kunden, die wollen es nicht glauben, dass wir im nächsten Jahr nicht wieder öffnen“, sagt Teresa.
Noch sind die 34 Metallbehälter unter der Glastheke mit allerlei Eissorten gefüllt, die Eisküche, das wenige Quadratmeter große Reich von Rocco, ist am späten Nachmittag blitzblank geputzt. So wie man ihn all die Jahre kannte, mit hellblauem Hemd und Pullunder, auf denen das farbige Emblem des „Rialto“ nicht fehlen darf, bekennt der betagte Eismacher: „Ich kann nicht mehr. Die Knochen machen nicht mehr mit.“
Sommerurlaub vielleicht in Kaiserslautern
Noch immer schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Das eine für Italien, das andere für Kaiserslautern. „Wir kommen wieder“, wischt er sich die Tränen aus dem Gesicht. „Doch nur als Urlauber“, fügt der Maestro hinzu, dessen Eisküche sein Leben war. So sehr sind die Minicuccis mit Kaiserslautern verbunden, dass sie sich vorstellen können, im Sommer künftig eine Zeit lang in einem Lauterer Hotel zu verbringen.
25 Kilo gebrannte Mandeln hatte Rocco dieses Jahr aus Italien mit nach Kaiserslautern gebracht. Ein Kilo hat er auf die letzten Tage vor Schließung der Eisdiele noch selbst gebrannt. Dankbar ist er, dass sein Sohn Antonio (58) ihn dieses Jahr beim Eismachen unterstützt hat und Mario (50), wie in den vergangenen Jahren, seine Rolle als Geschäftsführer übernommen hat. Ohne die Unterstützung seiner Söhne und seiner Frau habe er das Eiscafé nicht führen können.
„Es war eine schöne Zeit“
Auch Teresa fällt der Abschied schwer. Als wollte sie wieder von vorne beginnen, ist sie gedanklich im Jahr 1968, als sie zusammen mit Rocco in der Mühlstraße 2, schräg gegenüber dem heutigen Standort Mühlstraße 3, das Eiscafé eröffneten. „Es war eine schöne Zeit“, kommt Rocco auf das Umfeld mit dem alten Pfalztheater samt Brunnenanlage zu sprechen. In Dachau hat er 1961 Teresa in einem Eiscafé kennengelernt. „Ich habe einen Espresso getrunken und wie ein Blitz haben sich unsere Augen getroffen.“ 1964 haben sich der gelernte Eismacher und Teresa das Ja-Wort gegeben. Dem Wechsel des Eiscafés in die Mühlstraße 3 lag eine Mieterhöhung von 30 Prozent zugrunde, erinnert sich Teresa.
Geschichten können beide erzählen. Beispielsweise von Mario, der bei Schwester Petronia im Kindergarten von St. Martin gewesen war. Oder von Matteo, dem Sohn von Mario, den Rocco gleich nach dessen Geburt beim 1. FCK als Mitglied angemeldet hat. Seine FCK-Mitgliedschaft und die seines Enkelsohnes Mateo hat der Eismacher vor dem Heimweg nach Italien bereits gekündigt. „Die Beiträge sind ganz schön teuer.“ Dennoch kann er seine Leidenschaft für die Roten Teufel nicht verbergen. Klar, war er noch einmal auf dem Betze und musste mit ansehen, wie der 1. FCK gegen Paderborn 0:1 einstecken musste.
Neben Auszeichnungen im „Rialto“ als „Prima Schleckeria“ von SWR 1, einem „Danke“ für das leckere Eis einer Gruppe der Kita „Tausendfüßler“, ist die Ehrenurkunde des 1. FCK für seine 40-jährige Mitgliedschaft nicht zu übersehen. Wieder in Italien, wird Rocco mehr Zeit für das Spielgeschehen seines Heimatvereins „Udinese Calcio“ haben.
Neuer Betreiber bekommt im Frühjahr die Schlüssel
Vermissen wird er, was er in der Pfalz gerne gegessen hat: Schwartenmagen und Rollbraten, Frikadellen und Sauerkraut. Während er in Kaiserslautern Bier bevorzugt hat, freut er sich in Farra d’Alpago wieder auf ein Glas italienischen Wein. Während Antonio seiner Arbeit in einer Strumpffabrik nachgehen wird, weiß Mario noch nicht, wie seine berufliche Zukunft aussehen wird. „Ich werde wieder nach Kaiserslautern kommen. Aber nur um dem neuen Betreiber des ,Rialto’ im Frühjahr 2023 die Schlüssel und das Inventar zu übergeben.“
„Wir haben uns in Kaiserslautern sehr wohl gefühlt. Es war unsere zweite Heimat. Bleiben wird das Rialto. Aber ohne uns“, bedauert Rocco. Immer, wenn er gefragt wird, warum sie weggehen, geht ihm ein Stich durchs Herz. „Das tut weh!“ Letztmalig öffnet das Rialto unter der Regie der Familie Minicucci am Sonntag, 2. Oktober.