Kaiserslautern Fahrraddieb verfolgt und festgehalten

Manche Menschen schauen in Notsituationen nicht weg, sondern genauer hin – und handeln beherzt. So etwa Marc Bossert: Er hat vor gut einem Jahr einen Fahrraddiebstahl verhindert und einen der Täter geschnappt. Der 33-Jährige zählt zum auserlesenen Kreis aufmerksamer und zupackender Bürger, die gestern für ein hohes Maß an Zivilcourage ausgezeichnet wurden. Polizeipräsident Wolfgang Erfurt ehrte auch die in Alsenborn beheimatete Ghanaerin Patricia Duedu-Akpor.
„Wir brauchen keine Rambos. Aber wir wünschen uns entschlossene Bürger, die hinschauen und überlegt handeln“: Wolfgang Erfurt, Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern, wollte nicht verhehlen, dass beherztes Handeln in außergewöhnlichen Situationen auch Gefahren birgt. In den Fällen, die der Polizeipräsident gestern im Präsidium noch einmal „aufrollte“, war alles gut gegangen. Umso schöner, freute sich Erfurt, der insgesamt zehn Personen mit Urkunde und Medaille bedachte, ihnen für den Mut dankte, den sie unter Beweis gestellt hätten, Marc Bossert habe Mut bewiesen am Abend des 16. Dezember 2013. In der Raiffeisenstraße hatte der 33-Jährige zwei Männer beobachtet, die gerade mit einem Bolzenschneider das Schloss eines Mountainbikes knackten. Bossert rief aus dem Fenster, um Passanten auf die Tat aufmerksam zu machen. Die Fahrraddiebe gingen prompt stiften. Bossert war das noch nicht genug: Er war inzwischen auf der Straße und eilte dem Duo hinterher. Einen bekamt der 33-Jährige in der Luxstraße zu fassen. Dort hielt er ihn fest, bis die Polizei eintraf. Auch der Komplize wurde später ermittelt. „Gut gelaufen“, sagte der Polizeipräsident mit Blick auf Bosserts Tempo, aber auch auf die Tatsache, dass er nicht selbst zu Schaden gekommen sei. Er hätte ja leicht an einen bewaffneten Mann geraten können. Alljährlich im Januar zeichnet die Polizei Bürger für zivilcouragiertes Handeln aus – gestern zum siebten Male schon, wie Erfurt sagte. Bei der Feierstunde im Polizeipräsidium erhielt auch Patricia Duedu-Akpor Urkunde und Medaille. Ihr Fall falle etwas aus dem Rahmen, so Erfurt. Lobenswert aber sei allemal, was die 39-Jährige Geschäftsfrau tue. Schon seit längerem halte die Betreiberin des Geschäfts Michi & Maxi in der Pirmasenser Straße die Augen offen, wenn Geldgeschäfte abgewickelt werden. Da kämen auch immer mal wieder Senioren vorbei, die hohe Beträge schnell transferieren wollen – was in der „MoneyGram“-Filiale möglich ist. Seit 2012 habe die in Alsenborn beheimatete Ghanaerin immer wieder Verdacht geschöpft und die Polizei informiert, wenn vorwiegend Senioren größere Beträge in andere Länder überweisen wollten. Damit habe sie nicht wenige Senioren vor Betrügern bewahrt, lobte Erfurt. Ohne Patricia Duedu-Akpors Eingreifen seien so einige ihrer Kunden über den sogenannten Enkel-Trick oder windige Gewinnversprechen ihr Erspartes losgeworden. (cha)