Kaiserslautern
Fürs künftige Batteriezellwerk werden dieses Jahr die ersten Auszubildenden eingestellt
Neben dem Aufbau der Batteriezellfabrik auf einem Teil des früheren Opel-Geländes, „sind wir jetzt dran, ACC als Markenname in Kaiserslautern, in der Region und in Deutschland bekannt zu machen“, sagt Peter Winternheimer, Geschäftsführer von ACC in Deutschland. Das gemeinsame Unternehmen des Batterieunternehmens Saft und den Automobilkonzernen Stellantis und Mercedes-Benz als Marke zu etablieren sei in Frankreich schon gelungen. In Deutschland werde nun mit einer Marketingagentur daran gearbeitet.
Wieso das wichtig ist? Weil ACC bis 2030 gut 2000 Fachkräfte braucht, damit dort die geplanten Batteriezell-Stückzahlen vom Band gehen können. „Der Erfolg des Werks wird von den Facharbeitern abhängen, die den hochtechnologischen Maschinenpark betreiben – und beherrschen.“ An Batterien würden extrem hohe Qualitätsanforderungen gestellt, schließlich sei es ein sicherheitsrelevantes Produkt.
Ausbildung gemeinsam mit Opel
Zum Erfolg beitragen sollen diejenigen, die ab Herbst als erste eine Ausbildung bei ACC beginnen. Der Startschuss dafür ist in der RHEINPFALZ gefallen, erzählt Winternheimer und verweist auf eine erste Stellenanzeige in der Beilage „Studium & Beruf“ vor wenigen Wochen: Auszubildende zum Mechatroniker, Industriemechaniker und Elektroniker werden gesucht. Noch gibt es keine eigene Ausbildung für die Batteriebranche, weshalb im ersten Jahrgang zehn Facharbeiter gemeinsam mit Opel ausgebildet werden – fünf Stellen sind schon besetzt.
Winternheimer: „Wir haben die Idee einer neuen Ausbildung zum Batterietechniker, der Fähigkeiten eines Chemielaboranten und eines Mechatronikers kombiniert.“ In der Batterie-Produktion würden schließlich beide Fachrichtungen gebraucht – und ein Facharbeiter solle möglichst alle Positionen im Werk besetzen können. Die neue Ausbildung gelte es mit Politik und Gewerkschaften anzustoßen. Da in der Branche in den kommenden Jahren zigtausend Arbeitsplätze entstehen werden, sieht Winternheimer gute Chancen für den Vorschlag: „In Europa schießen Batteriezellfabriken wie Pilze aus dem Boden.“
Ziel ist es, neue Köpfe in die Westpfalz zu holen
Und genau das sei eine weitere Herausforderung bei der Suche nach Arbeitskräften. „Die Firmen streiten sich natürlich um die besten Köpfe“, sagt der ACC-Chef. Viele der potenziellen Beschäftigten seien global unterwegs, gerade das hoch qualifizierte Personal, das beispielsweise für die Forschungsabteilung in Kaiserslautern gesucht werde. Im Team sind bereits heute Mitarbeiter aus Japan und Indien.
Ob Forscher oder Facharbeiter: „Unser Ziel ist nicht, in der Region anderen Unternehmen die Mitarbeiter abzuwerben“, betont Winternheimer, der lieber neue Köpfe von weiter her in die Westpfalz holen würde. Aber: „Dafür müssen Stadt und Region gerade für junge Familien attraktiv sein.“ Passender Wohnraum sei ein „ganz, ganz großes Thema“. Bereits jetzt würden ACC-Angestellte aus Mannheim, Mainz oder dem Saarland einpendeln, weil sie in Kaiserslautern und der Umgebung nichts Passendes gefunden hätten.
Doch der ACC-Geschäftsführer will nicht nur mahnen, sondern mithelfen. Beispielsweise würden neue Mitarbeiter von einem Makler bei der Wohnungssuche unterstützt.
Intensive Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit
Ebenfalls für viele junge Fachkräfte wichtig: das Thema Kinderbetreuung. „Wir würden da gerne mit anderen Unternehmen im Gewerbegebiet West gemeinsam etwas aufbauen“, sagt Winternheimer. Noch gebe es keine konkrete Vorstellung, „aber wir denken laut darüber nach“. Die Fläche für eine Kindertagesstätte ließe sich jedenfalls finden.
Für das Batteriezellwerk sei letztlich eine Personalmischung wichtig, junge Menschen und gestandene Arbeitskräfte, sagt der ACC-Chef. In einem ersten Schritt soll es für Opel-Beschäftigte die Möglichkeit zum Wechsel geben, die mit Weiterbildungen für die neue Aufgabe fit gemacht werden. Ebenfalls werde in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit nach passenden Mitarbeitern gesucht – auch unter Migranten: „Das scheint uns eine interessante Möglichkeit, den Personalbedarf zu decken.“
Tarifverhandlungen laufen
Zentraler Faktor für die Attraktivität von ACC als Arbeitgeber dürfte – wenig überraschend – das Gehalt sein. Winternheimer: „Wir sind gerade mit den Tarifvertragsverhandlungen mit der IG Metall gestartet.“ Es sei sinnvoll, am Standort Kaiserslautern mit der etablierten Gewerkschaft zusammen zu arbeiten. Der Lohn werde sich nach der Qualifikation richten, kündigt Winternheimer an, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Mit Blick auf mögliche Wechsel von Opel zu ACC ergänzt er: „Wenn jemand weniger Entgelt hat, warum sollte er dann wechseln?“ ACC biete „wettbewerbsfähige Konditionen“.
2024 werde das Thema Mitarbeitergewinnung richtig Fahrt aufnehmen. Ab Januar sollen monatlich zwischen 20 und 30 Neueinstellungen erfolgen, damit das Werk im Jahr 2025 nach und nach die Produktion hochfahren kann.