Stadtspaziergang RHEINPFALZ Plus Artikel Fünf-Türme-Tour durch Morlautern

Über die Wächterwiesen in Morlautern wandert der Blick in Richtung Stadt.
Über die Wächterwiesen in Morlautern wandert der Blick in Richtung Stadt.

Stadtspaziergang: Wer Morlautern besucht, kann ganz schön klettern: Während die Waschmühle im Eselsbachtal und damit naturgemäß unten liegt, ist der Ortskern ein ganzes Stück höher. Wer in den Ortsteil will, muss immer hinauf – ganz gleich, von welcher Seite er kommt. Dafür gibt es von dort oben nicht nur schöne Ausblicke, sondern auch noch manch anderes zu entdecken.

Für den Spaziergang hat sich Ortsvorsteher Alexander Lenz etwas Besonderes ausgedacht: eine Fünf-Türme-Tour. Denn Türme gibt es in Morlautern reichlich, dazu viel zu erzählen. Los geht es auf dem Dorfplatz, der auch an einem ganz normalen Vormittag mitten in der Woche ziemlich vollgeparkt ist. Dafür sorgt nicht nur die benachbarte Grundschule, auch die engen Gassen im Oberdorf und teils verkehrsberuhigte Straßen sorgen dafür, dass Autos lieber etwas weiter weg abgestellt werden. Morlautern, das einst von Bauern und Handwerkern geprägt war, ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Das zeigt beispielhaft die Obere Straße, wo ein Bauernhof abgerissen und stattdessen ein Mehrfamilienhaus gebaut wurde. 3600 Einwohner zählt Morlautern heute – „wir wachsen“ erzählt der Ortsvorsteher.

Erste Station der Fünf-Türme-Tour ist der Glockenturm inmitten des alten Ortskerns. Dieser wurde 1857 gebaut – und zwar vor der katholischen und der evangelischen Kirche. Zwei Bronzeglocken läuteten dort, bis sie während des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen wurden. Später wurde der Turm von der Feuerwehr genutzt für ihre Schläuche, heute steht er leer. Die Turmapotheke hat ihr Domizil in der alten Schule gefunden, die „neue“ Grundschule ist auch schon 70 Jahre alt. Neben dem Glockenturm befinden sich in einem Gebäude sowohl der Jugend- und Seniorentreff als auch die Arbeiterwohlfahrt. Die Straße Am Glockenturm kann als Kern Morlauterns bezeichnet werden.

Gut angebunden

Wir marschieren hinunter zur Otterbacher Straße, wo eine Mauer die mittelalterliche Grenze der Gemeinde markierte. An der Ecke Otterbacher- und Otterberger Straße ist eine Tafel angebracht, die den historischen Rundgang durch Morlautern zeigt. „Ein Flugblatt ist auch bei der Tourist-Info der Stadt erhältlich“, sagt Alexander Lenz. Nicht fehlen darf ein Abstecher zum ältesten Haus Morlauterns, das aus dem Jahr 1597 stammt. Dort hatte einst der Bürgermeister der Gemeinde seine Wohnstatt – ein Schweinestall gehörte selbstverständlich dazu. Heute ist das historische Gebäude liebevoll renoviert. Von den ehemals zahlreichen Landwirten Morlauterns ist heute laut Lenz nur noch einer übrig geblieben, zwei bis drei Nebenerwerbslandwirte gebe es.

Verkehrstechnisch ist Morlautern gut angebunden – mit dem Auto ist man in acht Minuten am Rathaus, mit dem Bus in 15. Das ist vor allem für die älteren Bewohner wichtig, denn ein Lebensmittelgeschäft gibt es derzeit nicht im Ortsteil – dafür aber zwei Bäckereien, die Apotheke und mehrere Ärzte, darunter ein „Morlauterer Mädche“, wie Lenz stolz erzählt. Und er ist auch voller Hoffnung, dass im geplanten Neubaugebiet Richtung Erlenbach ein Lebensmittelmarkt errichtet wird.

Blick zum Betzenberg

Weiter führt der Weg zum Hofgut Wächter und den Wächterwiesen. Dort, wo früher „alle Morlauterer Kinder gespielt haben“, baut gerade ein Investor Wohnhäuser. Von hier öffnet sich ein toller Blick auf die Stadt bis hin zum Betzenberg, links ist der Kiefer-, rechts der Mühlberg, unten im Tal liegen Waschmühle, Galapp- und Dammmühle. Auch das Ruhetal, das von der Bundesstraße 270 im Lautertal abzweigt, gehört noch zu Morlautern.

Weiter geht’s die Otterberger Straße hinauf. Rechts zweigt das „Puhlgässje“ ab. Gegenüber steht ein unscheinbares Haus, dessen Äußeres nicht vermuten lässt, dass der Keller unter Denkmalschutz steht. Wie der Ortsvorsteher erzählt, ist dort ein Brunnen aus der Zeit Barbarossas erhalten, auch eine kleine Kapelle stand dort.

Ein paar Meter weiter den Berg hinauf ist bereits das Hotel Hasselberg zu sehen. Es sei zur Zeit leider nicht bewirtschaftet, bedauert Lenz. An Gastronomie gibt es allerdings noch ein italienisches Restaurant und das Sportheim des SV Morlautern Am Kieferberg. Wie in anderen Gemeinden auch, ist von den einst sieben Gaststätten Morlauterns nicht mehr viel übrig geblieben.

Die Kirche steht mitten im Ort

Beim Gang durch Morlautern grüßt Alexander Lenz alle paar Meter einen Bekannten, auch aus Autos heraus wird gewunken. Mit einem Autofahrer, der die Scheibe herunterlässt, scherzt er: „Sag jetzt bloß nichts Schlechtes, ich hab’ die Presse dabei.“ Und der kontert: „Es gibt nichts zu meckern. Der Ortsvorsteher ist ein Glücksfall für Morlautern.“ Unter weiterem Geflachse über alkoholische Getränke, die nun ausgegeben werden müssten, geht es weiter zum nächsten Turm: dem der protestantischen Kirche.

Die Kirche steht prominent mitten im Ort. Als Morlautern 1944 bombardiert und schwer getroffen wurde, blieb dieses Gotteshaus verschont, die katholische St. Bartholomäus-Kirche aber wurde beschädigt. „Damals wurde die Ökumene in Morlautern begründet“, ist Lenz überzeugt, denn selbstverständlich habe der katholische Gottesdienst in der protestantischen Kirche gefeiert werden können.

Die protestantische Kindertagesstätte ist voll ausgelastet, es gibt auch eine Waldgruppe. An diesem ungemütlichen Morgen macht sich eine wetterfest ausgerüstete Kinderschar mit ihren Begleiterinnen auf den Weg zum Bauwagen im Wald. „Nass ist gut, dann kann man besser mit Matsch bauen“, weiß Lenz.

Begehrte Wohnlage

In der Turmstraße macht er auf einen ehemaligen Bauernhof aufmerksam, immer wieder sind alte Gebäude zu sehen, die schön um- und groß ausgebaut wurden. Das erste Neubaugebiet Morlauterns entstand etwa in den sechziger Jahren rund um Turm- und Ernst-Christian-Straße. Vor allem Leute aus der Stadt hätten hier ihre teils aufwendigen Häuser errichtet. Dass die Lage beliebt ist, erklärt sich durch den weiten Blick auf die Stadt.

Morlautern ist nach wie vor eine begehrte Wohnlage, was sich in drei Neubaugebieten zeigt, die zurzeit in Entwicklung sind: neben den Wächterwiesen die Alte Gärtnerei sowie neben dem Autohaus Liegert in Richtung Erlenbach, wo 150 Wohneinheiten entstehen sollen. Das seien dann aber wohl die letzten Neubaugebiete, sagt der Ortsvorsteher.

Wir marschieren weiter zum Wahrzeichen Morlauterns, dem Schlachtenturm. Im November 1793 trafen in Morlautern französische Revolutionstruppen, preußische und sächsische Soldaten aufeinander. 100 Jahre später wurde zum Gedenken der Sandsteinturm errichtet. 1804 soll Kaiser Napoleon das Gelände der Schlacht besichtigt haben. Heute ist der Turm ein beliebtes Ausflugsziel, allerdings nicht ständig zugänglich – zu gefährlich wäre der Aufstieg auf glitschigen Steinstufen. Doch der Ortsvorsteher hat natürlich den Schlüssel. Von oben eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die Stadt, aber auch bis nach Eulenbis und Bexbach.

Waldhof in Morlautern

Neben dem Turm liegt eine Kleingartenanlage. Auf der Betonstraße davor treffen sich in der Silvesternacht Hunderte von Menschen, die das Feuerwerk über Kaiserslautern anschauen möchten, schildert Alexander Lenz.

Der Ortsvorsteher schwärmt vom tollen Zusammenhalt im Ort, der sich zum Beispiel in der Corona-Zeit gezeigt habe. Die zahlreichen Vereine – von den Kleingärtnern über den Turnverein mit über 1000 Mitgliedern bis zum VdK – haben sich im Vereinsring zusammengeschlossen. Der Fußball-Fan verweist darauf, dass es auch in Morlautern einen Waldhof gibt, nämlich den gleichnamigen Ortsteil. „Wir haben den gescheiten“, kann sich Lenz einen kleinen Seitenhieb auf den FCK-Erzrivalen SV Waldhof nicht verkneifen. Er scherzt, dass er schon höher als der Lauterer Zweitliga-Verein gespielt habe – der Platz des SV Morlautern liege nämlich weiter oben als das Fritz-Walter-Stadion …

Kiosk mit Trinkhalle

Als „Kommunikationszentrale“ des Ortes bezeichnet Alexander Lenz den Kiosk mit Trinkhalle an der Ecke Otterbergerstraße/Zum Bornberg. Er habe zum Glück erhalten werden können, auch eine Post- und Lottostelle sind angegliedert. Von hier ist es nicht weit zum vierten Turm unserer Tour, dem Wasserturm. Er wurde in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut und versorgt bis heute den hoch gelegenen Ortsteil mit Trinkwasser. In den siebziger Jahren ist das benachbarte Wohngebiet Kieferberg entstanden. In Morlautern wird es scherzhaft „Känguruviertel“ genannt – große Sprünge und nichts im Beutel. Auch das „Millionegässje“ deutet darauf hin, dass in den Augen der Einheimischen damals unvorstellbar große und teure Häuser errichtet wurden.

Über das „Kerchepädche“ gelangen wir an die katholische Kirche, deren Turm nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden musste und die fünfte Station unserer Türme-Tour markiert. Am „Kerchepädche“ ist übrigens der Zaun immer mal wieder schief oder eingedrückt. Das liege daran, dass das der Weg sei, der von der Kerwe heim führe, da komme man leicht mal vom Pfad ab, erläutert Lenz.

Und der Ortsvorsteher vergisst auch nicht, darauf hinzuweisen, dass es eigentlich noch einen sechsten Turm gibt, der zu Morlautern gehört: den Sprungturm im Freibad Waschmühle.

Vom Schlachtenturm aus bietet sich ein toller Ausblick.
Vom Schlachtenturm aus bietet sich ein toller Ausblick.
Der alte Glockenturm wurde 1857 gebaut.
Der alte Glockenturm wurde 1857 gebaut.
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