Kaiserslautern Fünf Bausteine für jeden
Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Softwareentwicklung: Die Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Softwareengineering (IESE) arbeiten an sogenannten Prozessbausteinen, die Firmen aus der IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie) bei der Softwareentwicklung helfen sollen.
IKT-Unternehmen stehen heute im globalen Wettbewerb, sagt Thomas Zehler, Leiter des Projekts ProKoB, „Projektkontext spezifische Prozessbaustein-Orchestrierung zur Verbesserung des Entwicklungsvorgehens“. Für die IKT-Firmen gelte es, schnell auf geänderte Marktbedingungen zu reagieren. Eine Möglichkeit dazu sei es, im Softwareentwicklungsprozess anzusetzen. Die Forscher um Zehler suchen daher nach Möglichkeiten, wie sich die Systeme, die in den IKT-Firmen entwickelt werden, schneller einsetzen lassen. ProKoB, das seit Februar läuft und auf zwei Jahre angelegt ist, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 740.000 Euro gefördert, wie Zehler schildert. Gemeinsam mit vier Softwarefirmen als Partnern (Bluecarat, kemweb, TQsoft, yatta) suchen die Wissenschaftler aus Kaiserslautern nach Wegen, den Entwicklungsprozess von Softwareprodukten zu verbessern. Ihre Ergebnisse sollen später allen Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, schildert Zehler. Gemeinsam mit den Partnern aus der Industrie haben die Wissenschaftler vier Problemstellungen identifiziert, die es ihrer Meinung nach zu lösen gilt. Zehlers Kollegen, Philipp Diebold und Anna Schmitt, zählen auf: Wie lassen sich die Projekte transparent gestalten und die Kunden bereits in den Entwicklungsprozess einbeziehen? Wie lässt sich die Qualität steigern und gleichzeitig die Zeit bis zur Markteinführung beschleunigen? Wie lässt sich – etwa durch internes Wissensmanagement oder Mitarbeitermotivation – eine Demokratisierung der Organisation erreichen? Entlang dieser Fragestellungen entwickeln die Wissenschaftler derzeit einen Katalog aus einzelnen Prozessbausteinen und (Software-)Werkzeugen, die jedes Unternehmen individuell einsetzen kann. Die Prozessbausteine beschreiben jeweils konkrete Hilfsmethoden, wie Machbarkeitsanalysen, das Prinzip rotierender Arbeitsplätze oder Kundenworkshops. Bisher haben die Wissenschaftler 75 Bausteine definiert. Auf der Grundlage eines Datenmodelles, das die Kaiserslauterer entwickeln, sollen diese Bausteine helfen, die Prozesse in den einzelnen IT-Firmen zu verbessern. Die Vision: Jedem deutschen IT-Unternehmen, das sich an ProKoB wendet, sollen individuell fünf Bausteine empfohlen werden. Der Beratungsprozess soll dabei automatisiert werden: Je nach dem, welche Verbesserungsziele ein Unternehmen angibt, werden fünf Bausteine und die Reihenfolge, in der sie umgesetzt werden sollen, vorgeschlagen, sagt Zehler. Die Anwendbarkeit der einzelnen Prozessbausteine und ihre Orchestrierung, also die Reihenfolge ihres Einsatzes, werde während der Projektlaufzeit von den vier Partnern evaluiert, sagt Zehler. Doch bereits jetzt sei es möglich, dass sich die IT-Unternehmen aktiv an der Prozessbaustein-Suche beteiligen. Auf der Projekt-Homepage www.prokob.info könne jeder Unternehmer eigene Prozessbausteine vorschlagen, die die Forscher einarbeiten, berichtet Diebold. Eines der Projektziele sei es, eine Web-Plattform aufzubauen, über die nicht nur die Bausteine heruntergeladen, sondern auch bewertet werden können. So werde es möglich, dass die Inhalte der Plattform gemeinsam mit den IT-Unternehmen weiterentwickelt werden könnten. Am Ende, so die Hoffnung, sei jeder IKT-Mittelständler in der Lage, mithilfe der ProKoB-Plattform seine Softwareentwicklung zu optimieren. Info Wer sich für ProKoB interessiert und sich an der Suche nach Prozessbausteinen beteiligen will, findet das Projekt im Internet: www.prokob.info . |jtt