Kaiserslautern Fühlt sich an wie nach Hause kommen

Der Mann mit dem Gewinnerlächeln: Judoweltmeister Alexander Wieczerzak (hinten) zeigt Judokämpfern, die bis aus Frankreich anger
Der Mann mit dem Gewinnerlächeln: Judoweltmeister Alexander Wieczerzak (hinten) zeigt Judokämpfern, die bis aus Frankreich angereist sind, auf den Matten seiner ehemaligen Schule, wie’s geht.

Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak ist auf Stippvisite am Heinrich-Heine-Sportgymnasium Kaiserslautern. In einer brechend vollen Halle leitet er drei Stunden lang das Judo-Training und begeistert die Kleinen genauso wie die vielen Dan-Träger, die er auf der Matte schwitzen lässt.

2012 hat der Weltmeister sein Abitur in Kaiserslautern am Heinrich-Heine Gymnasium (HHG) gemacht, hat das Internat und Kaiserslautern verlassen. Längst wollte er mal wieder auf Besuch kommen. Jetzt hat es geklappt, auch weil seine HHG-Judotrainer Stephan Hahn und Uli Scherbaum immer wieder gebohrt haben. Nun ist der 27-Jährige zurück, steht zum ersten Mal wieder in seinem alten Dojo. Wobei, das alte Dojo ist leergeräumt, die Matten liegen in der großen HHG-Badmintonhalle. Der Andrang ist so riesig, viele Vereine aus dem Südwesten, aus Frankreich sind mit ihren Judoka angereist. Mit einem Weltmeister trainieren, wann geht das sonst schon mal? „Es fühlt sich an, wie nach Hause kommen, genau wie damals. Tolles Gefühl!“ Strahlend entert, anders kann man es nicht beschreiben, Alexander Wieczerzak die Sporthalle, herzt auf dem Weg erst noch schnell seine ehemalige Physiotherapeutin Alexandra Welte, die jede Muskelfaser des Sportlers nur zu gut kennt, schüttelt dem auf ihn wartenden HHG-Schulleiter Ulrich Becker die Hand, dann ist er für die Judoka da. Drei Stunden trainiert er den Nachwuchs, der mit leuchtenden Augen jedes Wort von ihm aufsaugt, und bringt die Danträger ordentlich ins Schwitzen. „Der Alex“, und nicht anders wird er genannt, lebt gerade auf der Überholspur, rast von Termin zu Termin, von Trainingseinheit zu Trainingseinheit, von Kontinent zu Kontinent. Und genauso leitet er das Training. Mit viel Schwung, mit Neuigkeiten, spannend, lehrreich mit netten Sprüchen. „Wenn der Gegner in der Bodenlage in die Bank geht und ihr steht, das ist wie ein Geschenk, wie ein Elfmeter im Fußball“, ruft der Weltmeister mit dem roten Rückenschild auf dem Judoanzug, leicht außer Atem, in die Halle. Was er fordert und erklärt, zeigt er natürlich, und das mehrfach. Benoit Helten, ein ehemaliger HHG-Judokollege, der wie Wieczerzak in Köln lebt, studiert und am Olympiastützpunkt trainiert, ist mit nach Kaiserslautern gekommen und mimt den Sparringspartner. In Frankfurt geboren, hat Wieczerzak, heute Sportsoldat und Student der Betriebswirtschaftslehre, seinen ersten Weltmeistertitel während seiner Zeit als HHG-Judoka 2010 bei den Junioren in Marokko gewonnen. 2016 ein Tiefschlag, Verletzungen, Krankheiten. „Es war wie eine Seuche“, beschreibt er die Zeit und das Aus für die Olympischen Spiele in Rio. Der Mann mit dem Gewinnergen und dem gewinnenden Lächeln kämpft sich zurück. 2017 landet er seinen ganz großer Wurf bei der WM in Budapest. In der weltweit am stärksten umkämpften Gewichtsklasse bis 81 Kilo holt er sich den Weltmeistertitel und legt 2018 bei der WM in Baku nach, steht erneut auf dem Podest der Weltbühne, gewinnt Bronze. Mit seiner Bundesliga-Mannschaft, dem Hamburger Judo-Team lässt er in diesem Jahr zudem den Deutschen Meistertitel folgen. Und er hat noch immer Träume, unerfüllte. Wieczerzak richtet den Focus eisern auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Da wollen die Nachwuchsjudoka in der HHG-Halle nicht wirklich hin, aber mit einem Weltmeister zu trainieren, das beflügelt und motiviert doch ungemein. Nicht zu übersehen. Auch ohne Judoanzug und Mattenboden nimmt sich Alexander Wieczerzak an seiner ehemaligen Schule noch Zeit. In der HHG-Aula steht er morgens, nach einer Nacht im Internat, den Sportschülern Rede und Antwort, bevor er wieder auf der Überholspur davoneilt, Sponsorengespräche, Training, der Grand Prix in Den Haag wartet am 16.11., und dann geht es gleich für vier Wochen nach Japan, von dort für vier Wochen nach China. „Kurz vor Weihnachten bin ich wieder daheim in Köln“, sagt Wieczerzak. Klingt, als sei es völlig normal.

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