Kaiserslautern Experiment gelungen
«MEHLINGEN.» Bei der 70. Auflage des „Großen Preis von Mehlingen“ wagte der Radfahrverein (RV) Mehlingen neue Wege. Erstmals ohne die A-Klasse und auf einem verkürzten Rundkurs fand das Jubiläumsrennen statt. Das tat der sportlichen Ausrichtung keinen Abbruch. Ob der Veranstalter wieder zum alten Rundkurs über 7,5 Kilometer und zum Hauptrennen mit der A-Klasse zurückkehren wird, ist noch offen.
„Wir waren zu diesem Schritt gezwungen, da blieb uns keine andere Wahl“, sagte Vereinschef Bastian Dietz und zeigte sich mit der Resonanz zufrieden. „Die Veränderungen brachten uns keine Nachteile.“ Wie es künftig weitergehen wird, ließ er offen. „Wir werden in drei bis vier Wochen darüber entscheiden“, so Dietz. Keinesfalls wolle er ein Senioren-Rennen aus dem Programm nehmen. „Unsere Senioren kümmern sich um den Nachwuchs, deshalb sollten sie auch ihr Heimrennen haben“, meinte Dietz, der ebenfalls in der C-Klasse an den Start ging und nach sieben Runden vorzeitig ausstieg. In guter Erinnerung wird wohl Kilian Steigner (BL-Team Auto Eder Bayern) das Rennen in der Westpfalz behalten. Der 19-jährige Nachwuchsfahrer der bayerischen Talentschmiede, die vom World Tour Team BORA-hansgrohe gefördert wird, war bei den Junioren nicht zu bremsen. Nach der frühen Flucht von Constant Wiederkehr aus dem elsässischen Eckwersheim zögerte der Bayer nicht lange, machte sich in der zweiten von 13 zu fahrenden Runden auf dem welligen 4,75 Kilometer langen Kurs an die Verfolgung und bestimmte gemeinsam mit Wiederkehr bis zum Ende den Rundenverlauf. Der Vorsprung wuchs schnell auf über eine Minute, ohne dass das Hauptfeld eine Reaktion zeigte. Zunächst hatte kein Seniorenfahrer den Mut, den jüngeren Akteuren zu folgen. Die Ausnahme blieb Marcus Rummel (RSV Stuttgart-Vaihingen), der in der siebten Runde der Attacke von Frank Meeßen (Adam Donner Master Racing Team) folgen konnte und sich dann alleine auf die Flucht machte. Der Schwabe wurde für seinen beherzten Antritt belohnt. Nach 61,8 Kilometern erreichte er mit einem Rückstand von 2:10 Minuten auf die beiden Erstplatzierten den dritten Rang, was in der Seniorenklasse den Sieg bedeutete. Da strahlte er. Dagegen konnte sich Lokalmatador Daniel Gundall, der in der Bundesliga für das rheinland-pfälzische Team Wipotec an den Start geht und lange das Hauptfeld anführte, nicht in Szene setzen. Er kam nicht über den siebten Platz hinaus. Da freuten sich seine Bundesliga-Konkurrenten Aaron Sommer, der Sieger des Klassikers „Eschborn-Frankfurt“, Anton Pecher und Kilian Steigner. In der gleichen Reihenfolge siegten sie an diesem Wochenende. Im bayerischen Brückmühl, in Bamberg und eben in Mehlingen. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagte Steigner, der noch dem jüngeren Jahrgang angehört und seinen Sieg im kommenden Jahr wiederholen könnte. Etwas überrascht waren die Akteure noch vor dem Start, als der fachkundige Radsport-Moderator Mathias Meyer im Namen der Jury für eine Reihe von Akteuren eine 20 Euro-Strafe bekanntgab, nachdem diese trotz Ermahnung vor dem Start auf der Rennstrecke bei den gleichzeitig stattfindenden Nachwuchsrennen trainiert hatten. Einige Talente aus der Westpfalz konnten sich dort in Szene setzen. Connor Lappot (RV Queidersbach) verpasste bei den Schülern U15 nur knapp den Sieg, während sein Teamkollege Philipp Straßer sich mit dem fünften Platz zufriedengeben musste. Bei der U13 sicherte sich die Schwester des frischgebackenen Bronzemedaillen-Gewinners der Straßenrad-EM, Niklas Märkl, Jule (RSC Linden) ebenfalls Bronze. Die gleiche Platzierung schaffte auch Alexa Krehbiel (RV Queidersbach) bei den Jüngsten, der U11. Dagegen erreichte Merlin Cambeis mit dem siebten Rang – wie Gundall – bei der Jugend U17 die beste Platzierung aus Sicht des Veranstalters. Es gab auch einen ungewöhnlichen Hilferuf eines Radsportlers. Justus Erler (RV Blitz Spich) war ohne Radschuhe und Helm aus Köln zum Rennen der B/C-Klasse nach Mehlingen gereist. Erst beim Auspacken seiner Tasche stellte er das fest. Was tun? Eine Durchsage von Mathias Meyer brachte ihm doch ein wenig Glück. Roger Klenk, an den pfälzischen Rennstrecken als Fotograf bekannt, konnte behilflich sein. Er hatte Rennschuhe der Größe 44 in seinem Pkw. Damit war die Reise nach Mehlingen nicht umsonst gewesen ...