Kaiserslautern Europa kreativ-kritisch betrachtet

91-82656176.jpg

Am Ende einer gemeinsamen Woche präsentierten rund 100 Erasmus-Schüler aus England, Spanien, Ungarn und aus Kaiserslautern in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Bertha von Suttner ihre Vorstellungen vom sozialen Miteinander. Jede Gruppe hatte eine fünfminütige Präsentation über Demokratie entwickelt. Tanz, Musik, Kunst, darstellendes Spiel, moderne Medien – alle Mittel der Kunst waren zur Bewältigung der Aufgabe erlaubt.

Demokratie zeigte sich am Freitag in der IGS Bertha von Suttner kreativ. Das verbindende Element in den bunt-gemischten Gruppen des Erasmus-Programms war oft die Musik. Die Schüler, die im „Erasmus plus“-Projekt „Innovate to create“ (Erfinde, um zu kreieren) seit einigen Monaten virtuell zusammenarbeiten, zeigten in ihren Beiträgen sozusagen mit dem europäischen Finger auf dieselben Probleme. Kam es auf der Bühne zu Störungen, gerieten die Schüler nicht in Panik. Sie sprachen miteinander, sie lachten, ließen sich etwas einfallen und fanden schließlich den Fehler in der Technik. „Wir haben uns einfach zusammengesetzt, uns gut verstanden und gemeinsam gearbeitet“, erklärte der 17-jährige Joscha aus Ungarn. Von der guten Zusammenarbeit konnten sich die Erasmus-Schüler selbst und viele Schüler mehr, die den Weg hoch in die Aula gefunden hatten, überzeugen. In vielen der Darbietungen waren gekonnt und kunstvoll Missstände aufgedeckt. In den Präsentationen waren die vorgegebenen Begriffe, wie Gleichheit, Einigkeit, Identität, Rechte oder auch das Flüchtlingsdrama wiederzufinden. Die demokratischen Lichtblicke zeigten sich vor allem im Miteinander der Schüler. Eine Szene als Beispiel: Besen, europäische Rechte darstellend, waren als Schutz vor dem Mann, der in der Mitte der Bühne stand, aufgereiht. Es war der ungarische Schüler Badajk Varga Àdàm Ròhut, der in gutem Englisch die Darbietung erklärte. Ein Recht fiel, dann die anderen auch – er stand schutzlos da. Etwas getrieben, stumm mit zurückhaltend wütenden Gesten lief einer der Schauspieler über die Bühne – um den Mann in der Mitte herum. Wollte er sprechen, wurde er von anderen unterbrochen. „Er wollte seine Stimme für den Mann in der Mitte des Geschehens erheben und wurde daran gehindert“, erklärte der Schüler aus Ungarn weiter. Andere Figuren standen teilnahmslos da, manche schauten in die Luft – sie richteten ihren Blick weg vom Geschehen. Lehrerin Ulrike Müller schwärmt am Ende der Vorführungen von der ganzen Erasmus-Woche – vor allem der Workshop am Mittwoch im Zentrum für Kunst und neue Medien in Karlsruhe sei fruchtbar gewesen und habe ihren Schülern sehr gefallen. Von den Ideen und der intensiven Arbeit der Schüler erzählte sie wiederholt. Die Engländer seien lustig gewesen, hätten sie öfter mal zum Lachen gebracht, erzählten Shanice und Marlene aus der neunten Klassenstufe der IGS. Sie fanden es etwas schade, dass sie nicht mit ihren Gästen in der Jugendherberge Zeit verbringen konnten. „Wir haben uns alle auf Anhieb verstanden“, erklärte der 17-jährige Meik. Und habe sich eine der seltenen Sprachverwirrungen unangenehm angefühlt, habe stets jemand ein Instrument in die Hand genommen, um die Stimmung aufzulockern, berichtet er – so hat Musik, Kunst und Demokratie die Jugendlichen verbunden. Mit Hilfe der sozialen Medien, der Plattform „e-Twinning“, werden sie sich auch über die gemeinsam verbrachte Woche hinaus für „Innovate to create“ über Gesellschaftsformen und ihre Probleme austauschen – gemeinsam weiter lernen. (rma)

x