Kaiserslautern Es war einmal ...
Seit Sommerferienbeginn lädt die Gartenschau jeden Dienstag auf dem Kaiserberg zur Märchenstunde. Gespannt warteten die Kinder zusammen mit ihren Eltern und größeren Geschwistern in der vergangenen Woche vor dem Hexenhäuschen auf Annemarie Korn und „Die Bremer Stadtmusikanten“.
Es waren so viele gekommen, dass das Häuschen einfach zu klein war. Annemarie Korn teilt sich mit anderen die Aufgabe in den Ferien. Etwa ein Dutzend Kinder lauschte gespannt der Geschichte der Gebrüder Grimm. Doch danach war noch nicht Schluss: Damit sich die Kinder auch an diesen Nachmittag erinnern, hatte Korn noch eine Version des Märchens in Gedichtform ausgedruckt und verteilte sie. Gemeinsam wurde dieses dann gelesen. Die Stimmen der Tiere übernahmen die Kinder, die sichtlich Spaß beim „Kokürikürikie“ und „rabau rabau rabomm“ hatten. Zuvor hatte sie sie mit einem Bild überrascht, auf dem eine Kuh, ein Schwein, ein Schaf und obendrauf ein Hahn so abgebildet waren, wie man es normalerweise von den Bremer Stadtmusikanten kennt. „Es hat etwas gedauert, bis die Kinder gemerkt haben, dass da etwas nicht stimmt“, sagte sie. Dann gab es noch eine Zeichnung der vier Bremer Stadtmusikanten zum Ausmalen und zum Mitnehmen. Etwas schade war, dass ein paar Familien das Hexenhäuschen erst zu spät oder gar nicht gefunden hatten. Eine kleine Zuhörerin, die erst nach der Lesung kam, tröstete Korn später mit einer Kurzform der Geschickte und den Unterlagen, die sie auch an die anderen Kinder verteilt hatte. Korn ist schon seit 15 Jahren als Märchenerzählerin auf der Gartenschau tätig. Vorher hatte sie dienstags den „Ausklang“ der Gartenschau, eine Erzählstunde und Gesprächsrunde für erwachsene Besucher, abgehalten. Darüber kam sie auch zum Märchenerzählen. Schon im Januar begannen die Vorbereitungen. Sie wählte ein Märchen aus und meldete es an die Gartenschau, damit das Programm gedruckt werden konnte. „Erfahrungsgemäß kommen Kindergartenkinder und Grundschulkinder der ersten und zweiten Klasse“, berichtet sie. Für diese Altersklasse wählt sie in der Regel kein Grimmmärchen aus. „Die sind zu lang und außerdem kennen die Kinder sie schon von Filmen.“ Um damit nicht konkurrieren zu müssen, sucht sie normalerweise in verschiedenen Internetforen unbekannte Märchen aus der ganzen Welt aus. „Dort gibt es viele, auch kurze Märchen, die gut geeignet sind“, erklärt die Märchenerzählerin, die auch privat gerne und viel liest. Auch moderne Geschichten kann sie sich gut zum Vorlesen vorstellen, Hauptsache, sie folgen dem Märchenprinzip, regen die Fantasie, das Mitdenken und Mitfühlen an und gehen am Ende gut aus. „Je nach Wetter waren schon bis zu 20 Kinder bei der Erzählstunde“, erzählt Korn. Und auch bei Regen kommen immer ein paar. Während des Erzählens erläutert Korn immer wieder Details, um das Verständnis bei den Kindern zu erhöhen. „Viele Dinge von früher, die in Märchen beschrieben werden, kennen die Kinder heute gar nicht mehr. Sie sollen den Inhalt ja nachvollziehen können“, sagt sie. Schon im Vorfeld macht sie sich Gedanken, wie sie den Kindern den Inhalt erklären kann. Dabei kann sie auf einen langjährigen Erfahrungsschatz im Umgang mit Kindern zurückgreifen. Denn vor ihrer Pensionierung war sie als Lehrerin tätig. Trotzdem schaffen es die Kinder immer wieder, sie zu überraschen: „Die Reaktionen sind manchmal sehr verblüffend“, meint Annemarie Korn, „aber das macht unheimlich Spaß“.