Kaiserslautern „Es darf bei uns niemals normal oder langweilig sein“

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Immer neu, immer anders, und immer Qualität statt Quantität: So lautet das Motto der Rock-Veteranen von Guru Guru, und das seit nunmehr 47 Jahren. Am 1. Oktober, 21 Uhr (Einlass ab 20 Uhr), sind die Krautrock-Urgesteine zu Gast im Kaiserslauterer Irish House. Mit Mani Neumeier, Schlagzeuger, Sänger und Begründer, sprach unsere Mitarbeiterin Katharina Kovalkov über die Anfänge, die Entwicklung und die Erfolgsgeschichte der Band.

47 Jahre Bandgeschichte sind beachtlich. 1968 gegründet, haben Sie die Ära von Woodstock und den Höhepunkt der linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegung live miterlebt. Wie war damals das Leben als Musiker im Vergleich zu heute?

Es war alles revolutionär, es herrschte der Wunsch nach Freiheit in der Gesellschaft und in der Musik. Wir wollten alles verändern, uns gegen die alte Gesellschaft auflehnen und provozieren. Und schon damals wollten wir unsere eigene Musik kreieren. Wir standen natürlich auf Musiker wie Jimi Hendrix oder Pink Floyd, wollten aber immer unseren eigenen Sound schaffen. Unsere erste Platte, „Ufo“, war damals eine Sensation, weil es so einen Sound vorher nicht gab. Später hat die Musikindustrie das Krautrock genannt. Bei Live-Auftritten hat man aber schon manchmal gemerkt, dass Leute dagegen waren. Das Publikum hat sich gespalten. Für die einen war es Krach, für die anderen war es das Ding. Radio und Fernsehen sind damals aufgeschreckt, haben uns aber trotzdem öfter eingeladen als heute. Es war generell einfacher, eine Band zu gründen und damit in die Medien zu kommen als heute, weil die Leute neugieriger waren und etwas Neues wollten, weg vom kommerziellen Schlager und ähnlichem.Sie haben damals auch eine echtes Nomaden-Leben geführt, haben in einer Art Kommune zusammengelebt, ohne festen Wohnsitz, nur in ihrem Bus, und oftmals war auch das Essen knapp. Hat sie das als Band noch mehr zusammengeschweißt? Ja, das war damals eine wichtige Sache. Eine Band, die etwas sein wollte, musste auch zusammen leben. Nebenbei arbeiten gehen und noch in anderen Bands spielen, war einfach scheiße, finde ich auch heute noch scheiße (lacht). Ich mache ausschließlich Musik, und ich finde, es ist einfach die reinere Form, als wenn ich noch irgendwo als Steuerberater oder Grafiker arbeiten würde. Dann habe ich ganz anderes Zeug im Kopf, was der Musik gar nicht guttut. Aber das kann sich heutzutage kaum noch einer leisten, vor allem wenn man nicht kommerzielle Musik macht. Wir sind wirklich ein Clan, eine Familie, in der kein Musiker zu ersetzen ist. Und wir sind auch eine der wenigen Bands, vielleicht die einzige, die seit 47 Jahren sämtliche Finanzen sozial untereinander aufteilt. Jedes Bandmitglied kriegt den gleichen Anteil wie ich als Bandgründer oder Bandleader, wenn Sie so wollen. Das finde ich sehr wichtig.Es ist kein Geheimnis, dass viele Musiker in dieser Zeit mit Drogen experimentiert haben, nicht selten um den kreativen Prozess voranzutreiben. Guru Guru gehörte dazu. Inwiefern hat sich der Konsum von Halluzinogenen auf Ihre Musik ausgewirkt? Ich weiß nicht, was Sie meinen. Wir haben nur viel Bier und Schnaps getrunken (lacht)! Nein, Alkohol war bei uns verpönt. Das war eine schlechte Droge. Wir bevorzugten Cannabis oder Haschisch. Mit LSD haben wir eine richtige Forschung betrieben. Wir wussten, dass es gut für die kreative Abteilung ist. Und wir wollten in erster Linie anders sein als die Generation vor uns. Aber die ganz harten Drogen wie Heroin haben wir strikt abgelehnt und die Leute auch davor gewarnt. Inzwischen können wir auch ohne Drogen kreativ sein. Viele Bands, die so lange existieren, fabrizieren im späteren Alter oft den müden Abklatsch einstiger Größe. Wie halten Sie sich und Ihre Musik frisch? Für viele Bands gilt das, was Sie gesagt haben. Sie versuchen, ihre alten Sachen möglichst lange zu wiederholen und sozusagen das eigene Museum zu pflegen. Das ist bei uns nicht so. Ich achte immer darauf, dass wir nicht verstauben und immer wieder neue Stücke produzieren oder die alten Stücke anders spielen. Dass wir auch auf der Bühne bewegungsmäßig fit sind. Es darf bei uns niemals normal oder langweilig sein.Sie haben in den 47 Jahren die ganze Welt bereist und haben auf internationalen Bühnen gestanden. 1996 wurden Sie als erster deutscher Musiker überhaupt mit einer Wachsfigur im Museum von Tokio geehrt und stehen dort neben Idolen wie Frank Zappa und Jimi Hendrix. Was bedeutet Ihnen dieser internationale Erfolg heute? Das ist natürlich eine Anerkennung, eine Genugtuung und Bestätigung für uns. Denn von Deutschland aus kommt da eigentlich nicht viel. Natürlich haben wir in Deutschland eine feste Fangemeinde, aber der große Erfolg und die Anerkennung sind nicht so zu spüren.Jede junge Band träumt von einem solchen Erfolg. Was geben Sie jungen Musikern auf den Weg? Wenn jemand erfolgreich sein will, dann muss er Musik machen wie Grönemeyer oder Maffay. Wenn einer gute Musik machen will, muss er sein Ding machen, daran glauben und es durchziehen. Für mich ist Erfolg, wenn die Leute, die zu unserem Konzert kommen, alle abfahren, sich reihenweise bedanken und glücklich nach Hause gehen. Das ist mehr wert, als wenn ich eine große Halle fülle und immer nur das Gleiche spiele. Lieber ein bisschen weniger und dafür besser. Qualität statt Quantität.

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