Interview Erlebnistag Intensivpflege am Westpfalz-Klinikum gibt Einblicke in die verantwortungsvolle Arbeit

Pflegerische Arbeit – gerade auf Intensivstationen – ist oft körperlich und psychisch anstrengend.
Pflegerische Arbeit – gerade auf Intensivstationen – ist oft körperlich und psychisch anstrengend.

Im Westpfalz-Klinikum fehlt’s an Pflegekräften – gerade auch auf den Intensivstationen. Am ersten „Erlebnistag Intensivpflege“ will das Krankenhaus über die anspruchsvolle Arbeit informieren. Elena Stirnemann, Stellvertretende Pflegedirektorin am Standort Kaiserslautern, und Matthias Moritz , Bereichsdirektor Pflege, über Belastungen im Alltag, Luft nach oben beim Gehalt und Bemühungen bei der Mitarbeitergewinnung.

Wie viele Intensivpflegekräfte hat das Westpfalz-Klinikum insgesamt – und wie viele freie Stellen sind in der Intensivpflege zu besetzen?
Matthias Moritz: Insgesamt beschäftigen wir standortübergreifend im Westpfalz-Klinikum rund 200 Vollkräfte im Bereich der Intensivmedizin. Diese Stellen werden auf knapp 240 Personen verteilt. Wir versuchen aktuell, möglichst viele Fachkräfte für Intensivpflege für uns zu gewinnen, um schnellstmöglich alle Intensivbetten wieder betreiben zu können, aber auch um die Intensivstationen entsprechend personell zu stärken.

Wieso haben sich in den vergangenen Jahren vergleichsweise viele Intensivpflegekräfte versetzen lassen oder haben gar gekündigt?
Moritz: Mitarbeiterfluktuation ist in der heutigen Zeit für Arbeitgeber nichts Unübliches. Es existiert ein Arbeitnehmermarkt, die Pflegefachpersonen haben also die Möglichkeit, sich den Arbeitgeber auszusuchen. Das wissen wir. Gerade im Krankenhaus ist die physische und psychische Belastung schon immer hoch, aber in den vergangenen Jahren hat sich das durch Corona nochmals zugespitzt. Wir hatten in der Vergangenheit eine überschaubare Anzahl von Kündigungen, jedoch ergibt sich durch den gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel ein deutlich höherer Bedarf für die Betreuung der Intensivpatienten. Das betrifft alle Kliniken in Deutschland. Und dies wiederum wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus.

Elena Stirnemann: Ein nicht kleiner Anteil an fehlenden Fachkräften sind Arbeitszeitreduzierungen. Auch das spiegelt zum einen die Belastung im Beruf wider, zum anderen zeigt es uns, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei den Mitarbeitenden einen großen Stellenwert hat. Deshalb bemühen wir uns, nicht nur neue Mitarbeitenden zu gewinnen, sondern auch die Mitarbeiterzufriedenheit spielt für uns eine große Rolle.

Entspricht die Bezahlung der Pflegekräfte auf den Intensivstationen den Anforderungen an die Mitarbeiter?
Moritz: Sicherlich ist in den letzten Jahren im Bereich der Bezahlung einiges passiert. Wir sind als kommunales Klinikum tarifgebunden. Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz hat vor einiger Zeit ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro für alle Pflegefachpersonen gefordert. Davon sind wir aktuell noch weit entfernt. Um die Fachkräftesituation in der Pflege zu verbessern und mehr Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, sind attraktive Arbeitsbedingungen von entscheidender Bedeutung. Da ist sicherlich das Gehalt nicht alleine ausschlaggebend aber doch von hoher Relevanz. Für die Arbeit auf Intensivstation beinhaltet das Grundgehalt eine höhere Einstiegsstufe sowie eine gesonderte Intensivzulage. Dazu kommen Nachtdienst- und Feiertagszuschläge, Jahressonderzahlung sowie Rufbereitschaftsdienste und Einspringprämien.

Was ist das Ziel des Erlebnistags – möglichst viele neue Kollegen?
Stirnemann: Wir möchten einen niederschwelligen und unkomplizierten Kontakt für externe sowie interne Pflegefachpersonen und Pflegeschüler ermöglichen. Im direkten Gespräch mit den Leitungen der Intensivstationen und den Verantwortlichen des Pflegedienstes sollen Menschen und Möglichkeiten der Intensivstationen sichtbar werden. Die Gewinnung von Interessierten für Praktika, Hospitationen und schließlich eine Festanstellung in der Intensivpflege am Westpfalz-Klinikum ist unser Ziel.

Der Erlebnistag ist ein neues Format, um neue Kollegen zu finden. Ein großer Aufwand, oder?
Moritz: Wir haben sehr engagierte Mitarbeitende, die diesen Tag ganz nach dem Motto von Kollegen für Kollegen gemeinsam geplant und gestaltet haben. Es sind Bemühungen, die wir sehr gerne betreiben. Wir gehen ja längere Zeit neue Wege bei der Akquise von Mitarbeitenden. Ob das unsere internationalen Mitarbeitenden sind, das Flex-Team, eine eigens konzipierte Kampagne für die sozialen Medien und vieles mehr.

Wer ist angesprochen, am Mittwoch vorbeizukommen?
Stirnemann: Zum „Erlebnistag Intensivpflege“ kann jeder kommen, der sich über das Thema informieren möchte. Das betrifft natürlich sowohl interessierte ausgebildete Pflegefachpersonen, aber auch Pflegeschüler. Pflegende, die sich beispielsweise für eine Hospitation interessieren, können direkt vor Ort einen Termin vereinbaren.

Info

Der erste „Erlebnistag Intensivpflege“ am Westpfalz-Klinikum findet am Mittwoch, 13. September, von 11 bis 15 Uhr im Hörsaal des Krankenhauses, Hellmut-Hartert-Straße 1, statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

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