Kaiserslautern Erinnerungen an die Schreckensherrschaft wachhalten

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Gleich zweimal führte ihn der Weg in kurzer Zeit von Mannheim in die Westpfalz. Im April sprach Professor Friedrich-Wilhelm von Hase beim Holocaust-Erinnerungstag vor der Militärgemeinde in Ramstein, gestern war der Sohn von Generalleutnant Paul von Hase, der wegen seiner Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Hitler hingerichtet wurde, zu Gast am Burggymnasium.

Auf Einladung von Deutschlehrerin Angela Benra las von Hase vor Schülerinnen und Schülern der Oberstufe aus seinem 2014 erschienenen Buch „Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer.“ Auch wenn er ein junger Augenzeuge sei, habe er dennoch klare Erinnerungen, sagte von Hase vor der Lesung im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Als sein Vater, damals Stadtkommandant von Berlin, mit dem Auftrag, nach dem geplanten Staatsstreich das Regierungsviertel zu besetzen, verhaftet und am 8. August zum Tode verurteilt und gehängt wurde, war von Hase sieben Jahre alt. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern befand sich der Junge zu diesem Zeitpunkt als Bestrafung von Familienmitgliedern in Sippenhaft. In guter Erinnerung ist ihm eine Schilderung von Dietrich Bonhoeffer, seinem Cousin, die der Widerstandskämpfer aus dem Militärgefängnis einem Freund in einem Brief mitgeteilt hat. Dabei handelt es sich um den Besuch seines Onkels, dem Vater von Friedrich-Wilhelm von Hase, der als Stadtkommandant von Berlin seinen Neffen im Gefängnis aufsuchte. „Plötzlich ist Bonhoeffer viel besser behandelt worden. Fünf Stunden konnte mein Vater bei seinem Neffen verweilen. Und Schampus ließ er im Gefängnis auftischen. Insgesamt fünf Flaschen. Das Personal hat sich gewundert“, berichtet von Hase. Anstoß, seine Erinnerungen an diese Zeit zu veröffentlichen, war ein Seminar über Dietrich Bonhoeffer, das von Hase vor Theologiestudenten in Oldenburg hielt. Für den studierten Historiker und Archäologen ein Ansporn, etwas gegen das Vergessen zu tun und die Erinnerungen an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten wach zu halten. Im ersten Teil des Buches hielt er Erlebnisberichte seiner Familie fest, im zweiten Teil ließ er Experten die geschichtlichen Hintergründe aufarbeiten. „Ich bin noch frisch und habe noch viel vor“, so der 77-jährige Kenner der klassischen Archäologie. Auch im Alter wird er nicht müde, als Berater international großer Ausstellungen tätig zu sein. Eine beachtliche Resonanz hat die von ihm mitorganisierte Pompeii-Ausstellung 2012 in Halle und ein Jahr später in Madrid gefunden. Derzeit ist von Hase mit der Vorbereitung einer Ausstellung mit Funden aus dem Schiffswrack von Antikythera aus dem ersten Jahrhundert vor Christus befasst. Die Ausstellung soll im September im Antikenmuseum in Basel gezeigt werden. Für den Experten der Vor- und Frühgeschichte, dessen Vorlesungen an Eliteunis in Frankreich und den USA gefragt waren, ist die Zerstörung von Jahrtausenden alter Kulturgüter im Nordirak durch Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat ein Akt der Barbarei. „Da sind wertvolle Objekte aus dem Nahen Osten in den großen Museen der Welt besser aufgehoben“, sagt er. (jsw)

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