Niederkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen an 19 Jahre Festivalhistorie

Pendragon waren auch bei der (vorerst?) letzten Night of the Prog anno 2024 auf der Loreley dabei.
Pendragon waren auch bei der (vorerst?) letzten Night of the Prog anno 2024 auf der Loreley dabei.

Ein ganz besonderes Konzert-Fotobuch hat der Verlag Empire Music aus Niederkirchen herausgebracht: „ The 42 Days of the Prog“.

Große Ereignisse wirken noch ein bisschen größer, wenn man sie später ausführlich dokumentiert, sie mit aussagekräftigen Fotos illustriert und mit interessanten Fakten garniert und so für die Nachwelt erhält. Besonders wichtig wird das, wenn es sich um „flüchtige“ kulturelle Veranstaltungen handelt, die nicht mehr fortgesetzt werden – so wie die international renommierten Night of the Prog-Festivals, die von 2006 bis 2024 fast alljährlich auf dem Loreley-Felsen stattfanden.

Diese weltweit beachtete Konzertreihe, abgekürzt NOTP hoch über dem Rhein gibt es nun zwar nicht mehr. Aber es gibt eine zum Buch gewordene Erinnerung an sie, an all die Bands und Künstler, die langen Nächte, die starken Stimmungen. „The 42 Days of the Prog“ heißt der (längst nicht nur reine) Foto-Band, der im Niederkirchener Empire Music-Verlag zum Ende der NOTP-Ära herauskam. Um es gleich vorweg zu sagen: Für Fans des Genres, für Rockfans überhaupt, ist das umfängliche Buch in mehrfacher Hinsicht eine Offenbarung.

188 Bands in 19 Jahren

Dafür sorgen schon die zu Grunde liegenden Veranstaltungen. Allein die Statistik dazu ist beeindruckend: 17 Festivals fanden in den vergangenen 19 Jahren unter der Ägide von Initiator Winfried Völklein an zusammengezählt und im Buchtitel erwähnten insgesamt 42 Tagen (und Nächten) auf der Loreley statt. 188 Bands und Einzelkünstler standen in dieser Zeit – manche mehrmals – in 258 Auftritten auf der Bühne, insgesamt beschallte man dabei satte 460 Stunden lang das Gelände in luftiger Höhe.

2010 fotografiert: Marillion bei der Night of the Prog.
2010 fotografiert: Marillion bei der Night of the Prog.

Und sieben Fotografen und Fotografinnen haben in all den Jahren die Night of the Prog-Konzerte im Auftrag des all die Veranstaltungen journalistisch begleitenden Empire Music-Magazins dokumentiert. Aus den ungezählten Fotos in ihren riesigen Sammlungen haben die Macher des gleichnamigen Verlags nun ein Stück Konzert-Dokumentation der besonderen Art gemacht – mit exakt 1888 Fotos, die es in sich haben.

Das authentische Bildmaterial in dem 240 Seiten starken Buch ist nach der Uhrzeit der Auftritte quer durch die Jahre gegliedert. Was im ersten Moment ein wenig unübersichtlich wirkt, erweist sich aber beim reinen Durchblättern schonmal als regelrechte Fundgrube für (Prog-)Rock-Kenner. Durch die auf den Seiten zu all den Bildern eingeblendeten Bandnamen und die Jahreszahl des jeweiligen Auftritts verschafft man sich dann rasch einen guten Überblick über all die internationalen Größen (und auch weniger bekannten, aber nicht minder guten Musiker und Gruppen), die bei dem Festival schon aufgetreten sind.

Akribisch recherchiert

Da waren denn schon so einige Größen der Stilrichtung dabei: Jethro Tull und Pendragon zum Beispiel (beide bereits 2007), später Marillion und Camel, dazu Colloseum, Dream Theater und Jadis, Saga und Spock’s Beard, Tangerine Dream, Wishbone Ash und insbesondere auch die Kaiserslauterer Band Vanden Plas (2011). Nicht zuletzt standen dann auch noch Abkömmlinge von Barclay James Harvest und Yes (mit dem legendären Keyboarder Rick Wakeman) sowie Auftritte der zeitweiligen Genesis-Mitglieder Steve Hackett und Ray Wilson (der es mit seiner Band auch auf das Cover des Buches geschafft hat) auf dem Programm. Da gerät jeder Rock-Fan schon beim bloßen Lesen der Namen anhaltend ins Schwärmen.

Wer es etwas genauer wissen will, wird auch gut bedient: Diverse Auftrittsdaten findet der Leser/Betrachter in mehreren akribisch recherchierten Listen und Grafiken, Interessantes und Gedankenreiches über die Geschichte und Hintergründe der Festivals im Vorwort des Fotografen Martin Christgau sowie im Epilog des Festival-Promoters Winfried Völklein – beide übrigens auch in englischer Übersetzung. Und: Sämtliche jemals ausgegebenen Poster und Flyer zu den Veranstaltungen sind schon am Anfang des Werks ebenso aufgeführt wie stimmungsvolle Bilder vom Platz des Geschehens (erst ohne, dann mit Aufbauten).

Atmosphärisch: The Musical Box 2023 bei der Night of the Prog.
Atmosphärisch: The Musical Box 2023 bei der Night of the Prog.

Im Mittelpunkt indes stehen all die folgenden Fotos, die die Bands und ihre Mitglieder in voller Aktion zeigen. Mal stimmungsvoll das Bühnengeschehen im Abendlicht, mal energetisch ein Musiker in der Nahaufnahme mit wehenden langen Haaren, mal in ganzen Foto-Sequenzen, welche die Bewegung und die Kraft eines Künstlers geradezu filmisch einfangen (wie bei Ray Wilson auf Seite 147 des Buches): Es ist alles dabei, was eine gute, facettenreiche Foto-Dokumentation aufweisen sollte.

Müßig zu erwähnen, dass alle am Buch Beteiligten gute Arbeit geleistet haben. Insbesondere zu erwähnen sind aber die Fotografen und Fotografinnen Martin Christgau, Bettina Dörr, Bodo Kubatzki, Maria Ortner, Stephan Schelle, Anja Specht und Iris Winkler. Dass man der inzwischen verstorbenen Iris Winkler dieses Buch gewidmet hat, macht es zusätzlich zu einem besonderen Werk.

Ob das unter anderem aus finanziellen Gründen beendete Festival wieder auflebt, ist zurzeit noch unklar – ganz ausgeschlossen ist die Möglichkeit nach Angaben auf den letzten Seiten des Buches indes nicht...

Lesezeichen

Alle Informationen rund um das Fotokunstbuch „The 42 Days of the Prog“ – inklusive Bezugsmöglichkeit – gibt es auf der Homepage des Verlages: www.empiremusic.de/fotobuch; Das Buch hat Format DIN A 4, 240 Seiten und kostet 69 Euro plus Versand.

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