Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Enkenbacher Unternehmer Johannes Heger führt Tarifverhandlungen in der Metallbranche

Die Beschäftigten bei Opel streikten in der vergangenen Woche.
Die Beschäftigten bei Opel streikten in der vergangenen Woche.

Dass die Forderungen der Gewerkschaft IG Metall nach mehr Lohn in diesen Zeiten völlig unrealistisch seien, dass macht Johannes Heger, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, gegenüber der RHEINPFALZ deutlich. Der geschäftsführende Gesellschafter der Heger-Gruppe mit Gießereien in Enkenbach-Alsenborn und Sembach geht dennoch mit Zuversicht in die Verhandlungen am Freitag.

Der Enkenbacher Unternehmer, seit 2013 Präsident des Arbeitgeberverbandes Pfalz-Metall, wurde für die diesjährigen Tarifgespräche von den vier Arbeitgeberverbänden in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zu deren Verhandlungsführer bestimmt. Damit vertritt er 1400 Unternehmen und rund 380.000 Beschäftigte der Metall- und Elektro-Industrie.

„Die Forderungen der IG Metall aus dem letzten Herbst waren damals schon überzogen“, sagt Heger. „Heute sind sie utopisch.“ Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Lohn, außerdem strebt sie an, dass Betriebe bei Reduzierung der Arbeitszeit das Entgelt erhöhen, zum Beispiel bei einer Vier-Tage-Woche.

Beiden Forderungen erteilt Heger eine Absage. „Der Einbruch der Produktion im vergangenen Jahr beträgt rund 15 Prozent“ und lasse sich auch 2021 nicht aufholen. Im Gegensatz dazu habe der Beschäftigungsrückgang bislang bei nur 2,4 Prozent gelegen. Würden die Arbeitgeber auf die Forderung der Arbeitszeitreduzierung bei höherem Stundenlohn eingehen, bedeutete dies „knapp neun Prozent Kostensteigerung“, lautet seine Rechnung. So besteht das derzeitige Angebot der Arbeitgeber aus einer Einmalzahlung fürs erste Halbjahr 2022 und einer Anhebung der Entgelte im zweiten Halbjahr.

„Warnstreiks passen nicht in die Corona-Zeit, in der andere gern arbeiten würden“

Vor allem die Warnstreiks passen für Heger nicht in die Zeit der Pandemie. „Während die Metall-Beschäftigten vor den Werken stehen, wünschen sich die Arbeitnehmer des Einzelhandels, der Gastronomie oder Kulturschaffende nichts sehnlicher, als wieder arbeiten zu dürfen.“ Die IG Metall hat für heute zu einem Warnstreik mit Kundgebung bei Heger aufgerufen, zu der auch Betriebe wie Opel und John Deere eingeladen sind.

Zwar die meisten, aber nicht alle Betriebe der Branche seien durch die Pandemie stark betroffen. „In der Automobilindustrie ging es nach kurzem Aufschwung bergab, der Maschinenbau ist ebenfalls unten, und für die Luftfahrtunternehmen – wir haben einen Betrieb in Speyer – ist es eine Katastrophe“, nennt er Beispiele. Die Medizintechnik hingegen, die auch in der Südpfalz angesiedelt sei, habe von der Pandemie profitiert.

Wegen der Unterschiede pocht Heger auf eine Differenzierung: „In einer schlechten Phase sollte ein Betrieb auch mal vom Tarifvertrag abweichen dürfen, und zwar in Absprache allein zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat.“ Diese Möglichkeit möchte er gern im Tarifvertrag festgeschrieben sehen.

„Strategische Entscheidungen der Unternehmen sind nicht Sache der Gewerkschaft“

Sein eigenes Unternehmen, das in Sembach auf Windradnaben spezialisiert ist, spürt seit 2018 eine Flaute. Doch er ist überzeugt, dass „die Windenergie wieder kommen wird“, denn E-Mobilität werde sich ohne erneuerbare Energien nicht umsetzen lassen. Den Rückgang der Nachfrage könne er durch Auslandsmärkte ausgleichen.

Die geforderte Arbeitnehmer-Mitbestimmung in strategischen Entscheidungen sieht Johannes Heger nicht als Aufgabe der Gewerkschaft an. „Die Höhe der Löhne, die Arbeitszeit: Dies müssen die Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände miteinander regeln.“ Welche Produkte ein Unternehmen produziert oder an welchem Standort, dies seien hingegen allein Entscheidungen des Unternehmers. Willkürlich könnten diese eh nicht sein, denn das Betriebsverfassungsgesetz schreibt vor, dass der Unternehmer darüber berichten muss.

Der Enkenbacher zeigt aber auch Verständnis für die Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahr starke Einbußen erlitten haben. In dem Tarifbezirk waren zuletzt noch 170.000 Beschäftigte der Branche in Kurzarbeit. „Wir haben die Arbeitsplätze erhalten – aber es sind auch Kosten durch die Hygiene-Maßnahmen entstanden.“ Jetzt gehe es ums „Erhalten und Konsolidieren“. Bei zu strengem Tarifvertrag sieht er sonst die Gefahr, dass ein Teil der Branche, dem es schlecht geht, ausscheidet. „Das ist wie zu hoher Blutdruck: Erst merkt man es kaum, dann ist es zu spät.“

Trotz allem ist Heger zuversichtlich für die inzwischen vierte Tarifrunde am Freitag und hofft, vor Ostern die Verhandlungen geschafft zu haben. „Wir müssen gemeinsam zu einem Beschluss kommen.“

Johannes Heger
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