Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Enkenbach-Alsenborn: Gymnasiasten bereichern Filmvorführung im „Provinz“

Stimmte auf die Kinovorstellung ein: der Kammerchor des Kaiserslauterer Albert-Schweitzer-Gymnasiums.  Foto: Christian Hamm
Stimmte auf die Kinovorstellung ein: der Kammerchor des Kaiserslauterer Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

In der Reihe „Musenkino“ im Enkenbacher Provinzkino gab es selten eine so ideale und kongeniale Ergänzung aus Film, Vortrag und Konzert wie am Donnerstag: Musikalisch eingestimmt auf den Film „Komponistinnen“ haben – auf Initiative der Schülerin Emilia Zickermann – Chor und Solisten des Kaiserslauterer Albert-Schweitzer-Gymnasiums.

Während sich im Dokumentarfilm von Tim van Beveren die Konzertpianistin Kyra Steckeweh auf Spurensuche und Ursachenforschung begibt, dem offenkundigen Fehlen von Komponistinnen auf den Grund geht, findet dieses Vorgehen in Oberstufenschülerin Emilia Zickermann die Entsprechung. Und das kam so: Die Schülerin besucht am ASG – übrigens eine Schule mit Schwerpunkt auf musischen Fächer mit vielen Musiziervereinigungen – den Leistungskurs Musik und wurde von Lehrerin Monika Schmitt zu einer Facharbeit angeregt. Die trägt den Titel „Und sie komponieren doch!“ Es handelt sich um eine sozialkritische Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft im Allgemeinen und ihrer Bedeutung als Komponistinnen im Besonderen.

Vor dem Film erläuterte die Gymnasiastin ihre Vorgehensweise bei der Suche in Archiven wie „Frau und Musik“ in Frankfurt oder bei Verlagen wie „Musica Femina“ in München. So erschloss sie sich für die Auseinandersetzung mit Komponistinnen der deutschen Romantik wie Fanny Hensel (Schwester Felix Mendelssohn-Bartholdys) und Clara Schumann (Ehefrau Robert Schumanns). Briefe, Tagebucheintragungen, Rezensionen, Essays über Musik lieferten Material.

Cross-Over-Projekt bietet sich an

Im Gespräch vorab wurde aber deutlich, dass Emilia Zickermann weit mehr herausgeholt hat als diese Analyse des 19. Jahrhunderts: Biographien von Hildegard von Bingen im Mittelalter und später von Francesca Caccini zur Zeit des Stilwandels um 1600 festigten ein mittlerweile klares Bild von einer Benachteiligung, Vernachlässigung bis hin zur Stigmatisierung komponierender Frauen in der Musikgeschichte. Bei den Recherchen für ihre Facharbeit stieß sie auch auf den Film, was sie zu diesem – neudeutsch – Cross-Over-Projekt anregte. Synergieeffekte von Film und Live-Musik boten sich an, daher wurde sie beim Provinzkino-Team vorstellig.

Und so kam es wieder zu einer Parallele zwischen Film und Facharbeit: Im Film wurden ebenfalls Fanny Hensel, daneben aber auch Emilie Mayer (Deutschland) sowie Lili Boulanger und Mel (Melanie) Bonis (Frankreich) als Komponistinnen mit Werkausschnitten vorgestellt, dies vor dem Hintergrund ihrer familiären und gesellschaftlichen Stellung.

Der traditionell hohe Stellenwert der Musik am ASG offenbarte sich in den konzertanten Kostproben, wobei sich durch das Mitwirken der Initiatorin und Referentin des Abends im Kammerchor eine weitere verbindende Brücke schlagen ließ: Der von Lehrerin Monika Schmitt geleitete Chor erfüllte zwei Gartenlieder von Fanny Hensel mit dem schwärmerischen Tonfall der Romantik und überzeugte durch klangliche Homogenität und Expressivität in stimmlicher Reinkultur im heiklen klassischen, unbegleiteten A-Cappella-Stil. Frauen sorgten allerdings in der Musikgeschichte als Interpretinnen durchaus für Furore.

Junge Solisten zeichnen sich als Könner ihres Fachs aus

So nimmt es nicht wunder, dass die Harfenistin Hanna Bächle mit einem romantischen Charakterstück verzauberte: Melodische Anmut, virtuos umspielende Figurationen wiesen sie als exzellente Interpretin ihres Fachs aus. Ebenso konnte sich die Pianistin Anna Orth mit Miniaturen von Clara Schumann auszeichnen. Auch trugen Matthias Spang mit Ausschnitt aus dem Zyklus „Kinderszenen“ (Robert Schumanns) und Chorbegleiter Leon He (Klavier) zum Gelingen bei.

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