Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Enkeltrick und Co: Polizei gibt Tipps, wie Betrüger am Telefon enttarnt werden können

Ältere Menschen werden verstärkt Opfer von Betrugsversuchen am Telefon. Eine Masche sind sogenannte Schockanrufe.
Ältere Menschen werden verstärkt Opfer von Betrugsversuchen am Telefon. Eine Masche sind sogenannte Schockanrufe.

Fingierte Kurznachrichten, Schockanrufe, falsche Bankmitarbeiter: Betrügereien am Telefon haben Konjunktur. Die Polizei rät dazu, misstrauisch zu sein.

Das Telefon bietet für Betrüger viele Möglichkeiten, ihre Maschen anzuwenden, sei es mit Schockanrufen, falschen SMS oder dem Enkeltrick. Im Interview mit RHEINPFALZ-Redakteur Andreas Sebald berichtet Matthias Wappner, der Leiter des Kommissariats für Vermögensdelikte bei der Kriminaldirektion Kaiserslautern, darüber, wie wichtig es ist, im Gespräch mit Betrügern Ruhe zu bewahren.

„Hallo Papa, ich habe mein Handy verloren, das ist meine neue Nummer“ – wann haben Sie, Herr Wappner, denn das letzte Mal eine solche Nachricht erhalten?
Tatsächlich vor drei oder vier Wochen.

Wie reagiert man auf solche Nachrichten, die als SMS oder aber auch via Whatsapp verschickt werden?
Am besten gar nicht, es ist ein Betrugsversuch. Meist kommen dann, wenn man reagiert, Geldforderungen. Ich habe mich, weil ich Erfahrungen mit solchen Dingen aufgrund meiner Tätigkeit als Leiter des Sachgebiets Vermögensabschöpfungen hatte, zum Schein schon darauf eingelassen. Mit den Kontodaten, die man dann von den Betrügern geschickt bekommt, konnten wir Banken kontaktieren und darauf hinweisen, dass mit dem Konto wohl etwas nicht stimmen kann, es für Betrügereien genutzt wird.

Die Betrüger sind also an den Falschen geraten ...
Im Prinzip ja. Ich habe dann irgendwann auch keine solchen Nachrichten mehr erhalten, vor einigen Wochen, wie gesagt, dann aber doch wieder.

Die Masche mit dem verlorenen Handy ist leider nur eine von vielen ...
In der Tat. Wir haben im Moment ein sehr großes Problem mit Telefonbetrügereien, dazu gehören beispielsweise auch der Enkeltrick oder eine Masche, bei der am Telefon ein großes Gewinnversprechen auf Investitionen gegeben wird.

Wie läuft das ab?
Am Telefon wird einem vorgegaukelt, dass es auf investiertes Geld eine hohe Rendite gibt. Menschen werden erst zur Investition geringer Summen animiert. Dieser geringe Betrag vermehrt sich dann innerhalb von Tagen – vermeintlich – um ein Vielfaches. In dem Glauben an einen großen Gewinn werden höhere Summen – auch sechsstellig – überwiesen. Dann sind alle Ersparnisse auf einen Schlag weg.

Wie kann ich mich davor schützen?
Kann das sein? Dass sich 250 Euro innerhalb einer kurzen Zeit verzehnfachen lassen? Diese Frage muss ich mir stellen, dabei auch in Erwägung ziehen, wie viel es im Vergleich dazu bei seriösen Banken gibt. Solche Renditen, die einem da versprochen werden von den Betrügern, die sind zu schön um wahr zu sein. Und sie sind ja auch nicht wahr.

Was beschäftigt die Polizei noch?
Die sogenannten Schockanrufe. Der Anrufer gibt sich meist als Polizist oder Staatsanwalt aus und erzählt eine Geschichte, dass ein naher Verwandter in einen schweren Unfall verwickelt ist und nun eine Kaution gezahlt werden soll. Dabei wird ein enormer emotionaler Druck aufgebaut. Ich habe dazu mit Betroffenen schon einige Gespräche geführt. Alle berichten: Da wirst Du panisch! Das ist ja auch verständlich, man will ja seinem Kind oder seinem Enkel aus der Bredouille helfen.

Was raten Sie bei einem solchen Anruf?
So schwer es klingt: Ruhe bewahren. Staatliche Institutionen, Polizei oder Gerichte, was die Betrüger ja immer vorgaukeln zu sein, würden nie Sicherheitsleistungen an der Haustür abholen, auch keinen Schmuck. Nie! Zudem würde das auch nicht vorher am Telefon besprochen und die Abholung geregelt.

Ruhe bewahren ist bei den schlimmen Nachrichten, die da überbracht werden, bestimmt nicht leicht.
Nein, ist es nicht. Es trifft ja auch meist ältere Leute, die da angerufen werden. Zudem haben wir den Eindruck, dass die Anrufer sehr gut geschult sind, die Menschen die ganze Zeit unter Druck halten, keine Luft zum Atmen lassen.

Wie kann man sich dem entziehen?
Eine Möglichkeit ist, nach der zuständigen Polizeidienststelle zu fragen und einen Rückruf ankündigen. Damit kann man ein bisschen auf Zeit spielen, sich eine Pause verschaffen, in der man seine Gedanken sammeln kann – oder mit der tatsächlichen Verwandtschaft, mit Nachbarn oder Freunden Rücksprache halten kann. Oftmals ist das auch schon das Signal für die Betrüger, aufzulegen.

Was muss ich tun, wenn ich hereingelegt wurde und viel Geld gezahlt habe?
Viele Menschen schämen sich natürlich, auf einen Betrug hereingefallen zu sein. Aber: Falsche Scham führt hier zu nichts. Am besten sofort an die Polizei wenden, nicht erst ein, zwei Tage später. Wenn Geld überwiesen wurde, besteht manchmal noch die Möglichkeit, die Überweisung rückgängig zu machen. Außerdem liefern die Bankdaten auch Ermittlungsansätze für die Polizei

Gibt es neue Betrugsmaschen, die der Polizei noch nicht untergekommen sind?
In leicht abgeänderter Form tauchen die Maschen immer wieder auf, im Prinzip ähneln sie sich alle. Den Enkeltrick wollte ich noch erwähnen, also der Anruf eines falschen Enkels bei älteren Leuten, die Geld brauchen für einen Autokauf oder eine sonstige Anschaffung. Hier kann helfen, innerhalb der Familie Codes festzulegen, oder beispielsweise nach dem Namen des Haustiers zu fragen. Beim vermeintlichen Autokauf, wenn der Anrufer hierfür dringend Geld braucht, auch einfach mal nach Marke oder Farbe des alten Autos fragen, das ja angeblich kaputt ist.

Wie steht es mit Anrufen von falschen Polizeibeamten?
Anrufe durch vermeintliche Polizeibeamte, die über Straftaten, meist Einbrüche, in der Nachbarschaft und Listen berichten, auf denen die Namen der Angerufenen stehen, haben wir immer seltener. Allerdings registrieren wir immer noch Anrufe von falschen Bank-Mitarbeitern, die unter einem Vorwand an die Zugangsdaten fürs Online-Banking kommen wollen. Auch hier gilt: Ihre Bank würde nie am Telefon nach den Zugangsdaten fragen oder gar nach einer PIN. Die Banken sind übrigens auch sehr bemüht darum, auf Betrügereien hinzuweisen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Dennoch wird Ihnen die Arbeit nicht ausgehen ...
Leider nein, fürchte ich. Aber wir sind gut aufgestellt. Durch Umstrukturierungen bei der Kriminalpolizei wurde ein neues Kommissariat eingerichtet, die Zentrale Anzeigenbearbeitung. Dadurch wird die Bearbeitung der Fälle im Bereich der Vermögensdelikte effizienter.

Zur Sache

Im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz registrierte die Polizei im Jahr 2023 etwa 1200 Fälle von sogenanntem Callcenter-Betrug, also Anrufen, bei denen es Betrüger auf Geld und Wertgegenstände abgesehen hatten und versucht wurde, Menschen hereinzulegen. „In 132 Fällen hat das geklappt“, erklärt Matthias Wappner, der Leiter des Kommissariats Vermögensdelikte bei der Kriminaldirektion Kaiserslautern. Die Polizei registriere in den vergangenen Jahren zwar rückläufige Fallzahlen, allerdings steige die Höhe des Schadens, teilweise um mehr als 50 Prozent. 2023 etwa entstand durch Telefonbetrug ein Schaden von rund 1,1 Millionen Euro in der Westpfalz. „Das ist eine Menge Geld.“ Ende Oktober beispielsweise meldete die Polizei einen Fall aus Kaiserslautern, bei dem ein älterer Mann von Anlagebetrügern um einen sechsstelligen Betrag gebracht worden war.

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