Kaiserslautern Emotionale Direktheit kommt an

Marcel Adam kam, sah und siegte. Am Freitag eröffnete der bekannte Lothringer Liedermacher und Chansonnier gemeinsam mit seinem Sohn Yann Loup und drei Musikern die Ramsteiner Sommernächte. Von der Auswahl seiner Lieder und der Kleinkunst auf hohem Niveau waren 700 Gäste restlos begeistert.
Schwarzes Käppi mit farbigem Stirnband auf dem Denkerhaupt, ein strahlendes Lächeln im Gesicht und die Gitarre im Arm haltend wie eine Geliebte: Genauso ist Marcel Adam längst zu einem Markenzeichen geworden. Gebannt lauschen die Zuhörer seinen charmanten Moderationen und seinen teils lustigen, teils sozialkritischen, aber auch unter die Haut gehenden Liedern. „Die wilde Marie-Lou“ kündigt er an. „Eine starke Frau. Jeder bewundert ja starke Frauen, keiner aber will sie bei sich zu Hause haben“, bemerkt er mit ironischem Unterton. Zu jedem Lied hat er was zu erzählen. Wieder einmal zeigt sich der in Grosbliederstroff, direkt an der Grenze zum Saarland wohnhafte Lothringer als echtes Multitalent. Kein Wunder, dass seine Chansons und Balladen dreisprachig sind. Französisch, wie das wunderbare „Le Lac Majeur“, Deutsch, wie in der unter die Haut gehenden Version von Nenas „Wunder gescheh’n“, vor allem aber Lothringisch, der dem Pfälzischen sehr nah und von daher gut zu verstehen ist. Seine Alltagsphilosophie lässt er mal in fröhlichen Anekdoten, mal in bissigen Satiren los. Adams größtes Pfund aber ist seine unvergleichliche Stimme. Die ist von musikalischer Feinfühligkeit und emotionaler Direktheit, und vor allem damit erreicht er seine Fans. Immer wieder nimmt er sein Publikum interaktiv mit. So fordert er beispielsweise „die Crème de la Crème aus der Ramsteiner Schickeria“ auf, beim „Schnoogeloch“ kräftig mitzusingen. Wer könnte sich dem entziehen, wenn Adam dazu charmant lächelt? Mit einnehmender Stimme und emotionaler Direktheit kann auch Adams Filius Yann Loup Adam punkten. Sowohl mit seinem selbst geschriebenen „New York Country“ als auch mit John Denvers „Leaving on a jet plane“ weiß er die Leute zu begeistern. Und wie sein Vater weiß er mit der Gitarre virtuos umzugehen. Weit werden Herzen, wenn Vater und Sohn abwechselnd und gemeinsam singen, wie in „La Corrida“ oder „Liebe ist wie wildes Wasser“. Christian Fantauzzi am Akkordeon besticht durch fingerakrobatische Läufe und entwickelt dabei kammerjazzige Miniaturen. Da verwandelt sich „die Quetsch“ in Orgel, Mundharmonika oder Flöte und umkreist die Melodien mit rhythmisch abrupten Akkorden. Genauso verschmelzen Guido Allgaier und Christian Conrad auf ihren Gitarren mit Adams Liedern. Während Allgaiers Spezialität raffinierte Akkordverbindungen und Rhythmuswechsel waren, begeisterte Conrad mit gläsernem, aber warmem Sound und glasklaren Single Notes. Wie immer endete das Konzert mit Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“, und wieder einmal gelang es Marcel Adam, seine Zuhörer nachdenklich, aber glücklich nach Hause zu entlassen.