Kaiserslautern
Emma Rose und Lina Maly verzaubern Fans in der Kammgarn
Wenn dann noch reichlich musikalisches Können und eine expressive Stimme dazukommen, dann sind sowohl die tragende Basis als auch die imposante Umsetzung gleichermaßen vorhanden. All das war der Fall, als am Freitagabend im voll besetzten Kasino der Kaiserslauterer Kammgarn mit Emma Rose und Lina Maly gleich zwei versierte Singer/Songwriterinnen ein starkes Konzert gestalteten.
Dass man unter diesen Umständen noch nicht einmal eine komplette Vorband braucht, zeigte die junge Sängerin/Pianistin Emma Rose, die vor allem mit nachdenkenswerten Texten feministischer Ausrichtung ganz allein den ersten Teil des Abends prägte.
Schwere Kost, die zum Nachdenken anregt
Es sind nachdenklich machende Themen, die Rose aufgreift: übergriffige Männer, die Reduzierung von Frauen auf Äußerlichkeiten und männliche Zeitgenossen, die Frauen „klein“ machen und halten, um selbst größer zu wirken. Aber auch Lieder über das Single-Dasein und über starke Gefühle außerhalb von Partnerschaften („Heimweh“) präsentierte die Sängerin. Zwar in Sachen Bühnenpräsenz stellenweise noch ein wenig unsicher wirkend („Ich mach das hier noch nicht so lange“), lieferte die Künstlerin damit dennoch insgesamt einen guten und überzeugenden Auftritt ab. Von ihr wird man in Zukunft mit Sicherheit noch einiges hören.
So wurde denn der Boden bestens bereitet für die nachfolgende Lina Maly. Die Musikerin widmete sich in ihrem mehrschichtigen Programm ebenfalls Frauen-Themen. Aber sie ging noch etwas weiter. Da ging es dann (passend zum Konzert- und zum Valentinstag) nicht nur um zahlreiche schwierige wie auch um tiefe Liebesbeziehungen, sondern auch um (Selbst-) Zweifel und um Veränderung („Jeder weint“, am Schluss des Liedes vom Publikum innig mitgesungen). Es ging um brisante Themen wie Depressionen („Was du mir gibst“), um tiefgründige Gedanken zum Respekt vor alten Menschen, wie er etwa im Lied „Wo sind die Jahre hin“ zu spüren ist. Das war angenehm abwechslungsreich, das ging jedes Mal tief unter die Haut.
Wie die Songs entstehen
Oft erzählte Lina Maly an diesem Abend, an dem sie ohnehin und insbesondere mit ihrer Stimme überzeugte, Näheres über ihre Lieder und deren Entstehungsgeschichten, was dem Konzert noch zusätzlichen Gehalt gab und die Musikerin noch nahbarer, sympathischer erscheinen ließ. So mag sie es etwa nach eigener Aussage, sich in ausgiebigen Unterhaltungen mit der Weisheit und den Erfahrungen älterer Menschen zu beschäftigen. Dadurch entstand denn auch der zuletzt erwähnte Titel durch die inspirierenden Begegnungen mit einer realen Seniorin, die Lina Maly einst in schwieriger Zeit mit Rat und Tat zur Seite stand.
Die Profis an Lina Malys Seite
Apropos Unterstützung: Maly kam im Rahmen ihrer aktuellen Tournee freilich nicht allein in die Kammgarn. Mit dabei waren als fähige Begleitung die Sängerin/Gitarristin Sophia Wahnschaffe und der Klangzauberer an diversen Blasinstrumenten, Damian Dalla Torre - beides ausgebildete Berufsmusiker, denen man ihre Erfahrungen und ihre Professionalität in jedem Titel anmerkte. In der Interaktion mit Lina Maly entstand so eine in sich ruhende, hochkarätige, wirkungsvolle musikalische Gesamtheit.
Die war dann erst Recht zu spüren in jener Episode des Konzerts, als auch Emma Rose noch einmal auf die Bühne trat, um das kleine Ensemble kurzfristig zum Quartett zu erweitern. Nicht nur dafür gab es in dieser langen Konzertnacht, die statt mit überflüssigen Äußerlichkeiten mit konzentrierten Persönlichkeiten und ihren Fähigkeiten überzeugte, ermunternde Zwischenrufe aus dem Publikum und lang anhaltenden, tosenden Applaus.