Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Einzelhändler Haas setzt Hilferuf ab

Mit gelben Plakaten, die sie auch an andere Geschäfte in der Innenstadt verteilt haben, weisen Randi und Thomas Haas auf die äuß
Mit gelben Plakaten, die sie auch an andere Geschäfte in der Innenstadt verteilt haben, weisen Randi und Thomas Haas auf die äußerst schwierige Lage vieler Einzelhändler in der City hin.

Thomas und Randi Haas, Inhaber der Boutiquen Extra und Mio in der Schneiderstraße, haben eine Protestaktion unter dem Motto „Wir machen auf...merksam“ gestartet. Sie wollen damit auf die Misere vor allem der Modehändler hinweisen. Warum das Paar befürchtet, dass die Branche nicht mehr lange durchhält.

Thomas Haas ist ein Urgestein in der Kaiserslauterer Geschäftswelt. Seit 30 Jahren betreibt er die Männerboutique Extra, Ehefrau Randi ist mit Mio, einem Laden für exklusive Frauenmode, seit 20 Jahren am Start. Was das Paar durchlebt, war so noch nie da. Die Wintermode stapelt sich in den Regalen, ab Februar wird die Sommerware eintreffen, die vor sechs Monaten bestellt wurde. Nur: Die Kundschaft fehlt. „Mit dem Lockdown vom 16. Dezember bis 31. Januar fehlen uns die Umsätze und der Absatz von den sechs stärksten Wochen des Jahres“, klagt Haas. Ein Lockdown über den Januar hinaus werde für einen Großteil der Branche den Exitus bedeuten, ist er überzeugt. Darauf will er aufmerksam machen. Der Warenbestand fresse Tag für Tag ein größeres Loch in die Reserven der Einzelhändler.

Bislang keine staatliche Hilfe

65 Prozent des stationären Einzelhandels sind laut Haas von der Schließung betroffen. Viele Geschäfte in der Innenstadt sind schon zu, so Haas. Er verweist auf das Aus von Depot, Bonita, Dielmann. Es sei zu befürchten, dass mindestens ein Drittel der Läden die Krise nicht überlebt. Vor allem deshalb nicht, weil es keine staatlichen Hilfen gibt. „Die einzige Zuwendung, die uns erreichte, waren 9000 Euro Soforthilfe im April. Seitdem kam Null an, nichts.“ Rückzahlbare Darlehen durch die Hausbanken verlagerten das Problem nur.

Randi Haas ist weiterhin täglich im Laden und permanent mobil zu erreichen. Sie versendet Ware, stellt Stammkunden eine Auswahl an Kleidungsstücken zusammen, die sie an der Tür abholen und zu Hause anprobieren können. Das sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Damit machen wir zwei Prozent des normalen Umsatzes.“ Ein Online-Shop sei keine Alternative. „Der inhabergeführte Einzelhandel lebt von der Beratung.“ Was die beiden nicht nachvollziehen können, ist die Ungleichbehandlung. Discounter und Vollsortimenter dürften alles verkaufen, Töpfe, Bettdecken, Textilien. Während in der Innenstadt Totenstille herrsche, seien die Märkte auf der grünen Wiese im Ausnahmezustand und die Parkplätze voll.

Gleichstellung mit der Gastronomie gefordert

Haas betont, es gehe ihm um die Stadt. „Wir stehen das durch, wir haben noch andere Standbeine, wir sind lange am Markt.“ Ihm gehe es um das Gros der Branche, die unverschuldet in diese Situation geraten ist. „Es scheint der Eindruck der Politik zu sein, dass alle 100.000 Euro Guthaben auf dem Konto haben und damit locker vier bis acht Wochen die Mieten, die Löhne und andere Fixkosten weiterzahlen können. Was denkt sich die Bundesregierung, wie die Händler das stemmen sollen, wenn auf der anderen Seite nichts reinkommt“, fragt Haas. Selbst das Kurzarbeitergeld für die in seinem Fall zehn Mitarbeiterinnen müsse vorgestreckt werden.

Es müsse eine Gleichstellung mit der Gastronomie erfolgen, fordert Haas. „Der Gastronomie soll 75 Prozent des Vergleichsumsatzes aus dem Vorjahr erstattet werden, aber die kaufen seit November keine Schnitzel mehr ein“, erläutert Randi Haas. Der Handel hingegen könne bestellte Waren nicht stornieren. Die Geschäftsfrau könnte sich vorstellen, für Kunden Termine zu machen und sie dann einzeln im 600 Quadratmeter großen Laden zu bedienen. Das sei aber nicht erlaubt, obwohl sich in Drogeriemärkten 50 Kunden auf 200 Quadratmeter tummelten. „Das ist das Problem, dass gar nicht differenziert wird“, sagt sie. Der Handel brauche dringend einen finanziellen Ausgleich. Sonst verödeten die Innenstädte.

„Für den Handel ist es fünf vor Zwölf“

Petra Prottung, Inhaberin einer Boutique in der Marktstraße, teilt diese Befürchtung. „Wir brauchen dringend Hilfe. Für den Handel ist es fünf vor Zwölf.“ Den Einzelhändlern fehle jegliche Unterstützung. Wenn die nicht bald komme, könnten viele nach dem Lockdown ihre Läden nicht mehr aufschließen, weil ihnen die Liquidität fehle. „Wir konnten ja nicht mal die reduzierte Winterware abverkaufen, mit was sollen wir dann die Waren für den Sommer bezahlen.“ Ganz viele Kollegen stehen Prottung zufolge mit dem Rücken zur Wand, weil die Kosten bleiben, aber nichts in die Kassen kommt.

Viele Kollegen haben sich laut Haas unter dem Hashtag #handelstehtzusammen verbunden. Dem sollten sich auch Bürger anschließen. Der Aufschrei müsse laut sein.

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