Kaiserslautern Einzelgänger mit klarem Blick

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Der US-Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly ging stets seinen eigenen Weg. Er galt als einer der Hauptvertreter des sogenannten Hard Edge: Er schuf abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen kräftigen, unvermischten Farben. Jetzt ist der New Yorker im Alter von 92 Jahren gestorben.

Als die „New York Times“ Ellsworth Kelly 1996 nach seinen Erinnerungen an das Nachkriegs-Paris befragte, wo er auf Joan Miró, Alexander Calder, Hans Arp getroffen war, gab der damals 73-Jährige eine erstaunliche Antwort: „Paris war rauh. Paris war still. Ich war alleine dort und fremd, ich sprach kaum Französisch. Es war himmlisch.“ Einsamkeit und Tristesse sind nicht eben die Dinge, die man gemeinhin mit Paris verbindet. Dass Kelly diese Qualitäten in Paris fand und genoss, sagt indes viel über den US-Künstler aus, der als einer der wichtigsten seiner Generation gilt. Ellsworth Kelly, Sohn eines Versicherungskaufmanns, war ein Einzelgänger. Ihn kümmerte wenig, was seine Kollegen taten oder was sein Platz in Kunstgeschichte ist. Seine Farb- und Formenwelt folgte alleine seinen eigenen Impulsen und Ideen. Am wohlsten fühlte sich Kelly, wenn er ungestört in den Dialog mit der Welt und mit seiner Wahrnehmung von ihr treten konnte. So zog es Kelly genau zu der Zeit nach Paris, als in der New Yorker Kunstwelt eine Revolution stattfand. Die Avantgarde um Künstler wie Jackson Pollack oder Robert Motherwell rebellierte gegen die Gegenständlichkeit und löste mit dem Abstrakten Expressionismus Europa als das Zentrum der Kunst ab. Kelly hingegen zog es in die entgegengesetzte Richtung. Als Soldat im Zweiten Weltkrieg hatte er Paris kennengelernt, jetzt kehrte er als Stipendiat der US-Regierung zurück. Fast sieben Jahre verbrachte er in Paris,. Jahre, die sein Schaffen zutiefst prägen sollten. Kelly studierte Picasso und Matisse, aber er studierte auch romanische und gothische Kathedralen. Vor allem jedoch wanderte er durch Paris und sog die Stadt in sich auf: „Ich merkte, dass ich keine Bilder komponieren wollte, sondern sie finden.“ Kelly nahm die Idee des Ready Made jedoch nicht bloß wörtlich, obwohl er später auch Reliefs mit aufgefundenen Zigarettenschachteln produzierte. Stattdessen weitete er den Gedanken des Vorgefundenen auf die Wahrnehmung aus. Ihn faszinierten die Farben und Formen, die er etwa auf der Oberfläche der Seine oder an Häuserwänden sah. Daraus entstanden frühe Werke wie „Seine“ oder „Spektrum-Farben, per Zufall arrangiert“. Der Beschäftigung mit reinen Farben und Formen, rein formal angeordnet blieb Kelly auf eine beinahe sture Art seine gesamte Laufbahn über treu. Noch kurz vor seinem Tod kreierte er monochrome Reliefs mit geometrischen Formen. „Der Raum, der mich interessiert, ist nicht die Leinwand, sondern der Raum zwischen Dir und dem Bild“, sagte er einmal über seine Arbeit. Mit dem Abstrakten Expressionismus, der gerade en vogue war, als er 1954 nach New York zurückkehrte, konnte Kelly nur wenig anfangen. Der Kult der Persönlichkeit und der Subjektivität, die damit einher gingen, waren ihm fremd. Ebenso fremd wie später die Pop Art, in der er eine ähnliche Überhöhung des Künstlers sah. So blieb Kelly lange Außenseiter in der New Yorker Szene. Er arbeitete still und unbeachtet in seinem Studio am alten Hafen vor sich hin, das er sich mit Agnes Martin teilte. Größeren Erfolg hatte Kelly in Europa, wo er erstmals 1968 auf der Kasseler Documenta und auf der Biennale in Venedig gezeigt wurde. Der Erfolg zu Hause kam mit dem Erfolg des Minimalismus, einer Kunstrichtung, die Kelly bis zu einem gewissen Grad vorweggenommen hatte. Plötzlich ergaben seine Ideen der Serialität sowie der Selbst-Zurücknahme des Künstlers Sinn. So erhielt Kelly 1973 seine erste Werkschau am Museum of Modern Art. 1982 wurde er mit einer Skulpturen-Schau im Whitney Museum bedacht. Dennoch blieb Ellsworth Kelly ein Außenseiter und Eigenbrötler. Schon 1970 zog er gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, dem Fotografen Jack Shear, aufs Land, wo er abgeschieden und unbeeindruckt vom New Yorker Kunstbetrieb arbeitete. Im Jahr 2000 erhielt er schließlich den Praemium Imperiale, eine der weltweit wichtigsten Kunst-Auszeichnungen.

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