Kaiserslautern
Einst Buchhandels-Imperium gegründet: Reinhold Gondrom feiert am Mittwoch 70. Geburtstag
Der gemütlich wirkende, stets erlesen gekleidete Herr mit der runden Brille ist Gründer eines weitverzweigten Buchhandelsunternehmens – und ein echter Self-made-Man. Der gebürtige Bayreuther absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Druckingenieur, ehe er sich der elterlichen Tradition des Buchhandels zuwandte.
In Lautern Grundstein zu Firmenimperium gelegt
Dem Vertrieb von Druckwerken widmete er sich anschließend unter anderem in Stuttgart, München, Bonn und der ehrwürdigen Geistesmetropole Oxford. 1975 kam er nach Kaiserslautern, wo er den Grundstein zu einem kontinuierlich wachsenden Firmenimperium legte, das bald unter den zehn größten Buchhandelsunternehmen im gesamten deutschen Sprachraum rangierte. Als er den Betrieb im Jahr 2005 verkaufte, waren in 30 Läden rund 500 Mitarbeiter für ihn tätig.
Die Unternehmensphilosophie und der Führungsstil des Reinhold Gondrom passen so gar nicht zum Klischee eines profitfixierten Kapitalismus-Jongleurs. Seine Idee, dass nicht die Leitungsebene, sondern die Zufriedenheit von Belegschaft und Kunden den Erfolg bringt, hat ihn zum begehrten Vortragsredner gemacht. „Kunden, Mitarbeiter und Kapital müssen gleich stark sein“, lautet seine Auffassung von Qualitätsmanagement. Und ein anderes: „Es müssen alle ein gemeinsames Ziel haben.“
Faible auch für Lokalkolorit und Mundart
Der Buchverkäufer Reinhold Gondrom wollte die Elfenbeintürme eines elitären Bildungsbürgertums einreißen. Der Verleger setzte auf eine standortbezogene Ausrichtung, brachte Werke mit Lokalkolorit heraus, druckte historische Regionalliteratur nach. Er förderte die Mundart, etablierte Autorenlesungen, stiftete einen Preis für Theaterstücke auf Pfälzisch.
In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde außerdem ein Nachbarschaftspreis verliehen. „Aber die Verwaltung ist nicht sehr bürgerfreundlich“, sagt er. Als er 2019 einen Pavillon für den neu konzipierten Schillerplatz stiften wollte, wollte die Stadt davon nichts wissen.
Der Seemann feiert auf dem Rhein
Seit seinem Rückzug ins Privatleben frönt der zweifache Vater vor allem seiner Reiselust. Erst im vorigen Januar ist er mit seiner zweiten Frau Jutta aus China zurückgekehrt, dann kamen die Coronabeschränkungen.
So mag er sich vor der Hand seinen vielfältigen Hobbys widmen, etwa dem Sammeln von Buddelschiffen und Kaleidoskopen. Seinen heutigen Ehrentag verbringt der leidenschaftliche Boots- und Seemann nicht in Kaiserslautern, sondern an Bord. Allerdings feiert er nicht auf der Lauter, sondern auf dem Rhein.