Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Einrichtungen im medizinischen Bereich zögerlich beim Impfpflicht

In der Pflege ist enger Kontakt unvermeidlich. Damit steigt eine Infektionsgefahr.
In der Pflege ist enger Kontakt unvermeidlich. Damit steigt eine Infektionsgefahr.

Bei steigenden Inzidenzen und sinkender Impfbereitschaft nimmt die Diskussion um eine Impflicht Fahrt auf. Länder wie Frankreich und Italien verpflichten das Personal im Gesundheitswesen zur Immunisierung. In Kaiserslautern ist man in den Einrichtungen vorsichtiger – teils schon mit einer Meinung dazu.

Bewohner wie Personal in Alten- und Pflegeheimen hatten als allererste die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Die Impfquoten waren recht unterschiedlich; nicht überall nahmen die Mitarbeiter das Angebot an, trotz des Umgangs mit vulnerablen Gruppen.

Im DRK-Seniorenzentrum ist man jedoch gut aufgestellt. „Wir haben eine Impfquote von fast 100 Prozent“, freut sich Heimleiterin Gabriele Huber. „Es fehlen nur die wenigen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.“ Mit einer Impfpflicht ist sie jedoch „vorsichtig“: „Im Gesundheitsbereich hat man eine besondere Verantwortung“, macht sie dieses Bewusstsein an der hohen Impfquote im Haus fest. Derzeit wünsche man sich schon eine Auffrischimpfung und teste auch wieder flächendeckend im Haus. „Bei den Tests haben wir schon Coronafälle gefunden!“

„Information und Vorbildfunktion“

Auch Heidemarie Sauerbaum, Pflegedienstleiterin im Heim Kessler-Handorn, würde eine Impfpflicht „erst noch in Frage stellen“. Sie gibt jedoch zu: Läge die Impfquote unter 50 Prozent, würde man das Thema neu überdenken wollen. Derzeit setzt man eher auf „Information und Motivation“ sowie Vorbildfunktion – „alle Leitungskräfte sind geimpft“ –, und weise junge Mütter beispielsweise darauf hin, dass sie auch ihre Kinder schützen. „Mit steigender Inzidenz und Nachteilen für Ungeimpfte wird der Druck von außen größer“, auch der soziale Druck durch den geimpften Bekanntenkreis, ist sie sicher.

„Kein so gutes Gefühl“ bei einer Impfpflicht hat Elke Bäcker, Heimleiterin des Zoar-Alten- und Pflegeheims Bürgerhospital. „Jeder ist selbst für sich verantwortlich und sollte selbst entscheiden.“ Die Bereitschaft und Einsicht im Haus beim Thema Impfen spiele ihr allerdings in die Karten, gibt sie zu: „Fast 100 Prozent der Bewohner und über 90 Prozent des Personals sind geimpft; wären es nicht so viele, könnte ich meine Meinung vielleicht ändern; das ist situationsbedingt.“

Etliche Einrichtungsleiter tun sich bei dem Thema schwer. Der Caritasverband für die Diözese Speyer beispielsweise schiebt nach einer bereits telefonisch geäußerten Meinung schriftlich hinterher, dass man sich „nicht zu dem Thema Impfpflicht äußern“ wolle. Der Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, Peter Förster, teilt kurz und knapp mit: „Zur Impfpflicht ist der Gesetzgeber zu befragen.“

„Für Impfpflicht, unabhängig vom Beruf“

Klare Stellung hingegen bezieht Nadja Bier, Regionalleiterin der Zoar-Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. „Ich persönlich wäre für eine Impfpflicht“, denn sie könne nicht nachvollziehen, dass man sich nicht impfen lasse, und zwar „unabhängig vom Beruf“. Deshalb würde sie auch eine allgemeine Impfpflicht begrüßen. Das sage sie auch jedem, „aber ich respektiere andere Haltungen“, schiebt sie erläuternd hinterher. „Niemand erfährt hier Restriktionen!“ Sie würde auch keine Impfpflicht allein im Haus durchsetzen wollen. Das sei nicht nur „arbeitsrechtlich schwierig“, sondern „würde wohl zu Unmut führen“. Sie möchte sich nicht über eine Gesetzgebung hinwegsetzen. „Es ist etwas anderes, ob eine Regierung dies vorgibt oder wir als Unternehmen.“

Auch Thomas Barz, Geschäftsführer der Senium Seniorenhilfe GmbH, würde eine Impfpflicht in medizinischen Berufen persönlich durchaus begrüßen und verweist auf die Masernimpfpflicht, die seit März 2020 bereits in diesem Bereich in Deutschland gilt. Doch im Gegensatz dazu haben die Corona-Impfstoffe eine kurze Erprobungszeit und teils schlechte Presse vor allem wegen Nebenwirkungen. „Inwieweit eine Impfpflicht für diesen Personenkreis eine Verletzung der Grundrechte darstellt und ob die Gesundheit der Bevölkerung einen höheren Stellenwert einnimmt, müsste erst höchstrichterlich und aus ethischen Gesichtspunkten geklärt werden.“

Auf die Masernimpfpflicht hat das Pfalzklinikum gerade Mitarbeiter hingewiesen. Für Covid-19 lehnt die Geschäftsführung eine solche jedoch ab und „hält diese für nicht zielführend“, informiert Sprecherin Melanie Minges. Man setzt auf Aufklärung und Freiwilligkeit: Das Personal sei „über die Impfmaßnahmen umfangreich informiert und aufgeklärt worden, in der Gemeindepsychiatrie waren zudem mobile Impfteams im Einsatz“. Die Impfquote im Personal schätzt das Klinikum interne Erhebungen zufolge zwischen 80 und 90 Prozent.

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