Kaiserslautern
„Einen Jan-Eric für einen Daniel“
Wenn im Oktober auf dem Marktplatz in Ramstein der Verkauf eines neuen Stickeralbums startet, ist das für sich genommen noch keine spektakuläre Angelegenheit. Und doch ist in den Reihen des FV Olympia Ramstein schon so etwas wie Vorfreude auf diesen Termin zu spüren. Denn statt Ronaldo und Messi werden in den Stickertüten die Bilder von Jan-Eric aus der D-Jugend und Daniel aus der A-Jugend versteckt sein. Das erste Foto-Shooting für die rund 180 Jugendspieler des Vereins fand nun bei einem Grillfest statt.
Auch wenn die Zeiten, in denen Sammeln das Überleben in Urzeiten sicherte, lange vorbei sind, spielt die Lust am Jagen, Entdecken und Besitzen auch heute noch eine große Rolle. Das macht sich seit Jahren ein italienischer Verlag zunutze, der vor jeder Bundesliga-Saison, Europa- und Weltmeisterschaft die Sammelleidenschaft bei Fußballfans neu entfacht. Auf diesen Zug aufgesprungen ist vor einigen Jahren ein junges Berliner Medienunternehmen namens Stickerstars, das für Vereine wie den SC Freiburg, den FC Homburg oder den FK Pirmasens ganz individuell gestaltete Stickeralben produziert. Und jetzt auch für den FV Olympia Ramstein.
350 verschiedene Sticker wird es am Ende geben, neben Jan-Eric und Daniel finden sich darunter auch die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter und die aktiven Spieler. Sogar die Abteilungen Lauf- und Ausdauersport sowie Boxen werden sich in dem Album wiederfinden. Für Gesamt-Jugendleiter Ralf Hechler ein schlüssiges Konzept: „Man kann sich so auch ein bisschen besser kennenlernen, wenn man weiß, wer noch alles im Verein aktiv ist.“ Niemand im 540 Mitglieder zählenden Verein soll vergessen werden, angefangen vom Thekendienst über den Zeugwart bis hin zum Stadionsprecher. Ergänzt werden die Portraitbilder mit aktuellen und historischen Informationen über den Verein.
Mit dem Fototermin hat der Verein gleich eine weitere wichtige Aufgabe erledigt: Da es ab der neuen Saison keine Spielerpässe mehr geben wird, können die Fotos auch für die dann gültigen Spielberechtigungslisten genutzt werden. Da der Verlag keinen eigenen Fotografen abstellen musste – die Bilder schossen Stefan Denzer und Benjamin Hüge – , erhält der Verein eine Gutschrift. Auch sonst entstehen dem FV Olympia keinerlei Kosten für das Projekt. „Das wird alles über die Sticker finanziert, die später gekauft werden“, erklärt Jugend-Koordinator Alfred Habelitz. Und er verrät: „Die Verkaufsstelle, das E-Center Jahke, ermöglicht das Projekt durch seine finanzielle Unterstützung.“
Im Gespräch mit den Jugendlichen wird schnell deutlich, dass fast jeder schon einmal Sticker von Fußballern gesammelt hat. Yasin aus der D-Jugend hat es sogar geschafft, ein Bundesliga-Album komplett zu bekommen. Natürlich sei auch ein bisschen Taschengeld dafür draufgegangen, aber Mutti und Oma hätten fleißig mitgeholfen. Getauscht hat er später in der Schule. Ohnehin scheint diese Strategie gängige Praxis zu sein: Da die Eltern ohnehin den Einkauf erledigen, können sie auch gleich ein paar Stickertüten mitbringen.
Ab 12. Oktober gibt es die Sticker im Handel
Da unterscheiden sich die D-Jugendspieler nicht von ihren älteren Kollegen aus der A-Jugend: Arian will aber zum Verkaufsstart selbst ein paar Euro investieren, weil er das Ganze „saugut und lustig“ findet. Ehrgeiz beim Sammeln hat auch Mannschaftskollege Daniel immer wieder bei EM- und WM-Alben an den Tag gelegt: „Das hat schon eine gewisse Faszination.“ Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob in Zeiten sozialer Netzwerke ein altmodisches Stickeralbum auch die Partnerbörse in Ramstein beleben könnte, antwortet Daniel ausweichend: „Es wäre doch schön, wenn das Interesse am Verein dadurch größer wird und zu unseren Spielen ein paar Zuschauer mehr kommen.“
Der nächste Fototermin ist im August geplant, Verkaufsstart soll am 12. Oktober sein. Noch ist unklar, ob die Alben unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. Die Stickerpacks kosten 80 Cent. Doch der eigentliche Spaß beginnt erst danach, wenn nach dem Sammeln und Kleben das Tauschen angesagt ist und es auf dem Schulhof heißt: Einen Jan-Eric für einen Daniel. So lange, bis auch das 350. Foto eingeklebt ist.