Kaiserslautern „Eine Oase“
Wie Vogelschutz im Herzen Kaiserslauterns funktioniert, davon machten sich gestern rund 40 RHEINPFALZ-Leser ein Bild. Der Verein für Vogelschutz und Vogelpflege Kaiserslautern öffnete für die fünfte Sommertour „Mit der RHEINPFALZ unterwegs“ gestern Vormittag die Pforten zum etwa 14 Hektar großen Vogelschutzgebiet auf dem Kaiserberg, einem Tierparadies inmitten der Stadt.
Rund 130 Vogelarten, dazu Molche, Frösche und Kröten, aber auch die Fischarten Stichlinge und Moderlieschen und nicht zu vergessen auch die Füchse: Der Kaiserberg bietet eine große Artenvielfalt, wie Gerhard Konrad, der Vorsitzende des Vereins für Vogelschutz und Vogelpflege den RHEINPFALZ-Lesern erklärte. „Hier oben ist eine Oase“, sagte Konrad. Zusammen mit seinem Stellvertreter Karl-Hugo Aulenbacher führte er die Besucher in zwei Gruppen übers Gelände. Seit 1958 ist der Verein heimisch auf dem Kaiserberg, berichtete Konrad bei der Begrüßung nahe der Georg-Schäfer-Hütte, die der Verein zu Ehren seines einstigen Vorsitzenden so benannt hat. Der Verein selbst ist noch 30 Jahre älter, blickt im kommenden Jahr seinem 90. Geburtstag entgegen. Ursprünglich gehörten dem Verein viele Arbeiter von Pfaff und der Kammgarn an, heute zählt er 80 Mitglieder, von denen laut Konrad rund ein Dutzend noch aktiv sind. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, warb Konrad. Beim Rundgang übers Gelände durchstreiften die beiden Gruppen nur den südlichen Teil, den die einstigen Besitzer, die Familie Kröckel, als Park anlegen ließen. An den Park erinnern nur noch die angelegten Wege, die Vegetation wird vom Verein in Ruhe gelassen. „Das hier ist ein Naturdenkmal, wir dürfen hier nicht mal einen Baum fällen“, sagte Konrad. Wenn einer Bäume fällt auf dem Gelände, dann ist das unter Umständen ein Schwarzspecht, wie Konrad zu berichten wusste. Ein Exemplar der größten Spechtart habe einmal binnen kurzer Zeit eine Lärche zu Fall gebracht – nur mit seinem Schnabel. Da der Baumbestand nicht bewirtschaftet werde, befinde sich im Wald neben vielen alten und mächtigen Bäumen auch sehr viel Totholz und damit ideale Bedingungen für die meisten Spechtarten. So finden sich alle drei Buntspechtarten auf dem Kaiserberg, erklärte Konrad, aber auch Kleiber und Baumläufer. Rund 250 Nistkästen befinden sich auf dem Gelände, fein säuberlich durchnummeriert. Hat ein Kasten keine Nummer, so wohnen darin wohl auch keine Vögel. Der Verein hat aber auch Wohnstätten für Fledermäuse aufgehängt, die erst auf den zweiten Blick für den Laien als solche zu erkennen sind. Ein großes Thema bei den Lesern ist die Fütterung. Wie lange sollen die Vögel gefüttert werden? Eine „leichte Durchfütterung“ nannte Konrad als Kompromiss. „Was am besten ist, darüber streiten sich die Experten“, sagte der Vorsitzende. Der Verein selbst gibt laut Konrad rund 1000 Euro aus für das Winterfutter der Tiere. Das Vogelschutzgebiet auf dem Kaiserberg ist jeden letzten Sonntag im Monat (13 bis 18 Uhr) offen für alle Besucher – außer im Dezember.