Kaiserslautern Eine imposante Diebstahlserie

Mit rund dreistündiger Verspätung, verursacht durch eine anonyme Bombendrohung gegen das Justizzentrum am Hauptbahnhof, begann gestern vor dem Schöffengericht die Strafverhandlung gegen einen 41-jährigen Mann mit Wohnsitz in Kaiserslautern. Ihm wirft die Anklage gleich zwei ausgedehnte Diebstahl-Serien quer durch den regionalen Einzelhandel vor.
Seit Februar 2016 lebt der gebürtige Georgier als Asylbewerber in Kaiserslautern. Über seinen Antrag auf ein Bleiberecht ist bis heute nicht entschieden. Aber mit der deutschen Justiz machte der 41-Jährige in den knapp anderthalb Jahren bereits ausführliche Erfahrungen: Allein zwischen März und September 2016 nahm ihn die Polizei insgesamt elf Mal nach Diebstählen aus Geschäften in der Lauterer Innenstadt fest. Und von Dezember 2016 bis Mitte Januar dieses Jahres folgten nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch einmal ein halbes Dutzend weiterer Diebstähle, teilweise mit einem Messer bewaffnet. Damit nicht genug. Die Zeitspanne zwischen den beiden Diebstahl-Serien in Kaiserslautern verbrachte der Angeklagte nämlich größtenteils im Gefängnis, verursacht durch ein Urteil des Amtsgerichts Trier. Auch dort wies ihm die Justiz mehrere Diebstähle im lokalen Einzelhandel nach, allerdings musste er die dortige Haftstrafe nicht komplett absitzen. Dafür sitzt er seit Ende Januar wieder in Pfälzer Untersuchungshaft. Seine Verteidigerin macht für ihren Mandanten geltend, dass er unter psychischen Problemen und einer langjährigen Drogensucht leide. Ein Gutachter, vom Amtsgericht bestellt, bestätigt zumindest das Drogenproblem. Der Angeklagte selbst äußert sich vor Gericht mit keinem Wort. Außer der georgischen Sprache ist er lediglich des Englischen mächtig, und das offenbar auch nur in Bruchstücken. Jedes Wort in der Verhandlung lässt er sich von einem Dolmetscher übertragen, aber die Antworten auf die Fragen des Richters überlässt er seiner Verteidigerin. Und die hat durchaus Routine in der Vertretung von osteuropäischen Mandanten. Es ist nicht der erste Georgier, den die Anwältin vor Kaiserslauterer Gerichten vertritt. Und wenn ihr etwas unklar ist, diskutiert sie auf russisch mit ihrem Schützling weiter. An diesem Tag sieht es zunächst auch ganz danach aus, als könnte die Verteidigerin einiges für ihren Mandanten tun: Unmittelbar nach Verlesung der Anklage und noch bevor das Gericht den ersten Zeugen aufruft, bahnt sich die Möglichkeit eines einvernehmlich erzielten Urteils an. Der Staatsanwalt lässt jedenfalls durchblicken, dass er mit einer Gesamtstrafe von drei Jahren für die imposante Serie von Diebstählen durchaus leben könne – ohne Bewährung, dafür aber mit Aussicht auf eine Drogentherapie für den Angeklagten. Auch der Amtsrichter lässt erkennen, dass nach Vorberatung mit seinen Schöffen „ein Strafmaß zwischen zwei Jahren und neun Monaten und drei Jahren und zwei Monaten“ durchaus denkbar sei. Doch die Verteidigerin mag diese Chance nicht ergreifen. „Bei einem Strafmaß in dieser Höhe muss mein Mandant erst bis zu einem Jahr in Haft verbringen, bevor er mit der Therapie beginnen kann“, moniert die Anwältin. „Eine so lange Zeit hält mein Mandant nach seinen Angaben nicht unbeschadet durch.“ So bleibt dem Gericht nichts anderes übrig, als einen weiteren Verhandlungstag anzusetzen. Denn den zahlreichen Zeugen, die inzwischen bereits seit Stunden auf ihre Aussage warten, ist eine weitere Verzögerung nicht mehr zuzumuten. Der Prozess wird am 2. Juni um 9 Uhr fortgesetzt.