Kaiserslautern Eine Ära geht zu Ende

Verändertes Kundenverhalten, das bedeutet zurückgehende Frequenz und zunehmende Digitalisierung, sowie wirtschaftliche Überlegungen haben die Kreissparkasse Kaiserslautern und die Stadtsparkasse Kaiserslautern dazu veranlasst, die doppelte Präsenz in den Kaiserslauterer Stadtteilen zum Jahresende aufzugeben.
Auslöser der doppelten Präsenz war die Gebietsreform 1969. Selbstständige, im Kreis gelegene Orte wurden 1969 in die Stadt Kaiserslautern eingemeindet. Mit den Orten kamen auch die Filialen der Kreissparkasse in die Stadt. Zwischen dem Kreis und der Stadt entwickelte sich fortan ein langer Streit über die Übertragung der Kreissparkassenfilialen auf die Stadtsparkasse und die Entschädigung dafür. Der Streit ging bis zum Oberverwaltungsgericht. Ende der 1980er Jahre urteilte das Gericht, dass die Filialen der Kreissparkasse gegen eine Entschädigung von damals 28 Millionen Mark an die Stadtsparkasse übertragen werden sollen. Das Urteil wurde allerdings nie vollzogen. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre waren als Kontrapunkt in den eingemeindeten Orten Filialen der Stadtsparkasse entstanden, zuletzt in Mölschbach. Wie wird diese, politisch immer gerne als Gemengelage bezeichnete Situation jetzt aufgelöst? Die Stadtsparkasse schließt ihre Filialen in Morlautern, Erfenbach und Hohenecken; sie behält ihre Zweigstellen in Erlenbach, Siegelbach, Dansenberg und ihre SB-Filiale in Mölschbach. Die Kreissparkasse schließt die bisher personenbesetzten Filialen in Erlenbach und Siegelbach und wandelt diese in SB-Filialen um. Sie gibt ihre mobilen Zweigstellen in Dansenberg und Mölschbach auf. Mölschbach fährt sie noch so lange an, bis die nach der Explosion und dem Raub wiederhergestellte SB-Filiale der Stadtsparkasse funktionstüchtig ist. Was bedeutet die Beseitigung der Doppelstruktur in den Stadtteilen für die Kunden? Für einen Teil der Kunden bedeutet es in jedem Stadtteil eine Umgewöhnung. Auf die gewohnten Dienste der Sparkasse brauchen sie indes nicht zu verzichten. In jedem Stadtteil verbleibt eine Sparkasse. Kreissparkasse und Stadtsparkasse haben verabredet, wechselseitig die Kunden mit Bargeld- und Dienstleistungen der Sparkasse zu versorgen. Kunden der Kreissparkasse können die Stadtsparkasse nutzen und umgekehrt. Beide Geldhäuser haben vereinbart, nicht aktiv Kunden des anderen Geldinstituts abzuwerben oder zu beraten. Wie werden die Öffnungszeiten in den Filialen gestaltet? Die Kreissparkasse behält in ihren Filialen ihre ganztägigen Öffnungszeiten weiterhin bei. Die Stadtsparkasse weitet in ihren verbleibenden Filialen ihre Öffnungszeiten aus. Sie nutzt dazu freiwerdendes Personal aus den anderen Filialen. Was bringt den Geldhäusern die Auflösung der Filialen finanziell? Die Kreissparkasse geht davon aus, dass sich die Einsparungen im Rahmen halten. Die Stadtsparkasse geht von geringeren Sachkosten aus. Das Sparkassengebäude in Erfenbach ist bereits verkauft; die Immobilien in Morlautern und Hohenecken sind gemietet. Wann werden weitere Filialen der Stadtsparkasse in der Kernstadt geschlossen? Die Filiale in der Schneiderstraße mit ihren über 4000 Kunden schließt zum Jahresende. Die Kundenströme sollen sich Richtung Hauptstelle am Stiftsplatz und Zweigstelle am Pfaffplatz verlagern. Die Filialen in der Rousseaustraße und in der Pfaffenbergstraße sollen spätestens zum 30. Juni geschlossen werden. Was bedeutet die Beseitigung der doppelten Filialen in den Stadtteilen sparkassenpolitisch? Historisch bedeutet die Abschaffung der Doppel-Präsenz in den Stadtteilen das Ende einer 50-jährigen Ära und eines jahrzehntelangen schwelenden Konflikts. Politisch bedeutet sie eine Annäherung von Kreissparkasse und Stadtsparkasse, die eine Zeitlang als starke Konkurrenten auf dem Markt gegeneinander antraten und sich, wo es ging, beharkten. Strategisch kann die Kooperation den Weg ebnen zu einer Fusion der beiden Geldhäuser in Zukunft, nachdem sich die Kreissparkasse Kusel aus den Sondierungsgesprächen über eine zeitgleiche Dreier-Fusion verabschiedet hat.