Kaiserslautern Ein wilder Haufen Besessener

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Für die heidnischen Werwölfe von Powerwolf ist der Metal nicht bloß Musik, es ist eine Religion. Und dieser Religion frönen sie durch ganz Europa auf ihrer aktuellen „Blessed & Possessed“-Tour. Am Sonntag luden Hohepriester Attila Dorn und seine Glaubensbrüder zu einer Heavy-Metal-Messe im Kammgarner Kasino, die es in sich hatte. Mit ordentlich Spiel- und Gröl-Gewalt heulten Band und ein „besessenes“ Publikum gemeinsam den Mond an.

Nur an die blasphemische Uhrzeit von 19 Uhr musste sich ein Powerwolf-Neuling erst noch gewöhnen. Für eingefleischte Fans aber kein Problem. Auf dem Vorhof der Kammgarn hat sich eine Warteschlange gebildet, die sich von der Treppe zum Kasino aus einmal ums Tipi-Zelt herum und bis hinaus vor die Mauern erstreckte. Von drinnen donnerten bereits die tiefen Bässe und harten Drums, die die Vorband Stallion für den finalen Soundcheck losließ. Wenn eine Band die Wolfsmassen anheizen kann, dann ist es Stallion. Ein Aufwärmprogramm mit ordentlich musikalischer Pferdestärke, so laut und rigoros, dass die gesamte Steinfassade des Kulturzentrums zu beben schien. Großartig! Danach: Dunkelheit, Umbau, ungeduldige „Attila“-Rufe. Ein Lichtspiel, der Vorhang fällt. Das dominante Podest für Schlag-Athlet Roel van Helden erscheint, links und rechts flankiert von Falk Maria Schlegels sakraler Orgel. Ein episches Intro fegt durch den Saal, und endlich steigt Wolfskönig Attila Dorn aus dem Dunkel empor. Mit zufriedener kreideweißer Mine ließ er die Jubelstürme und Huldigungen seiner Untertanen auf sich hernieder prasseln. Sein ebenso bleichgesichtiges Wolfsrudel im Rücken – um die Wolfs-Thematik bis zur Unerträglichkeit auszureizen – tat anschließend das, was es am besten kann. „Power“ steckt im Namen und Power steckte auch in jedem Ton, den die Sulzbacher Hünen von sich gaben. Der Titeltrack „Blessed & Possessed“ ließ die ersten Chorgesänge im Publikum los und die Menge trieb wie besessen die Arme in die Höhe. Muss auch von der Bühne aus ein herrlicher Anblick gewesen sein. Seit Februar laden die düsteren Germanen aus dem Saarland zum gemeinsamen Wolfsgeheul in ganz Europa. Müdigkeit steht aber weder bei den Musikern noch bei ihren Jüngern auf dem Programm. Die „Hu-Ha“-Rufe zu „Werewolves Of Armenia“ wurden mit einem derartigen Enthusiasmus Richtung Bühne gepfeffert, dass es noch Sekunden später in der Ohren nachhallte. Ein echtes „Powerwolf“-Konzert ist und bleibt ein Erlebnis. Von den pompösen Kostümen und dem noch pompöseren Klang mal abgesehen, ist es vor allem die freundschaftliche Begegnung und Interaktion zwischen Band und Publikum, die Fans über die eigenen Landesgrenzen hinaus in Scharen anlockt. Und auch an diesem Abend erfüllte Attila Dorn seine Aufgabe als Zeremonienmeister mit Bravour. Das Publikum lieferte sich unter Anleitung ein Battle in Sachen Sangeskraft, Attila witzelte mit rollendem „R“ und gewohnt derben Sprüchen, schwang seinen Kreuz-gezierten Mikrofonständer, trank aus seinem goldenen Kelch auf das Wohl seiner Gefolgsleute und feuerte die getriebenen Rhythmen von „We Drink your Blood“ auf die Mitsing-freudigen Kehlen los. Die beiden Gründungsmitglieder Matthew und Charles Greywolf hielten mit, ließen zu „Army of the Night“ ihre langen Mähnen satanisch im Wind wehen und gaben ein brillantes Bass-Gitarren-Duo. Und beim Publikumsliebling „Sanctified With Dynamite“ hatte Roel seine große Stunde und ließ ein Schlag-Gewitter vom Allerfeinsten los. Nachdem die begehrte Zugabe ein letztes Mal mächtig Laune bereitete, entließ Rudelführer Attila mit einer letzten Predigt seine Anhänger in die Nacht hinein. Keine Frage: Nach diesem Konzert wurden mit Sicherheit wieder etliche zum wahren Glauben bekehrt.

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