Kaiserslautern Ein Traum: Ein halbes Jahr hier, ein halbes Jahr dort

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Arthur Weiss, der Schlagzeuger der legendären Midnight Mover, die 15 Jahre lang im Cotton Club jeden Montagabend für Furore sorgten, ist wieder im Land. Er hatte Kaiserslautern Richtung South Carolina, USA verlassen und dort als Musiker und Komponist gearbeitet. Mit seiner Band The Zsound möchte er gerne in Deutschland Fuß fassen. Die RHEINPFALZ traf sich mit dem Schlagzeuger, um mit ihm über seine Zeit in Amerika und seine neuen Pläne zu sprechen.

Genüsslich leckt er an seinem Bananen-Split, nippt an seinem Cognac, und mit einem herzlichen, breiten Grinsen begrüßt er den Interviewer. Nicht umsonst sieht der Kerl unverschämt fit und gut aus für ein Alter, in dem andere Musiker längst die Zeche für gelebtes Leben zahlen. Der wandlungsfähige Drummer, der gerade sein 60. Lebensjahr vollendete, war nie einer, der sich am üblichen Vabanquespiel mit Drogen oder Alkohol beteiligte, der sich zu keiner Phase von Rückschlägen niederknüppeln ließ und deswegen heute gramgebeugt durch die Landschaft schlurfen müsste. Der Hintergrund ist sicherlich in seiner Herkunft zu finden. Arthur Weiss stammt aus einer Zirkusfamilie und hatte in seiner Jugend nicht gerade ein bequemes Leben. Sein Vater unterzog ihn einer harten Erziehung und war hinter ihm her, dass er mehrere Instrumente lernte. Nicht zuletzt deswegen stammt er aus einem widerstandsfähigen Holz. Seine lebenslange Profession heißt sowieso „Entdecker“. Viel machen, alles ausprobieren, ohne Scheuklappen, Vorurteile und Berührungspunkte durch die verminte Welt der Klänge schreiten. Nie geleitet von taktischen oder kommerziellen Überlegungen, sondern ausschließlich von Geschmack und Instinkt. Neugierig auf Kontraste, auf das Unbekannte. Das Drum-Chamäleon weiß, dass es sich lohnt, nicht Gleiches mit Gleichem, sondern vielmehr Konträres zu verbinden. Heiß und kalt, Sonne und Regen, Freude und Trauer, weswegen auch seine Band The Zsound sich auf keinen speziellen Stil festgelegt hat. „Wir machen Weltmusik“, sagt Arthur Weiss, „Jazz, Country, Funk, Soul, Blues, Beat, Rock, eigentlich alles, was zeitgenössisch ist. Elemente aus der ganzen Welt. Das aber mit leidenschaftlicher Energie.“ Seit 2003 musiziert er mit dieser Band aus Atlanta, Georgia, und gibt den Takt an. Etliche Bandmitglieder haben schon mit Legenden zusammengespielt: So war die Familie des Gitarristen Paisley Gordon befreundet mit dem „Godfather of Soul“ James Brown, der ihn auch stark beeinflusst hat. Der Keyboarder Gnyus ist eigentlich ein Multiinstrumentalist und spielte schon in den Bands von Stevie Wonder, Prince, Al Green, James Brown oder Beyoncé. Am Saxophon und am Keyboard agiert „Funky“ Leroy Harper. 1991 bis 2006 stand er auf der Bühne mit James Brown, er musizierte aber auch schon mit Größen wie Stevie Wonder, James Levi und etlichen mehr und war musikalischer Gast bei verschiedenen TV-Shows wie der Late Night von David Letterman. „Kollaborateur“ bei Prince, Herbie Hancock, George Benson oder Joe Cocker war bereits der Bassist und Sänger Scott Parker Allen, und nicht zuletzt kann der Latin-Perkussionist Luis Stefanell auf eine veritable Karriere zurückblicken: Er spielte bereits mit Curtis Mayfield, Freddy Cole, George Clinton und anderen mehr. Eine stolze Karriere hat auch Art Weiss (so nennt er sich in den USA) hinter sich. Bereits vor 20 Jahren wurde er mit dem „Down Beat Soul Award“ ausgezeichnet, weil er so viele amerikanische Musiker begleitet hat, darunter Sam & Dave, The Coasters, Manhatten, La Toya Jackson oder La Bouche. Percy Sledge begleitete er auf dessen „501-Lebise-Tour“ durch ganz Europa, bei der auch der Bassist Klaus Dieter Schnapka dabei war. Überhaupt tourte Weiss zwischen 1988 und 1992 mit amerikanischen Stars, denen er in Europa eine Band zusammenstellte, durch den ganzen alten Kontinent. Ab 1992 spezialisierte er sich dann mit seiner Band Art-News auf Fusion. 1996 erhielt er als Komponist des Titels „Du fehlst mir“, den er für den Rapper Cappuccino („Jazzkantine“) komponiert hatte, eine Goldene Schallplatte für 500.000 verkaufte Exemplare. 1997 rief er zusammen mit dem Kammgarn-Chef Richard Müller die erfolgreichen Midnight Mover ins Leben, die jeden Montag im Cotton Club für Furore sorgten. Und ein Jahr später ging er mit seiner Frau, die Soldatin bei der Air Force war, nach South Carolina, USA. „Dort arbeitete ich kurze Zeit mit Nora Jones“, erzählt Weiss. „Mit den Soul Generals tourte ich einige Jahre durch Kanada und auf Schiffen.“ Bei einer LP-Produktion lernte er den Sohn von James Brown kennen und tourte mit dessen Original-James-Brown-Band durch die Lande. „Mensch, wenn dich mein Papa gehört hätte, der wäre ausgeflippt. Willst du nicht mit mir spielen?“, soll Daryl Brown zu ihm gesagt haben. Wundert es? Wer Arthur Weiss kennt, weiß, man bräuchte zwei Schlagzeuger, um das zu bringen, was er macht. Er ist wie ein Oktopus, der das Schlagzeug umzingelt. Von 2001 bis 2003 war Weiss mit dieser Band auf Tour durch Korea und Japan. Das jeweils vier Monate lang. Doch dann warf ihn eine schwere Erkrankung drei Jahre lang völlig aus der Bahn. Ein erneuter Schicksalsschlag traf ihn im Herbst 2015, als seine Frau starb. Doch Arthur Weiss ließ sich nicht unterkriegen. Heute ist er wieder ganz der Alte und strotzt nur so vor Energie. Zunächst flog er nun wieder zurück nach Atlanta, wo er mit seiner Band The Zsound eine CD und ein Video aufnehmen will. Vielleicht in diesem Sommer schon will er dann in seiner Heimatstadt, in der Kammgarn, sein „Home Coming-Konzert“ mit den Zsounds geben. „Ich will wieder Fuß fassen in Deutschland“, sagt er. „Richard Müller unterstützt mich dabei sehr.“ Seine zweite Heimat in Amerika will er natürlich nicht aufgeben. „Ein halbes Jahr hier und ein halbes Jahr über dem großen Teich, das schwebt mir vor.“ Sagt es und nippt an seinem Espresso. Das klingt nicht wie das Pensum eines 60-Jährigen, der sich langsam auf den Ruhestand vorbereitet, sondern eher wie das Durchstart-Programm eines 30-Jährigen. In der Tat: Der Heißhunger nach barrierefreier Musik scheint bei Artur Weiss noch lange nicht gestillt. Konzert Am 1. April, 20 Uhr, kann man Arthur Weiss im Cotton Club erleben. Bei der „Nuit de la chanson“ mit Pauline Ngoc sitzt er am Schlagzeug; Karten im Vorverkauf (Thalia, www.kammgarn.de) und Abendkasse.

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