Kaiserslautern Ein Timbre süffig wie Moselwein
Marcel Adam ist Kult. Das zeigte sich am Freitagabend wieder in der Landstuhler Stadthalle, wo den Lothringer Liedermacher und seine Band „La fine équipe“ mehr als 300 Besucher feierten. Sogar Fans aus dem französischen Saargemünd hatten sich auf den weiten Weg gemacht, um den schelmischen Barden zu erleben. Sie brauchten es nicht zu bereuen.
„Normalerweise haben die Leut’ zu Beginn des neuen Jahres kein Geld mehr“, zeigt sich Adam überrascht von dem guten Besuch. „Aber man merkt, das hier ist eine reiche Gegend“, setzt er ironisch hinzu. Typisch Marcel Adam! Die Besucher lachen – und schon hat er sie gewonnen. Ohne viel Federlesens. Sogar zum Mitsingen haben alle Lust. Christian Di Fantauzzi ziseliert auf seinem Akkordeon herrliche Melodielinien, Christian Konrad webt hauchdünne Klanggespinste auf der Gitarre. Marcel Adam legt derweil seine ganze Seele in ein Chanson von Jacques Dutronc. Sein warmes Timbre ist süffig wie Moselwein und klar wie das Wasser der Saar bei Großblittersdorf, seiner Heimatstadt. Das nächste Lied, so kündigt er an, handle von den Grenzen, die wir Menschen im Leben oft überschreiten. „So wie beim Fremdgehen“, erklärt der Chansonnier, Liedermacher und Mundart-Komödiant. „Ist jemand im Saal, der ...?“, fragt Marcel Adam süffisant. Sein Französisch klingt elegant, seine Stimme zeichnet sich durch musikalische Feinfühligkeit und emotionale Direktheit aus, sein Gesang durch ungekünstelte Intensität. Sogar die Besucher aus Saargemünd sind begeistert. Zu Adams Kultliedern gehört natürlich auch „’s Onna uff de Bank“, in dem er von seiner Kindheit im beschaulichen Lothringen erzählt und seiner Oma ein Denkmal setzt, die ihn großgezogen hat: „Früher gab es noch kein Fernsehen oder Internet. Da saßen die Nachbarn abends zusammen, haben geknoddelt un geschwätzt und ich hab’ immer dabeigesessen und gelauscht.“ Fantauzzis Akkordeon klingt dabei mal wie eine Mundharmonika, mal wie eine Orgel – und stets virtuos und akkurat. Groß in Fahrt kommt der gebürtige Italiener, der im zarten Alter von 17 Jahren in Sebastian den Weltmeistertitel am Akkordeon errang, bei dem Lied „Im Brunne“. Weder fließendes Wasser noch einen Kühlschrank hätten die Leute im Dorf früher gehabt. Seine Familie habe aber mit dem Besitz eines Brunnens den Vorteil gehabt, eine andere Art „Kühlschrank“ zu besitzen, in dem die Speisen frisch gehalten werden konnten. Der Akkordeonist wirkt jetzt als Dirigent des Publikum-Chors und gibt Zeichen, wenn die Zuhörer in den Refrain „Ganz unne in de Brunne“ einstimmen sollen. Auch mit Liedern wie „Amsterdam“ von Jacques Brel (Christian Konrad dabei virtuos auf der Mandoline) oder „Je ne regrette rien“ von Edith Piaf hat Adam genau den richtigen Dreh raus, sein Publikum zu bezaubern, zumal er die Chansons nicht einfach covert, sondern ihnen einen ganz individuellen Touch verpasst. Die Stärke des beredsamen Barden ist aber auch seine mit ironischem Unterton gespickte Moderation. Wenn er mit dieser Attitüde eines gallischen Hahns mit seinem Publikum schäkert, fliegen ihm nicht nur die Herzen der holden Weiblichkeit zu. Seine charmanten Avancen, sein offenkundiges Flirten in die eine Richtung präsentiert nur die eine Seite des „Frauenflüsterers“. Eine sympathische Version von Macho-Allüren schuldet er den „Herren der Schöpfung“, wenn er zum Beispiel eine typisch weibliche Eigenschaft für sich und allgemein für Adams Geschlecht requiriert: „Mer Männer sinn viel sensibler als die Fraue!“ Dann kann man beobachten, wie die Männer im Publikum sich im Sitz aufrichten. Noch mehr Punkte heimst er ein, wenn er behauptet: „Wir Männer ändern uns nie. Wir schauen mehr auf die inneren Werte.“ Zum ersten Mal vor größerem Publikum präsentierte sich das Saarbrücker Duo Dirk Scherer und Detlef Ludes mit drei Songs aus seinem Album „Fiat Lux“. Der Gitarrist und Sänger, Komponist und Arrangeur Scherer bestach dabei mit guten, philosophisch angehauchten Texten und sympathischer Stimme, während er sich an der Gitarre fingerflink begleitete. Für den richtigen – sanften Groove am Schlagzeug war Ludes verantwortlich. Das Zitat aus „Löwenherz“ kann man sich sogar als Motto anheften: „Wenn alle Stricke reißen und Vertrauen kostbar wird und es schwierig wird zu glauben, dass sich alles ändern kann: Du bist niemals allein, das Leben ist ganz Deines. Es ruft, es schlägt, es pulst, Dein Löwenherz.“ Mit Beifall im Stehen dankt das Publikum allen Beteiligten. Adam gibt drei Zugaben.