Ramstein-Miesenbach
Ein Spektakel mit Tiefgang: „Christmas Moments“ im Ramsteiner Congress Center
Was macht dieses Weihnachtsmärchen so attraktiv? Traditionelle Weihnachtslieder, Pop, Musical, Klassik und Gospel treffen sich hier in einer einmaligen Liveshow. Und sie hat eine Botschaft über das, was Weihnachten wirklich bedeutet. Das betont das Ensemble schon gleich zu Beginn: „Niemand darf in seinen Menschenrechten eingeschränkt werden wegen seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, Religion, seiner nationalen Zugehörigkeit, seiner politischen Überzeugung.“ Alle Menschen sollen sich im Geist der Brüderlichkeit begegnen, deklarieren sie und beginnen gemeinsam mit dem Lied „Wir ziehen in den Frieden“.
Botschaften über Glaube, Liebe und Hoffnung
So sind ihre Weihnachtslieder Botschaften über Glaube, Liebe und Hoffnung, die mehr als nur zum Nachdenken anregen wollen. Darum befreit der Weihnachtsengel in Gestalt des Schauspielers Rüdiger Schade die Weihnachtsstimmung von jeglicher Rührseligkeit. Ein Engel sei er ohne Heiligenschein, ohne Flügel und dem ganzen „Tam-Tam“, aber ein Engel mit großem Herzen und klarem Verstand. Kritisch mokiert er sich über das Fest mit dem ironisch gefärbten Gedicht „Feiertage“ von Hanns-Dieter Hüsch: Alle sind an Heiligabend zusammengekommen, alle sind nervös und gerührt. Dann werden die Geschenkpakete aufgeschnürt – und jeder ist gekränkt, denn jeder hat dem anderen was Falsches geschenkt.
Besonders eindrucksvoll ist seine Geschichte über „Heiligabend 1941 in Russland“. Die deutschen Soldaten sind erschöpft von Kälte und Kampfgetümmel und sehnen sich nach ihren Familien zuhause. In einer zerschossenen Kirche bauen sie notdürftig einen Weihnachtsbaum auf, singen Weihnachtslieder, von einer Mundharmonika begleitet. Die Kirche füllt sich immer mehr, und plötzlich nehmen sie russische Soldaten wahr, die an der Feier teilnehmen, die die gleichen Gefühle haben wie die Deutschen. Und für eine Stunde schweigen an diesem Ort die Waffen, bevor der unbarmherzige Krieg wieder weitergeht.
Der Star des Abends
Der Star unter den vier Vokalkünstlern ist ohne Zweifel David Moore, der schon seit 23 Jahren die Show begleitet. „Manchmal braucht man Trost und Unterstützung von oben. Für mich ist es mein Glaube“, bekennt er und intoniert den Gospel „Godi s good – You are doin it all“. Dabei liegt seine Stimme perfekt auf dem Atem, und er versteht es, seine ungemein flexible Stimme vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufzuschrauben.
Die Hymne „Oh come all ye faithful“ („Adeste Fidelis“ in Latein), mit der er vor 23 Jahren seine Premiere in der Weihnachtsshow feierte, singt er zunächst a cappella, bevor das Quartett mit herrlich vierstimmigem Harmoniegesang einfällt. Auch wenn Davids Intonation nicht mehr ganz so rein ist, sein Stimmenumfang ist immer noch bemerkenswert. Dass er auch hauchzart singen kann, beweist er mit dem Lied „In diesem Moment“. Immer wieder bekommt er stürmischen Szenenbeifall.
Ein großartiges Talent
Für Bewunderung sorgt auch die erst 16-jährige Emily Valerius, die durch die Teilnahme an der PRO 7-Show „The Voice Kids“ bekannt wurde. In Liedern wie „Have a talk with god“ oder „Have yourself a merry little“ agiert sie voller Energie. „Oh holy night“ singt sie dann so eindringlich, dass der Hörer Gänsehaut bekommt. Expressivität und Intonationsreinheit weiß der Musical-Star Aloysia Astari mit großem Nuancenreichtum zu verbinden. Als introvertierter Romantiker präsentiert sich der Mannheimer Soulsänger Dominik Steegmüller, der mit einem erdigen Sound in der Stimme besticht, zuweilen aber das längst unmodern gewordene Vibrato übertreibt. Mit Thomas Schwab am Klavier und seiner differenzierten Anschlagskultur, dem herausragenden Andreas Steffens am Saxofon, Sören Jordan an der Gitarre, Umbo Umschaden am Bass und Stefan Schoch am Schlagzeug besitzt die Band fünf brillante Musiker. Riesiger Applaus zum Schluss. Nun kann Weihnachten kommen.